Sie sind die Raritäten unter den Neubauten: individuell geplante Ein- und Zweifamilienhäuser vom Architekten, die unter der Regie des Planers errichtet werden. Wie hoch der Anteil dieser Unikate am Neubau ist, beziffert keine Statistik – nicht zuletzt weil die Abgrenzung schwerfällt. Denn Architekten arbeiten auch im Auftrag von Schlüsselfertiganbietern und liefern Entwürfe, die Holzfertigbauer für die Kunden umsetzen. Klar ist, dass das Gros derer, die sich für ein neues Eigenheim entscheiden, beim Bauträgerangebot zugreift. In der Baubranche wird geschätzt, dass deren Anteil am Neubau bei zwei Dritteln liegt. „Nur 15 bis 20 Prozent entfallen auf Architektenhäuser“, sagt Thomas Welter, der die Geschäfte des Bundes Deutscher Architekten (BDA) führt.
Den Hausbau gemeinsam mit einem eigenen Planer zu wagen, erscheint vielen als zu großes Abenteuer. Sie wollen ihre Nerven schonen, Zeit sparen, vor allem aber verbindlich und möglichst sofort wissen, wie viel Haus sie für eine Summe X bekommen. In der Hektik des Alltags ist so mancher schon zufrieden, wenn er seine individuellen Wohnwünsche bei der Auswahl des Fußbodenbelags, der Wandfarbe und der Küchenzeile ausleben darf. Die Vorstellung, von der Grundstückssuche bis zum Einzug mit gefordert zu sein, wirkt abschreckend. Es ist einfacher Hauskäufer als Bauherr zu sein.
„08/15 wollte ich nicht“
Einige reizt gerade das. Gordon Wieland zum Beispiel: Der Esslinger ist Philatelist, ein professioneller Briefmarkenkenner und Auktionator. Als solcher hat er beruflich mit dem Baugewerbe nichts zu tun, persönlich aber ein Faible für Architektur. „Räume haben immer eine Wirkung, aber nicht jeder spürt sie gleich stark; auf mich wirken sie vielleicht mehr als auf andere“, hat er beobachtet. Für ihn sei daher nur der Hausbau mit einem eigenen Architekten in Frage gekommen. „08/15 wollte ich nicht.“Spricht man mit Wieland, über seine Entscheidung Bauherr zu werden, dann fällt immer wieder das Wort Qualität. „Wir wollten etwas haben, das zu uns passt, ein Haus mit offenen Räumen.“
Das haben die Wielands bekommen – konsequenter, als sie es sich anfangs vorstellen konnten. Der Esslinger Architekt Stefan Bräuning plante für das Paar ein Ein-Raum-Haus aus Sichtbeton mit 200 Quadratmetern Wohnfläche, die sich über drei Ebenen erstreckt. Unten, wo es am kühlsten ist, schlafen die Bewohner. Darüber ist Raum für Sport, Wellness und das Bad. Direkt vom Eingang aus zu erreichen, befindet sich die Küche mit Essplatz. „Auch ohne trennende Wände gelangen Besucher von sich aus über diese Ebene nicht hinaus in die privateren Räume“, lobt Wieland. Gekrönt wird der Innenraum durch ein Kaminpodest, von wo aus man auf die darunter liegenden Räume blicken kann.
Blick der Bauherren schärfen
Das Haus ist das Ergebnis intensiver Auseinandersetzungen. Wieland wollte ein Betonhaus, weil er die Ehrlichkeit des Materials schätzt, wie er sagt. Und einen offenen Grundriss. Ein erster, schon baureifer Entwurf von Bräuning wurde verworfen. Im Laufe der Planungsphase hätten sich die Bauherren von der Vorstellung gelöst, die Etagen hermetisch trennen zu müssen, erinnert sich der Architekt.
„Man muss eine Form finden, die dem Bauherren entspricht“, beschreibt Bräuning die zentrale Aufgabe individueller Planung. Zu dieser zählt auch, sich den Herausforderungen des Grundstücks zu stellen. Ob Nord- oder Südhang – diese Frage spielt nicht nur in den Entwürfen von Feng-Shui-Architekten eine Rolle. „Am schönsten ist es, wenn es so wirkt, als ob das Haus aus der Erde gewachsen sei“, sagt BDA-Präsident Michael Frielinghaus. Anders als ein Haus vom Bauträger oder aus dem Katalog ist das individuell geplante Architektenhaus nicht für jeden x-beliebigen Platz geschaffen.
Fast immer gilt: Die Bauherren sind Laien. Manche wissen noch gar nicht, was sie wollen. Andere haben Bilder im Kopf, von Häusern und Ausstattungsdetails, die sie anderswo gesehen haben. Die Aufgabe des Architekten ist es, den Blick der Interessenten für die eigenen Bedürfnisse zu schärfen. „Nur so kommt man zu einem guten Ergebnis“, ist sich Bräuning sicher.
Den passenden Architekten finden
Wielands hatten den Architekten über ein früheres Vorhaben kennengelernt, aus dem aber nichts wurde. Oft finden Bauherr und Architekt über Empfehlungen zusammen. Bauwilligen bietet auch die Homepage der Architektenkammer ihres Bundeslandes die Möglichkeit, sich einen Überblick über potentielle Planer zu verschaffen. Wichtig: Die Chemie zwischen Bauherr und Architekt muss stimmen, auch weil während der Bauphase garantiert nicht alles reibungslos abläuft. Es kann durchaus ratsam sein, im ersten Schritt zwei bis drei Architekten um einen Vorentwurf zu bitten, bevor man sich für einen Planer entscheidet. Das kostet dann einige tausend Euro mehr.
Dass der Eigenheimbau mit Architekten schief geht, ist eine der beiden großen Ängste potentieller Bauherren. Die andere ist die Furcht davor, dass die Kosten unkalkulierbar sind. Beim Verband Privater Bauherren (VPB) hat man – insgesamt betrachtet – andere Erfahrungen gemacht: Zwar sind auch dort Fälle bekannt, in denen die Architekten gepfuscht haben. Mit einem guten Planer indes sei das Risiko, eine böse Überraschung zu erleben, deutlich geringer als im Schlüsselfertigbau. Auch beim Thema Kosten sieht der VPB Architektenhäuser im Vorteil, denn der Bauherr erhält Einblick in die Einzelposten. Wenn vereinbarte Bausummen dennoch überschritten werden, liegt das nach Einschätzung Welters häufig an einer zu knappen Kalkulation. Dann bleibt kein Spielraum, wenn unvorhergesehene Arbeiten notwendig werden, etwa weil der Boden kontaminiert ist.
Prüfen, was wirklich notwendig ist
Auch das Haus der Wielands war 15 Prozent teurer als geplant. „Das geht voll auf unsere Kappe“, sagt der Hausherr, dem während der Bauphase noch Sonderwünsche einfielen. Das deckt sich mit der Erfahrung des VPB. Im Bewusstsein „Man baut ja nur einmal im Leben“ würden allerlei Extras erwogen, die das Vorhaben verteuerten. „Ein guter Architekt fängt die Bauherren ein, wenn sie sich einfangen lassen“, heißt es beim Verband. Gordon Wieland rät, sehr genau zu prüfen, was notwendig ist. Er und seine Frau etwa verzichteten darauf, den Garten anzulegen. Ein alter Walnussbaum und die Quitten blieben erhalten. Und weil sie mit Stefan Bräuning einen Planer fanden, dem die Verzahnung von Außen und Innen wichtig ist, haben sie vom Haus aus die verschiedensten Einblicke auf den Baumbestand. Auch dies ist etwas, was für die Bewohner die Qualität ihres Hauses ausmacht.
Wer sich traut, der baut – neu oder im Bestand. Aber wie, wo und unter welchen Umständen? Erzählen Sie uns Ihre Baugeschichte, wir wollen‘s wissen! Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und FAZ.NET suchen auch in diesem Jahr wieder Kandidaten für die beliebte Serie „Neue Häuser“.
Wie haben Bauherren und Architekten zusammengefunden und zu welcher individuellen Lösung sind sie gekommen? Welche Zwänge gab es? Welche Wünsche? Diese Fragen stehen auch diesmal wieder im Mittelpunkt unserer Reihe. Berücksichtigt werden ausschließlich Gebäude in Deutschland, die Architekten im Auftrag privater Bauherren geplant haben. Die Häuser sollen durch architektonische Qualität und auch Energieeffizienz überzeugen.
Bitte bewerben Sie sich nur mit Gebäuden aus dem Baujahr 2011/2012, die fertiggestellt und bis Einsendeschluss (07. Mai) bezogen sind.
Wir stellen die zehn überzeugendsten Häuser und die Baufamilien vor.
Wir benötigen folgende Unterlagen
- Kurzbeschreibung des Projekts
- Lageplan, Grundriss und Schnitt jeweils als PDF-Format
- Ein Foto der Außenansicht (oder Visualisierung)
- Ein Foto der Innenansicht (oder Visualisierung)
- Ein Foto des Hauses in seiner Umgebung
- Foto der Bauherren
- Teilnahmeerklärung „Neue Häuser” (hier öffnen)
Bitte schicken Sie Ihre Bewerbung bis zum 07. Mai an:
haeuser@faz.de
oder an:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Stichwort „Neue Häuser“
Birgit Ochs
Immobilien
Hellerhofstraße 2-4
60327 Frankfurt am Main
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Sollte ein ausgewähltes Haus ausnahmsweise beim Besuch Vorort nicht den in der Bewerbung geweckten Erwartungen entsprechen, behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen.
