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Wohnen mit Drohnen : Da fliegt was in der Luft

Guter Einblick: Vielleicht liegt das Obergeschoss schon bald an einer neuen Verkehrsader. Bild: Allstar/Gaumont

Schwirren bald nicht nur Vögel, sondern auch Paketcopter im Luftraum unserer Städte umher – und sind unsere Innenstädte dafür schon bereit? Über mögliche Konflikte beim Wohnen mit Drohnen.

          Das Kinoprogramm kam per Luftfracht, und zwar in Form einer TV-Box. Eine Tüte Popcorn gab’s für den Kunden noch dazu. Obwohl er in einer eher ländlichen Region Englands lebt, vergingen von der Bestellung im Internet bis zur Lieferung nur dreizehn Minuten. Eine Drohne machte es möglich. Sie sorgte dafür, dass der Engländer und der Internet-Warenhauskonzern Amazon nun einen Platz in den Geschichtsbüchern haben – weil sie vor knapp einem Jahr die Hauptakteure der ersten Drohnenlieferung in Europa waren, der ersten erfolgreichen zumindest. Auch wenn das Popcorn wohl schon kalt war als es beim Besteller ankam, gilt die Zustellung per Drohne als nächstes heißes Ding in der Internet- und Logistikszene.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Hoffnungen fliegen derzeit hoch. Denn Internetshopping ist von der Ausnahmeerscheinung zum Normalfall geworden – zieht aber eine unangenehme Begleiterscheinung nach sich: Der Lieferverkehr wächst rasant. Vor allem in den Städten und Ballungsräumen hat die Stau- und Verkehrsbelastung längst die Grenze des Erträglichen erreicht. Warum also nicht in die Luft gehen? Von der Zustellung per Drohne versprechen sich viele Planer nun eine Entlastung der Straßen und eine noch schnellere und bessere Belieferung der Kunden.

          Optimisten der Branche gehen davon aus, dass schon bald ein Milliardenmarkt entstehen könnte. In Nevada beliefert bereits die Supermarktkette 7Eleven ihre Kunden mit Essen, Drogeriewaren und Getränken, das Drohnen per Seil in deren Vorgarten absetzen. In London wird Sushi ausgeflogen, in Neuseeland Pizza. Viele Konzerne experimentieren mit den Drohnen und Paketcoptern. Etwa 600.000 Drohnen seien hierzulande schon einsatzbereit, schätzen die deutsche und europäische Flugsicherung und das Verkehrsministerium anhand der Verkaufszahlen großer Hersteller. Die überwiegende Mehrheit steigt jedoch nur für den Hobbygebrauch in die Höhe. Als Transportmittel verrichten derzeit nur ein paar Dutzend Drohnen ihren Dienst. Vorerst.

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          Städte für Ansturm der Drohnen noch nicht bereit

          „Zum Glück“, sagt Konrad Otto-Zimmermann, der sich als Stadtplaner und Verwaltungswissenschaftler auf das Thema Mobilität in Städten spezialisiert hat. Denn auf den erwarteten Ansturm der neuartigen Fluggeräte seien die Städte gar nicht vorbereitet: „Die kommunalen Spitzenverbände sind entweder im Tiefschlaf, oder sie wollen nicht erkennen, was da in der Luft liegt.“ Bisher jedenfalls kümmerten sie sich fahrlässig wenig um das Thema Drohnen, obwohl mit denen „eine neue historische Dimension der Stadtraumnutzung einhergeht.“ Wenn bald Tausende Drohnen in Innenstädten Päckchen abwerfen oder zu Erkundungsflügen ausschwärmen und damit eine zusätzliche Verkehrsebene aufmachen, dann sind – trotz der neuen Drohnenrichtlinie des Verkehrsministeriums – viele Fragen ungeklärt:

          In welcher Höhe sollen die überhaupt durch den Luftraum schwirren? Wenige Meter über der Erde, was bedeuten würde, dass sich Hausbewohner selbst im dritten oder vierten Stock daran gewöhnen müssen, dass demnächst Verkehrsadern an ihren Fenstern vorbeirauschen? Oder viel weiter oben in der Luft, wo sie den Vögeln den Platz streitig machen – und viel mehr Wucht entfalten, wenn sie abstürzen? Sollen sie über Straßen bleiben oder auch querfeldein über Freiflächen, Schulen oder Friedhöfen fliegen dürfen? Bisher schreiben die Gesetze vor, dass ein Drohnenflug über Wohngrundstücken verboten ist, es sei denn, die Grundstücksbesitzer geben ausdrücklich ihre Zustimmung. Das soll die Bewohner vor Voyeurflügen und ungebetenen Kameraflügen schützen, so weit, so gut. Aber damit wären auch die städtischen Lieferdrohnen stark eingeschränkt, denn wo sollen sie ihre Pakete absetzen, wenn sie nicht in Innenhöfen und auf Balkonen landen dürfen? Sie könnten dann lediglich Paketcontainer im öffentlichen Straßenraum ansteuern, wo die Kunden ihre Pakete abholen müssten.

          Es droht ein Verlust von Lebensqualität und Privatsphäre. Es wird Unfälle in neuer Dimension geben durch Abstürze oder Drohnenkollisionen mit Hauswänden, Stromleitungen oder miteinander. Fälle, bei denen Drohnen beinahe Flugzeugabstürze verursacht hätten, gibt es schon mehrere, ebenso wie Zusammenstöße mit Wildgänsen. Außerdem können Drohnen gehackt oder für Terrorangriffe missbraucht werden. Auf all das haben die Stadtplaner und Kommunen bisher keine Antworten. In einem aktuellen vielseitigen Positionspapier des Städtetags zu Mobilität und Verkehr kommt das Wort Drohne nicht einmal vor. Bisher beschäftigen sich lediglich Logistikkonzerne und technikverliebte Internetkunden mit dem Thema Drohnenverkehr, und bevor sie Fakten schaffen, die später nicht mehr zu ändern sind, plädieren Stadtplaner wie Konrad Otto-Zimmermann für ein „flächenhaftes Drohnenflugverbot innerhalb geschlossener Ortschaften“ zumindest für private Anwendungen. Wer der Drohnen kommerziell nutzen möchte, müsse sich eine Genehmigung dafür holen.

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