12.02.2012 · Es wird wieder mehr gebaut, vor allem durch Bauträger. Wer sich für ein Architektenhaus entscheidet, bekommt eine individuelle Lösung. Auch der Bestand lockt.
Von Birgit OchsDie Deutschen haben ihre Baumüdigkeit überwunden. Jahrelang löste der Blick auf die Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau, die das Statistische Bundesamt erhebt, allgemeinen Katzenjammer aus. Die Zahl der neuen Geschosswohnungen war verschwindend gering, die der Ein- und Zweifamilienhäuser ebenso. Kein Aufschwung am Bau, nirgendwo.
Nun ist das Engagement privater wie öffentlicher Bauherren auf dem hiesigen Wohnimmobilienmarkt immer noch nicht so groß, dass die Situation unübersichtlich wäre, gar die Rede von einem Baurausch sein könnte. Aber es tut sich etwas, wie ein Blick auf die vorläufigen Zahlen zu den Baugenehmigungen zeigt, die das Statistische Bundesamt für 2011 zusammengetragen hat. Immerhin 10 2090 Bauanträgen für Wohnungsneubau haben die Behörden hierzulande im vergangenen Jahr die Zustimmung erteilt - darunter 85 335 Ein- und 7877 Zweifamilienhäuser. Wem das gering erscheint, der sei daran erinnert, dass es im Vorjahr gerade einmal etwas mehr als 80000 Baugenehmigungen insgesamt waren, 2009 sogar noch weniger. Nun ist eine, wenn auch noch zögerliche Annäherung an das Niveau zur Mitte der ersten Dekade dieses Jahrhunderts auszumachen.
Befördert durch die wirtschaftliche Schieflage und finanzielle Not vieler Staaten in der Eurozone, setzen Anleger immer mehr auf Immobilien. Nicht zuletzt, weil diese Investition als inflationssicher gilt. Von der Zweitwohnung im Ballungszentrum, den steuerlich begünstigten Baudenkmälern bis zum Zinshaus sind die privaten Kapitalanleger auf Einkaufstour.
Doch die Krise hat nicht nur die Kaufbereitschaft gesteigert, sondern auch die Baufreude angefacht. Das weiterhin niedrige Zinsniveau trägt ebenfalls viel dazu bei, dass sich manch einer den Traum vom eigenen Haus erfüllt. Das Geschäft der Projektentwickler, die teure Eigentumswohnungen in den begehrten Innenstadtlagen von Berlin, Hamburg, Frankfurt und München auf den Markt bringen, läuft wie geschmiert; auch die Hersteller von Fertighäusern können über ihren Umsatz nicht klagen. Bei vielen waren die Auftragsbücher für dieses Jahr schon Ende 2011 voll.
Den kleinen Aufschwung spürt auch die Zunft der freien Ingenieure und Architekten - allen voran jene, die mit der Planung von Geschosswohnungsbauten beauftragt sind. Beim Bund Deutscher Architekten (BDA) ist man sich zudem sicher, dass sich mit der steigenden Zahl an Ein- und Zweifamilienhäusern im Neubau auch die Geschäfte freischaffender Planer belebt haben.
Architektenhaus als Nischenangebot
Das individuell geplante Eigenheim ist und bleibt allerdings ein Nischenangebot, das selbst in vielen ausgewiesenen Neubaugebieten keinesfalls zahlenmäßig herausragt. Dort bestimmen in der Regel entweder freistehende Häuser aus dem Katalog die Szenerie oder Reihen- und Doppelhäuser vom Bauträger.
Kurz: Den Traum vom eigenen Haus erfüllen sich nur wenige mit Hilfe eines Architekten, der ihnen ein passendes Gebäude plant. Als zu teuer, zu unsicher und zu anstrengend schätzt die Mehrzahl der potentiellen Eigenheimerwerber diese Variante ein - und wählt den scheinbar bequemeren Weg.
Doch was ist mit denen, die das Abenteuer Hausbau dennoch wagen und sich ein Eigenheim mit persönlicher Note entwerfen lassen? Nur wenige, das darf man vermuten, sind von Anfang an Überzeugungstäter. Etliche Bauherren suchen zwar eine individuelle Lösung - wollen aber zugleich in einem gewachsenen Umfeld leben.
„Eigentlich haben wir etwas im Altbau gesucht.“ Mit diesen Worten begannen viele der Bauherren, die wir auf diesen Seiten in der Reihe „Neue Häuser“ vorgestellt haben, ihre Baugeschichte. Weil aber größere Wohnungen in der begehrten Lage nicht zu haben waren und die bauliche Qualität gebrauchter Häuser sich als schlecht erwies, so dass ein Umbau nicht lohnte, entschieden sie sich schließlich doch für einen Neubau: auf freien Restflächen, die keiner wollte; auf einem Bauplatz, der erst durch Grundstücksteilung entstanden ist; anstelle eines Vorgängerbaus, dessen Sanierung zu aufwendig gewesen wäre. Bekommen haben sie ein maßgeschneidertes Eigenheim - das sich, sofern der Architekt vorausschauend arbeitet, an die veränderten Wohnbedürfnisse von morgen anpassen lässt.
Reizvoll und zugleich beängstigend
Reizvoll und zugleich beängstigend ist es, bei null anzufangen. Im Neubau müssen viele Entscheidungen getroffen werden: Raumaufteilung, Gebäudehülle und Haustechnik heißen die großen Themenblöcke, bei denen wiederum eine ganze Reihe von Aspekten berücksichtigt werden müssen. So vieles ist möglich - und jeder Schritt könnte sich, so die Furcht, als Fehltritt erweisen. Das verlangt den Bauherren einiges ab. Mit einem „Machen Sie mal“ an die Adresse des Planers kommt kaum jemand weiter. Engagement und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung sind nötig - von beiden Seiten.
Gute Architekten nehmen sich die Zeit, gemeinsam mit ihren Auftraggebern zu ergründen, welche Raumbedürfnisse diese haben. Sie führen die Laien, die Bauherren in der Regel sind, Schritt für Schritt durch das Vorhaben, damit diese den Überblick behalten können. Sie helfen, den Blick zu schärfen für das Wünschenswerte, das nicht unbedingt mit den Vorstellungen der Bauherren identisch ist.
Zu den Standardaussagen der Hausbesitzer gehörte, dass sie sich während der Planungsphase von einem Traum verabschieden mussten, weil dieser sich nicht realisieren ließ, den Rahmen des Vorhabens gesprengt hätte oder einfach nicht passte. Bei dem einen war es die Galerie, beim Nächsten ein Kreuzgang, bei anderen die Holzbauweise. Gute Planer tanzen weder nach der Pfeife des Bauherren, noch treten sie - was ihren Entwurf angeht - mit der Attitüde „so und nicht anders“ auf.
Angst vor unkalkulierbarem Risiko
Dass der Hausbau mit einem Architekten ein unkalkulierbares Risiko sei, ist eine weit verbreitete Angst - die nach Einschätzung von Beobachtern des Baugeschehens wie dem Verband Privater Bauherren nicht begründet ist. Große Pannen und groben Pfusch gebe es zwar, heißt es dort. Für die Mehrzahl der „Architektenbauten“ gelte dies aber nicht. Auch dass mit einem vergleichsweise kleinen Budget bei freien Planern kein Staat zu machen sei, stimmt so nicht. Manche sehen gerade darin eine Herausforderung, architektonische und bauliche Qualität auch für eine kleine Bausumme umzusetzen. Voraussetzung für das Gelingen ist dann aber eine realistische Einschätzung dessen, was mit den vorhandenen Mitteln möglich ist. Das setzt auch auf der Seite des Bauherren Bescheidenheit und Maß voraus.
Letztlich gilt vieles davon auch für Um- und Anbauten im Bestand, die in der Gunst der Eigenheimerwerber weit oben stehen: betagte Eigenheime, Scheunen und Hinterhäuser, die einst als Werkstätten dienten. Während sich Neubauten in gewachsenen Stadtvierteln nur in Einzelfällen realisieren lassen, bietet der Bestand weit mehr Chancen. Abgesehen davon verheißt er oft auch mehr Charme. Das Engagement erscheint für die Bauherren überschaubarer. Doch ob es sich wirklich lohnt - dazu bedarf es des Urteils von Fachleuten. Und wie man ein altes Haus so erweitert, dass ein Anbau nicht plump daneben. steht und aus zuvor stimmigen Proportionen ein arges Missverhältnis wird - das ist ebenfalls keine Aufgabe, die Laien ohne Hilfe bewältigen können.
Wer sich traut, der baut – neu oder im Bestand. Aber wie, wo und unter welchen Umständen? Erzählen Sie uns Ihre Baugeschichte, wir wollen‘s wissen! Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und FAZ.NET suchen auch in diesem Jahr wieder Kandidaten für die beliebte Serie „Neue Häuser“.
Wie haben Bauherren und Architekten zusammengefunden und zu welcher individuellen Lösung sind sie gekommen? Welche Zwänge gab es? Welche Wünsche? Diese Fragen stehen auch diesmal wieder im Mittelpunkt unserer Reihe. Berücksichtigt werden ausschließlich Gebäude in Deutschland, die Architekten im Auftrag privater Bauherren geplant haben. Die Häuser sollen durch architektonische Qualität und auch Energieeffizienz überzeugen.
Bitte bewerben Sie sich nur mit Gebäuden aus dem Baujahr 2011/2012, die fertiggestellt und bis Einsendeschluss (07. Mai) bezogen sind.
Wir stellen die zehn überzeugendsten Häuser und die Baufamilien vor.
Wir benötigen folgende Unterlagen
Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung bis zum 07. Mai an:
haeuser@faz.de
oder an:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Stichwort „Neue Häuser“
Birgit Ochs
Immobilien
Hellerhofstraße 2-4
60327 Frankfurt am Main
Wichtiger Hinweis
Die eingereichten Materialien (Beschreibung, Fotos) dienen ausschließlich zur Auswahl. Die veröffentlichten Beiträge illustrieren wir grundsätzlich mit Aufnahmen, die unsere Fotografen von Haus und Bewohnern machen. Da jeder einzelne Beitrag im Vorfeld mit viel Aufwand verbunden ist, bitten wir Sie, auf die Richtigkeit der Angaben zu achten und kein auf irgendeine Weise geschöntes Bildmaterial einzureichen.
Sollte ein ausgewähltes Haus ausnahmsweise beim Besuch Vorort nicht den in der Bewerbung geweckten Erwartungen entsprechen, behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen.
Birgit Ochs Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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