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Wohnungsmarkt Asien Gefragte Luftschlösser in Hongkong

 ·  Die Wohnungspreise in der Sonderverwaltungszone steigen und steigen. Dagegen können wohl auch neue Steuern nichts ausrichten, solange das Angebot knapp, die Zinsen niedrig und die Festland-Chinesen so kaufkräftig sind.

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Das sieht nach einer Verzweiflungstat aus: Um einer Überhitzung am Immobilienmarkt vorzubeugen, hat die neue Hongkonger Regierung Ende Oktober die Abgaben auf den Häuserverkauf ausgeweitet. Die Transaktionssteuer, die nach britischem Vorbild Stempelsteuer heißt, wurde erhöht, eine weitere Abgabe eingeführt. Die neue „Buyer’s Stamp Duty“ in Höhe von 15 Prozent müssen alle gewerblichen Käufer zahlen und solche Privatleute, die nicht Bürger von Hongkong sind. „Das mag die Zahl der Verkäufe vorübergehend bremsen und die Käufergruppen verändern, den Preisanstieg wird es aber kaum aufhalten“, sagt Cusson Leung, der Leiter der Abteilung für Immobilienstudien bei Credit Suisse in Hongkong. „Der Wohnungserwerb bleibt attraktiv, und die Preise bleiben hoch, solange das Angebot knapp und das Geld billig ist.“

Teuerste Immobilien der Welt

Die Immobilien in Hongkong gehören zu den teuersten der Welt. Seit 2007 sind die Wohnungspreise real um mehr als 60 Prozent gewachsen. Zwar hat sich die Zunahme zuletzt abgekühlt. Nach Zahlen der Beratungsgesellschaft Knight Frank führt Hongkong die Liste in Asien aber noch immer deutlich an. Von einem Rückgang der Preise wie in anderen Weltgegenden kann hier nicht einmal entfernt die Rede sein. Die Abschlüsse erreichen immer irrwitzigere Rekorde. Im August wechselte in einer Edellage am Peak auf Hongkong Island eine 6200 Quadratfuß große Wohnung für 470 Millionen Hongkong-Dollar den Eigentümer. Das entspricht einem Quadratmeterpreis von fast 83 000 Euro. Im Durchschnitt kostet nach Angaben des Maklerunternehmens Midland Realty auf ganz Hongkong bezogen ein Quadratmeter etwa 7300 Euro. In Hongkong Island sind es 10 400, in Kowloon 7980, in den New Territories 5900 Euro.

Kaum jemand erwartet, dass die Preisspirale bald endet. Sie dürfte sich zwar etwas langsamer drehen, da die Investoren in der schwieriger werdenden Lage der Weltwirtschaft ihr Geld zusammenhalten. Selbst Festland-China, woher der Löwenanteil der fremden Käufer von Hongkonger Luxusimmobilien stammt, entwickelt sich schwächer als gewohnt. Dennoch dürfte der Preisauftrieb weitergehen. So erwartet der Immobiliendienstleister Colliers International im Premiumsegment für die nächsten zwölf Monate eine Preiserhöhung um weitere 5 Prozent. Angefacht werde der Gesamtmarkt vor allem von den niedrigen Zinsen, sagt Ricky Poon, Geschäftsführender Colliers-Direktor für Wohnimmobilien in Hongkong.

Festland-Chinesen treiben die Preise

“Die neue Runde der laxen Geldpolitik in Amerika, die Quantitative Lockerung, spült viel Liquidität in die Stadt“, weiß Poon. Da die Währung an den Dollar gekoppelt sei, bleibe Hongkong keine andere Wahl, als den Weg des billigen Geldes mitzugehen. Die neuen Steuern nähmen dem ungezügelten Preisauftrieb aber zumindest die Spitze, da sie spekulative Festland-Chinesen abschreckten, sagt er. Diese hätten in den vergangenen zwei Jahren bis zu 60 Prozent der Luxuskäufe getätigt und so die Preise angetrieben. „Jetzt kühlt sich das Ganze ab, das ist gesünder.“ Es gibt unterschiedliche Einschätzungen darüber, inwieweit der Markt spekulativ verzerrt ist oder doch eher von Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Der Leerstand gilt mit 4 Prozent als gering, gut 60 Prozent der Privatkäufe lassen sich ohne Hypotheken finanzieren. Credit Suisse hat ausgerechnet, dass in den ersten acht Monaten des Jahres fast 35.000 Hongkonger Paare geheiratet hätten und eine eigene Wohnung suchten. Für 7000 von ihnen sei nicht genügend Wohnraum da. Während das auswärtige Interesse langsamer wachse, nehme die Binnennachfrage immer stärker zu und befeuere so die Preise, argumentiert Leung. Poon von Colliers sieht das etwas anders. Er hat beobachtet, dass die lokalen Interessenten auf fallende Preise setzen und deshalb mit dem Kauf abwarten.

Einig ist man darin, dass sich eine weitere Explosion der Tarife längerfristig nur dadurch vermeiden lässt, dass die Regierung - die ein Monopol darauf besitzt - mehr Bauland ausweist. In den neunziger Jahren wurden jedes Jahr im Durchschnitt mehr als 20 000 Wohnungen fertiggestellt, jetzt sind es nur noch halb so viele. Eine weitere Hoffnung ist das Ende der lockeren Geldpolitik in Amerika. Doch damit rechnet auch in Hongkong niemand vor 2015.

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20.11.2012, 00:42 Uhr

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