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Smart Homes : „Wer haftet, wenn der Mähroboter Amok läuft?“

Sieht eigentlich harmlos aus: ein Mähroboter Bild: Archiv

In der Wohnwelt von morgen ist der Mensch in einem Computer zu Hause. Aber was passiert mit den Daten der Bewohner? Ein Rechtsexperte spricht im F.A.S.-Interview über die Tücken smarter Wohngebäude – und die Angst vor Systemabstürzen.

          In der Wohnwelt von morgen ist der Mensch in einem Computer zu Hause. Äußerlich gleicht der Bau zwar noch einem Haus oder einer Wohnung aus dem analogen Zeitalter, tatsächlich jedoch regelt eine automatische Steuerung noch das kleinste Detail. Die smarte Haustechnik ist schon heute längst auf dem Vormarsch, selbst im Altbau, in dem sprachgesteuerte Geräte wie „Alexa“ oder „Google Home“ Einzug gehalten haben. Das ist praktisch, verheißt Energieeffizienz und Sicherheit, zugleich ist es nicht ohne Risiko. Nicht nur, weil smarte Häuser wie auch Assistenzsysteme eifrig Daten der Bewohner sammeln. Der Frankfurter Rechtsanwalt Udo Kornmeier hat sich mit den Fragen beschäftigt, was im smarten Zuhause alles passieren kann, worauf Nutzer achten sollten und was sie selbst zu ihrer Sicherheit beitragen können.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Herr Kornmeier, zwei von drei Deutschen wollen gern im Smart Home wohnen. Aber fast jeder Zweite hat Angst, dass in intelligenten Häusern seine Privatsphäre verlorengeht. Was weiß so ein Haus über seine Bewohner?

          Künftig sehr viel: Wenn Sie entsprechende smarte Anwendungen nutzen, weiß das Haus, wann Sie aufstehen, weil es merkt, wann Sie die Jalousien hochziehen und das Licht anmachen. Es speichert, in welchem Zeitraum Sie Ihre Heizung mit welcher Temperatur anschalten. Es weiß, was im Kühlschrank steht und welche Milchsorte Sie trinken, weil es die ja automatisch nachbestellt. Außerdem registriert es, welche Bestellungen Sie im Internet aufgeben. Aus diesen Daten lassen sich Rückschlüsse auf Ihren ganz privaten Tagesablauf ziehen, auf die Zahl der Haushaltsmitglieder, deren Ernährungsgewohnheiten, Haustiere, Urlaubs- und Arbeitszeiten.

          Das klingt beängstigend.

          Natürlich. Solche Anwendungen bieten einerseits Komfort, andererseits schwingt bei neuen Technologien aber immer die Angst mit – die Angst vor einem Kontrollverlust über Daten ebenso wie die Angst vor Systemabstürzen. Stellen Sie sich mal vor, so ein Haussystem stürzt ab: Plötzlich gehen dann die Jalousien nicht mehr auf. Oder Sie sind in der Garage eingeschlossen, weil sich das Tor nicht mehr öffnen lässt. Vielleicht wird gleichzeitig als Kettenreaktion eines Systemabsturzes die Tür Ihres selbstfahrenden Autos verriegelt und ein Kabelbrand ausgelöst, während in der Küche der Haushaltsroboter den frisch gebrühten Kaffee nicht in die Tasse gießt, sondern aufgrund einer Fehlschaltung einem Mitbewohner über den Kopf – da kann vieles passieren.

          Udo Kornmeier
          Udo Kornmeier : Bild: Unternehmen

          Seit den jüngsten Angriffen des Schadprogramms Wannacry dürften viele Menschen Angst haben, dass ihr Haus gehackt wird.

          Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass so etwas passiert. Man muss sich ja nur einmal anschauen, welche Angriffe es schon auf andere Systeme gegeben hat. Da wäre so ein Haussystem ein leichtes Unterfangen für Hacker, insbesondere wenn Updates nicht regelmäßig erfolgen, was ja selbst im beruflichen Umfeld immer wieder passiert. Fehlende Updates von Betriebssystemen in Unternehmen haben auch zum „Erfolg“ der Wannacry-Attacke im Mai dieses Jahres beigetragen.

          Die Daten aus den smarten Häusern bleiben ja nicht im Haus, sie werden an vielen Orten gespeichert, auch in der Cloud. Wohin wandern die Daten genau?

          Die Daten von Smart-Home-Technologien können sowohl an den Anbieter übermittelt werden als auch an den Hersteller, an weitere eingebundene Dienstleister sowie an Cloud-Speicher. Aus Sicht des Datenschutzes sollte daher transparent gemacht werden, wer welche Daten in welchem Umfang und zu welchem Zweck verarbeitet. Und welche Stellen auf die gesammelten Daten zugreifen können. Wenn im Smart Home amerikanische Dienste genutzt werden, wandern die Daten in der Regel in die Vereinigten Staaten. Zum Beispiel beim Amazon Dash Button, das ist der Knopf an der Waschmaschine, mit dem man Waschmittel bestellen kann. Oder bei Amazon Echo, also dem spracherkennenden Hausroboter Alexa. Oder bei Google Home. In Amerika hat der Datenschutz aber nicht das Schutzniveau wie in Europa, deshalb ist eine solche Datenübermittlung und -speicherung rechtlich fragwürdig.

          Müssten die Benutzer da nicht ihre Einwilligung geben?

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