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Veröffentlicht: 07.08.2011, 08:00 Uhr

Zwangsversteigerung des Eigenheims Handeln, bevor der Hammer fällt

Droht die Zwangsversteigerung des Eigenheims, reagieren Betroffene oft falsch. Dabei gibt es Möglichkeiten, den Schaden zumindest zu begrenzen. Hilfreich: psychologische Unterstützung - doch die fehlt fast immer.

von Sabine Hildebrandt-Woeckel
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Isolde Klopfer hat es geschafft. Drei Jahre dauerte ihr Kampf um Haus und Firma. Die Zwangsversteigerung drohte, doch am Ende kam sie mit einem blauen Auge davon. Das private Einfamilienhaus hat sie zwar verloren, doch die Gewerbeimmobilie konnte sie retten, baute einen Teil davon zur Wohnung um und lebt nun dort. Schuldenfrei ist sie zwar noch lange nicht. „Aber inzwischen steht die Finanzierung wieder auf soliden Beinen.“ Klopfers Fall ist ein Klassiker – einerseits. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie einen kleinen Dachdeckerbetrieb in Norddeutschland. Die Geschäfte liefen gut – bis der Mann vor fünf Jahren schwer an Krebs erkrankte. Schleichend litt das Geschäft. Irgendwann konnte sie die Raten für die Kredite nicht mehr zahlen. Aber sie traute sich nicht, darüber zu reden, ließ Rechnungen liegen – bis die Bank nicht mehr mitmachte und der Verlust beider Immobilien drohte. Andererseits ist Klopfers Fall aber auch ungewöhnlich. Denn gerade noch rechtzeitig suchte sie Hilfe. In ihrem Fall bei Oliver Hintermair.

Hintermair, eigentlich Immobilienfachwirt, erlebte vor Jahren in der eigenen Familie, wie belastend und oft lähmend es wirkt, wenn das Thema Zwangsversteigerung im Raum steht – und hat seitdem das Abwenden derselben zu seinem Geschäft gemacht. Unter anderem betreibt er die Internetseite www.hilfe-in-der-zwangsversteigerung.de. Fünf bis sechs Anfragen erhalte er täglich. Allen könne er nicht helfen, räumt er unumwunden ein, beispielsweise wenn der Betroffene komplett überschuldet ist. „Doch das ist weit weniger häufig der Fall, als der Laie oft denkt.“ Hintermairs Ziel ist es, rechtzeitig nach Lösungen zu suchen – die den Schaden zumindest begrenzen und vielleicht sogar Teile des Vermögens retten. Beispielsweise indem das Haus „freihändig“, so die juristische Bezeichnung, verkauft wird. Das bedeutet, sich von dem Objekt zu trennen, bevor es überhaupt zu einem Zwangsversteigerungsverfahren kommt. Denn dadurch lässt sich ein deutlich besserer Preis erzielen, als wenn schon ein Zwangsversteigerungsvermerk im Grundbuch eingetragen ist.

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Doch selbst wenn dies der Fall ist, könne es noch Lösungsmöglichkeiten geben, hebt der Fachmann eindringlich hervor. So können Verwandte oder auch andere Investoren die Forderung ablösen und das Haus dann später an den Schuldner zurückveräußern. Hintermair übernimmt dies auch selbst – und räumt den ehemaligen Eigentümern dann ein fünfjähriges Vorkaufsrecht ein. Der Vorteil für den Schuldner: Findet er einen Investor, der dem Gläubiger mehr zahlt, als bei einer Versteigerung zu erreichen wäre, ist dieser oft auch bereit, auf einen Teil der Schulden zu verzichten. „Vieles ist einfach Verhandlungssache“, sagt Hintermair. Dass es dennoch häufig zu Zwangsversteigerungen kommt, liegt aus seiner Sicht daran, dass viele Betroffene allein durch die Androhung einer Zwangsversteigerung so in Panik geraten, dass sie entweder gar nichts tun oder aber – oft mit Hilfe dubioser Berater – versuchen, das Verfahren zu verzögern. Zur äußersten Vorsicht rät Hintermair darum auch immer dann, wenn Berater das Blaue vom Himmel versprechen – und erst einmal Vorkasse verlangen. Oft lässt sich das Haus nicht halten, aber eine finanzielle Katastrophe abwenden.

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Unsinnige Anträge

Diese Einschätzung teilt auch Dirk Goldenstein. Der Erlanger Anwalt hat sich auf Zwangsversteigerungen spezialisiert „Da werden dann haufenweise unsinnige Anträge gestellt.“ Zum Beispiel wird der vom Gutachter ermittelte Verkehrswert angezweifelt oder eine Einstellung des Verfahrens wegen sittenwidriger Härte gefordert. Fast durchgängig ohne Erfolg. „Und am Ende ist der Schaden noch größer, als er ohnehin schon war.“ Das Problem auch aus Goldensteins Sicht: Die Betroffenen agieren falsch – und vor allem zumeist zu spät. „Wenn jemand erst kommt, wenn die Zwangsversteigerung bereits in zwei Wochen terminiert ist, wird es schwierig.“ Der schlimmste Fehler: Statt mit der Bank zu kooperieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, werden alle Lösungsvorschläge boykottiert. Damit trügen die verschuldeten Immobilienbesitzer aber selbst dazu bei, den Schaden noch zu vergrößern.

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