07.01.2013 · Im Hochgebirge entstehen neuerdings Unterkünfte im Passivhausstandard. Ein Schritt in die Zukunft oder guter Wille am falschen Platz?
Von Anja MartinRichtlinien für Lesermeinungen
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Bis heute konnte der Baustoff Holz in seinen Eigenschaften und seiner
Kostengünstigkeit von keinem anderen Baumaterial, gerade in diesen Re-
gionen, geschlagen werden. Mit diesen ''Passivhäusern'' hat man sich
wunderbare Schimmelpilzburgen hingesetzt, die in einigen Jahren, für
teures Geld, grundsaniert werden müssen!
In den Polgebieten der Erde sind Passivbauten sinnvoll.
In den Bergen auf Höhen über den Wolken brauchen wir keine
Quartiere für die Reichen. Ich halte viel von Verwurzelung und zwar
im wörtlichen Sinne des Wortes und deshalb lehne ich diese
Passivbauten -quasi Raumschiffe- ab.
1968: "Futuro Haus", das ist das Ei des Hochalpinismus
Der finnische Architekt Matti Suronen designete und realisierte im Auftrag eines Freundes eine Skihütte, das war 1968. Das Resultat war ein Ufo auf Metallfüßen mit dem bezeichnenden Namen "Futuro Haus". Es besteht hauptsächlich aus GFK und hat einen Durchmesser von acht und eine Höhe von vier Metern. Mit kompletter Innenausstattung wiegt es gerade einmal vier Tonnen. Gefertigt im Tal und dann mit einem einzigen Heli-Hub transportiert auch ökonomischer. Wenn man diese Idee wieder aufgegriffen hätte, mit neusten Werkstoffen ergänzt um Kollektoren etc. wären bestimmt keine 2, 4,2 oder 6,5 Mio. € fällig geworden, sondern wesentlich weniger, die sogar höhere Energieaufwandskosten im Verhältnis zur Nutzungsdauer nicht hätten kompensieren können. Ökologie hat dort seine Grenzen wo der Aufwand dafür nicht mehr ökonomisch ist. Wenn ich die Möglichkeit hätte, ein Futuro Haus zu bekommen, liebend gerne und sofort! Wer mehr dazu wissen möchte, einfach mal in eine Suchmaschine eingeben!
sinnvoll und in manchen Fällen auch schön
Was "der überall präsente Dreck anderer Gäste",
die ein Leser hier moniert, mit der neuen Hüttenbauweise zu tun
hat, weiß ich nicht so richtig. Schlecht gelüftet (weil
verschwitzte Hüttenbenutzer stinken und dies in den Bergen auch
dürfen, trotzdem ein nachts geöffnetes Fenster vielen
Mitschläfern im Schlaflager ein Gräuel ist) sind im
übrigen auch viele konventionelle Hütten.
Ich schlafe im Winter oft in (meist ungeheizten) Winterräumen, wenn
die Hütte nicht bewirtschaftet ist. Je besser eine Hütte
isoliert ist, desto angenehmer ist es und desto weniger Probleme mit
Schimmel und Feuchtigkeit. Moderne Konstruktionen sind
diesbezüglich meist besser.
Wer in hochalpinen Hütten nächtigt, betreibt im übrigen
Heli-Tourismus, weil alles (Verpflegung u. Energie) mit dem Helikopter
nach oben geflogen werden muss. Wenn so weniger Energie transportiert
werden, entlastet das die Natur.
Architektonisch interessant sind diese Hütten, gut auch für A.
zum Profilieren, da in den Medien wahrgenommen.
Und der Heli
Und der Heil, der fliegt angetrieben von Luft und Liebe, so so. Das entlastet also die Natur? Würde die Natur nicht vielmehr entlastet OHNE Hütte und ohne nach Kerosin stinkenden Heil? Gar stören sogar die Touristen? Und Architekten können sich eh nicht profilieren, weil sie die Minderleister der freien Berufe sind.
Wer schon mal auf so einer Hitech-"Insel" genächtigt hat, weiß, dass das Hitech-Flair oft durch banale Dinge getrübt wird: Die Unmöglichkeit, einmal ordentlich zu lüften, der überall präsente Dreck anderer Gäste und allmählich versagende technische Systeme zerstören den Nimbus einer die Natur besiegenden Technik. Was man in einer klassischen Hütte romantisch gefunden hätte, wird in einer Hitech-Herberge zum intolerablen, ja bedrohlichen Störfall. Einzig gerettet wird die Situation durch den Umstand, dass beispielsweise am Mont Blanc kaum eine andere Bauweise sinnvoll denkbar gewesen wäre.