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Wohnkultur Design für den Schrebergarten

25.03.2008 ·  Schluss mit spießigem Alpen-Look und Schwarzwald-Fichtenholz im Garten: Die neue Generation der Laubenpieper verlangt nach anspruchsvoller Architektur für ihre Hütten. Das Gartenhaus soll zum Blickfang werden - und das lassen sich die Hobbygärtner einiges kosten

Von Birgit Ochs
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Es ist noch gar nicht lange her, da galt die Laubenkolonie als grüne Oase spießiger Hobbygärtner. Es war der Ort, an dem Tulpen in Reih und Glied blühten, kein Kräutlein ohne Berechtigungsschein wuchs, und Gartenzwerge vor Hüttchen im Alpenhütten-Look Wache hielten. Doch seit auch junge, hippe Großstädter den Kleingarten als Refugium entdeckt haben, verwandelt sich manche Parzelle zum architektonischen Experimentierfeld.

„Im Schrebergarten ist plötzlich Design gefragt“, sagt die Architektin Nanni Grau. „Das Gartenhaus ist zum Blickfang geworden“, bestätigt Christian Plutte, Inhaber von Gardomo. „Das Gartenhaus versteckt man nicht mehr hinter Gebüsch“, ergänzt sein Wettbewerber Jack Baschton vom Unternehmen Gartenhauptdarsteller. Der Name ist Programm.

Sogar für die Sauna ist Platz

Denn gleich, ob die Gartenfreunde die kleinen Gebäude von Plutte und Baschton vor allem als Schuppen für Haken und Rasenmäher nutzen, sie als Sauna einrichten oder wie die Lauben von Nanni Grau als Datsche bewohnen - die Häuschen sollen vor allem eines sein: architektonisch auf der Höhe der Zeit.

Im Schrebergarten ist Design gefragt

„Es ist unglaublich, wie die Leute aktuelle Architekturtrends auf ihre selbstgebauten Lauben übertragen“, erzählt Nanni Grau. Mit ihrem Partner Frank Schönert hat sie in den Schrebergärten in und um Berlin gewissermaßen Feldforschung betrieben. Die beiden Architekten und Gründer des Büros Hütten & Paläste (HuP) bespielen bevorzugt jene urbanen Nischen, zu denen auch Laubenkolonien zählen.

Große Fensterfronten mit Schiebetür

Teils in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Berliner Kleingärtner entwickelte HuP Modelle für junge Familien, die den Schrebergarten als Erholungsoase nutzen wollen. Entstanden sind Lauben wie „Dula“ (Durchlaube), „Mila“ (Mini-Laube) und „Cala“ (Chamäleonlaube), die sich durch große Fensterfronten auszeichnen, sich mittels Schiebetüren zum Garten hin öffnen. „Die Leute wollen nicht im Dunkeln sitzen“, sagt Grau.

Wie Gardomo und Gartenhauptdarsteller bedient auch HuP eine Klientel, die mit dem Angebot der Baumärkte nicht glücklich wird. „Die Generation Ikea hat andere Ansprüche“, sagt Architektin Grau. Die Generation Ikea, das ist für sie die Altersgruppe der Mitte dreißig bis etwa Fünfzigjährigen, die sich für ihre Laube in erster Linie eine frische Optik wünscht. „Farbig sollen die Fassaden sein“, erläutert Baschton. Individuelle Gestaltung, eine Anfertigung nach Maß sei gefragt, hat Plutte erfahren.

Ein Häuschen in Würfelform ist der Renner

Bei seinen Kunden ist der „Cube“, das Häuschen in Würfelform, der Renner. Muster und Rechte für das Designhäuschen hatte er vor einigen Jahren einem Architekten abgekauft. Mittlerweile verkauft das Unternehmen die Minibauten in ganz Deutschland - je nach Wunsch mit einer Grundfläche von 2,5 mal 2,5, 3 mal 3 oder 5 mal 5 Meter. Je nach lokaler Vorschrift sind für die Gartenhäuser bis zu 26 Quadratmeter Grundfläche erlaubt.

Und weil die Designerhäuschen nicht mit billigem Material zu haben sind, nehmen die Anbieter für sich in Anspruch, hochwertige Baustoffe einzusetzen. Für rundum „Öko“ reiche es allerdings nicht, wie Architektin Grau sagt. Denn der hohe ökologische Anspruch der Kunden schrumpft drastisch, wenn die Laubenplanerin die Kosten nennt.

Um die 15.000 Euro kostet die 24 Quadratmeter große „Cala“. Solardach und Pelletheizung sind da nicht drin. Gardomo und Gartenhauptdarsteller verlangen für ihre kleinsten Objekte zwischen 6000 und 7000 Euro. „Mit den Baumarktpreisen können wir nicht mithalten“, sagt Plutte. Das gilt auch für das Minifertighaus des Architekturbüros Exilhäuser. 15.000 Euro soll das schicke Objekt kosten. „Das Interesse ist riesig, gekauft wird es nicht“, räumt Eik Kammerl von Exilhäuser ein. Am Ende sticht der Preis wohl doch Schönheit.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23.03.2008, Nr. 12 / Seite V15
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Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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