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Pflanzenblogger Igor Josifovic : „Die Pflanze muss zum Lebenswandel passen“

Der ideale Standort? Perfekte Pflanzennachbarn? Wo und in welcher Gesellschaft Pflanzen stehen, ist nicht egal. Bild: Lina Skukauske

Blogger Igor Josifovic über den Trend zum Dschungel im Wohnzimmer, Pflanzenpflege 2.0 und darüber, warum weniger manchmal mehr ist.

          Woher kommt der Trend, immer mehr Grün ins Wohnzimmer zu holen, es zu einem Dschungel in der Stadt zu machen?

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Heute sind wir ständig online, erschließen uns die Welt über Smartphones, Tablets, das ganze Leben spielt sich auf Oberflächen ab. Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir davon fast gesättigt sind. Diese schnelllebige Entwicklung hat die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit als Gegenpol hervorgebracht. Bei all diesem Glatten, Digitalen geht die Sinnlichkeit verloren. Wir sehnen uns nach mehr Haptik, nach dem Natürlichen, das uns erdet und entschleunigt. Deswegen erleben Pflanzen eine Renaissance im Innenraum. Gerade urbane Bewohner holen sich gern ein Stück Natur ins Haus, vielleicht auch, um sich so zu erinnern, woher wir eigentlich kommen: daran, dass die Natur uns Menschen näher liegt als das Internet, auch wenn es mittlerweile unseren Lebenswandel bestimmt.

          Welche Pflanzen sind besonders angesagt?

          Momentan sind tropische Pflanzen sehr beliebt, verschiedene Palmenvarianten, auch Korbmaranten – alle Gewächse, die spannende Blattmuster und Farben besitzen und mit denen sich daheim ein kleines Urlaubsparadies einrichten lässt. Dieser Pflanzentrend wiederholt sich in der Mode oder bei Accessoires wie Palmwedeln und Textilien fürs Zuhause mit botanischen Prints.

          Wie die Monstera-Motive?

          Nicht nur. Kakteen und Sukkulenten sind ebenfalls sehr präsent, die mit ihrer skulpturalen Optik und ihren ungewöhnlichen Formen interessant wirken. Auch Tillandsien (Luftpflanzen), die meist aus dem tropischen Raum kommen, sind ein Thema. Das Besondere: Sie benötigen weder Erde, Substrat, Übertöpfe noch großen Pflegeaufwand, um zu wachsen – das macht sie wie auch die Kakteenarten bei den jungen, mobilen Städtern mit vollem Terminkalender beliebt. Ab und zu besprüht man sie mit Wasser oder legt sie in ein Wasserbad. Fürs Interior sind Tillandsien spannend, weil man sie sehr dekorativ in die Wohngestaltung einbinden kann: Sie lassen sich an Deko-Objekten aufhängen oder in Terrarien schön arrangieren.

          Wie wählt man die richtige Pflanze für sich aus?

          Damit Pflanzen lange überleben, sollte man sich für solche entscheiden, die zum Lebenswandel passen. Bin ich oft zu Hause und hab die Zeit, kann ich mir alle möglichen Pflanzen zulegen. Bin ich viel unterwegs oder habe wenig Kapazitäten für Pflanzenpflege, sollte ich pflegeleichte Gattungen wählen. Eine Pflanze bringt eine gewisse Verpflichtung mit sich. Im Idealfall kauft man sie sich nicht nur, weil man sie gerade dekorativ und trendy findet. Dann geht sie nach zwei Monaten ein, man schmeißt sie weg und denkt sich: Naja, egal, kauf ich mir halt ’ne neue. Dieses Verhalten entspricht nicht dem nachhaltigen Gedanken einer begrünten Wohnung.

          Was ist noch wichtig?

          Man sollte sich außerdem fragen: Was kann ich den Pflanzen als Wohn- und Lebensraum bieten? Pflanzen benötigen unterschiedliche Bedingungen. Man sollte die Pflanzen danach auswählen, wie es an dem Platz aussieht, an den man sie stellen will. Aus diesem Grund würde ich tropische Pflanzen auch nicht unbedingt mit Kakteen oder Wüstenpflanzen kombinieren.

          Zu welchen Einrichtungsstilen, Möbeln oder Accessoires passt der „Urban Jungle“-Stil besonders gut?

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