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Wohnimmobilien Deutschland, Land der Mieter

31.01.2009 ·  Das eigene Haus steht an erster Stelle auf der Wunschliste der Deutschen, heißt es. Die Statistik zeichnet ein anderes Bild von der Realität: Die Eigentumsquote ist in den vergangenen sechzig Jahren kaum gestiegen.

Von Jens Friedemann
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Deutschland ist das Land der Mieter. Über einen sechs Jahrzehnte reichenden Zeitraum von 1950 bis 2006 ist die Eigentümerquote in Westdeutschland lediglich um 6 Prozentpunkte von 39 auf 45 Prozent gestiegen. Bei einem Mieteranteil von 53 Prozent (einschließlich Ostdeutschland) hat - bis auf die Schweiz - kein anderes Land in Europa einen auch nur annähernd ähnlich großen Mietwohnungssektor.

Anders als in Westdeutschland ist die Eigentümerquote in Ostdeutschland von 1993 bis 2006 von 26 auf 34 Prozent (2002) gestiegen, dann aber wieder auf 31 Prozent (2006) gefallen. Das geht aus dem Informationsdienst „Soziale Indikatoren“ des „Leibniz Institute for the Social Sciences Director Social Indicators Research Centre“ (GESIS) hervor. Dort weisen die Verfasser, Heinz-Herbert Noll und Stefan Weick, aber schon in der Überschrift auf extreme Qualitätsunterschiede des Wohnens hin: „Wohnen in Deutschland: Teuer, komfortabel und meist zur Miete.“

Erbe des Sozialismus

Die übrigen Mitgliedsländer der Europäischen Union kommen auf eine durchschnittliche Eigentümerquote von 68 Prozent und einen Mieteranteil von nur 28 Prozent. In zahlreichen osteuropäischen Ländern liegt die Eigentümerquote sogar bei 80 bis 90 Prozent; diese abweichenden Wohnverhältnisse sind zum größten Teil als Erbe der sozialistischen Vergangenheit zu betrachten. Sie sind nach der politischen Wende meist weit unter Marktwert an die Mieter verkauft worden - vor allem, weil erheblicher Sanierungsbedarf vorhanden war.

Die Privatisierung des einst staatlichen, kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbestandes im Osten Europas erklärt auch, warum der Besitz von Wohneigentum dort weit weniger einkommensabhängig ist als im restlichen Europa. Für ganz Europa gilt freilich, dass Wohneigentum nicht nur Sicherheit vor Mieterhöhungen und Kündigungen bietet, sondern auch größere Möglichkeiten einer an den eigenen Bedürfnissen orientierten Gestaltung des eigenen Heims.

Eigentum dient vielfach auch der privaten Vermögensbildung und Altersvorsorge. Andererseits kann der Immobilienerwerb auch eine erhebliche finanzielle Belastung oder gar Überforderung darstellen, wie sich in der jetzigen Finanzkrise zeigt. Wohnen zur Miete, so formulieren Noll und Weick, bindet nicht nur weniger Kapital, es stellt auch ein deutlich geringeres Mobilitätshindernis dar und kann daher eine attraktive Alternative zum Erwerb von Wohneigentum bieten. Voraussetzung dafür ist jedoch ein funktionierender Mietwohnungsmarkt, wie er im Grunde nur in Deutschland existiert.

Sonderstellung in Europa

Die Sonderstellung Deutschlands als Land der Mieter ist nicht nur auf die quantitativ gute Versorgungslage, sondern auch auf deren Qualität zurückzuführen. So hat sich die Zahl der Wohnräume pro Person von 0,9 im Jahr 1950 auf 1,5 Räume Anfang der siebziger Jahre und heute 2,1 Räume erhöht. 1960 standen jeder Person 19 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, heute sind es 42 Quadratmeter. Dagegen lebt ein Drittel der Haushalte in Osteuropa - vor allem aber in Griechenland und Italien - unter beengten Verhältnissen.

In Deutschland haben sich dagegen auch der Komfort und die Ausstattungsmerkmale entscheidend verbessert. 1960, so stellen die Wissenschaftler fest, haben 90 Prozent aller Wohnungen in der früheren Bundesrepublik nicht über Bad, Innen-WC und Sammelheizung verfügt, mittlerweile ist dieser Anteil auf 5 Prozent zurückgegangen.

Die Kehrseite: Mit einem Anteil von 29 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens gehört Deutschland zusammen mit den Niederlanden und Dänemark zu den Ländern mit den höchsten Wohnkosten in Europa. Als besonders unangenehm werden Lärm und Umweltbelastungen empfunden; Kriminalität sei vor allem in England und Lettland ein großes Thema.

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