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Neue Häuser 2012: Haus Liesaus Kompakt, praktisch, persönlich

 ·  Extravaganz ist unnötig. Das zeigt der Neubau der Familie Liesaus in Potsdam. Das kleine Einfamilienhaus mit Giebeldach und Gauben ist ein gutes Beispiel dafür, was sich durch kluge Planung aus einem eigentlich banalen Haustyp machen lässt.

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© Pein, Andreas Gaube mal anders

In engen Grenzen kann man sich einrichten oder durch Kreativität Freiräume schaffen. Das gilt auch in der Architektur. Ist das Budget klein und sind die Bauvorschriften streng, mag der Planer sich darauf zurückziehen, dass es nicht zu mehr als einem Standardentwurf gereicht hat. Oder aber er nimmt die Herausforderung an, innerhalb des gesteckten Rahmens nach der optimalen Lösung zu suchen. Dazu muss er keinen neuen Haustyp entwickeln. Extravaganzen sind völlig unnötig, ebenso durchgängig edle Materialien, damit ein Entwurf als anspruchsvoll gilt. Für eine angenehme Überraschung kann schon die Neuinterpretation eines alten Themas sorgen und das - zugegeben - aufwendige Tüfteln im Detail, wie der Neubau von Claudia und Georg Liesaus beweist.

Für das Ehepaar mit Sohn haben die beiden Berliner Architekten David Steiner und Karl Weißenberger am Rande der Stadt Potsdam ein vom Typ her eigentlich ganz banales Eigenheim geplant: mit Küche, Wohn-Esszimmer, Gäste-WC und Hauswirtschaftsraum im Erdgeschoss; Schlaf-, Jugend-, Arbeitszimmer und Bad in der oberen Etage. Es ist ein Haus mit Giebeldach und Gauben. Dieser Typ steht nicht nur in der Nachbarschaft der Familie Liesaus unzählige Male, sondern auch sonst überall im Land.

Was außen erfrischend wirkt, ist innen ein echter Gewinn

Dass das Haus außen und innen dennoch verblüfft und sich aus dem bunt-willkürlichen Allerlei der Umgebung abhebt, liegt an seiner kompakten Gestalt und der klaren Linie, zu der auch das Dach beiträgt, das ohne Überstand auskommt. Nicht zuletzt aber trägt die ungewöhnliche Gestaltung der Gauben dazu bei.

Allzu oft wirken diese Auf- oder Anbauten wie Fremdkörper. Nicht so hier. Wie die anderen Fenstern des Hauses stecken auch die Gaubenfenster in einem breiten schwarzen Rahmen, der bündig mit der Fassade abschließt. Während die Architekten sonst eine horizontale Form wählten, streben die beiden Gaubenfenster in die Höhe und scheinen auf diese Weise wie selbstverständlich aus dem Haus heraus zu wachsen. Den Eindruck begünstigt der Umstand, dass die Außenmauer, auf der das Giebeldach sitzt, etwas höher ist als normalerweise üblich - ein Zugeständnis, das die Baubehörde dann doch gemacht hat.

Was von außen erfrischend anders wirkt und dem Haus, wenn man es über Eck betrachtet, fast etwas Skulpturales verleiht, ist von innen ein echter Gewinn. Durch das etwas höher angesetzte Dach vergrößert sich die Stellfläche unter den Schrägen. Und dank der bündig an der Fassade sitzenden Fenster weiten sich die kleinen Räume optisch. „Das macht die Zimmer deutlich großzügiger und noch wohnlicher“, schwärmen die Bewohner.

„Wird es zu klein? Wird es zu eng?“

Besonders schön: Durch die tiefen Nischen sind Fensterbänke entstanden, die ihren Namen verdienen. Seit mehr als einem Jahr wohnt Familie Liesaus nun schon ihrem Haus. In dieser Zeit hat sich gezeigt, dass die Befürchtungen, die die Bauherren hegten, unbegründet waren. „Wird es zu klein? Wird es zu eng? Das haben wir uns immer wieder während der Planungs- und Bauphase gefragt“, gesteht Georg Liesaus. Und auch sein Architekt David Steiner räumt ein, dass diese Befürchtung manchmal auch ihn umgetrieben habe. Bauherren und Architekten hatten über einen gemeinsamen Bekannten zueinander gefunden, der beruflich schon mit den beiden Planern zu tun hatte. Das ist jetzt drei Jahre her. Liesaus lebten damals in einer sehr großen, alten Villa auf einem 16000 Quadratmeter großen Seegrundstück - zur Miete.

Es war eines jener Häuser, von dem viele träumen: herrschaftlich, aber durch seine Patina mit jeder Menge Charme. Doch das einst als Sommerhaus geplante Anwesen mit seinen einfachen Fenstern und den riesigen Räumen war im Winter kaum zu beheizen. Zudem habe sie sich unwohl gefühlt, wenn sie alleine in dem großen Haus war, erzählt Claudia Liesaus. „Das Haus war großartig, aber letztlich haben wir es nicht ausgefüllt“, ergänzt ihr Mann. So kam der Wunsch auf, ein neues, behaglicheres und auch kleineres Haus zu bauen.

Klare Vorgaben für den Neubau

Dass sie im überschaubaren Potsdam bleiben wollte, stand für die Familie fest. Berlin hatte sie schon vor Jahren als Lebensmittelpunkt den Rücken gekehrt. Anders als seine Frau arbeitet Georg Liesaus zwar noch in der Bundeshauptstadt und muss nun pendeln. Aber der passionierte Radfahrer nutzt die täglichen Hin- und Rückfahrt als Trainingseinheiten.

Mit etwas Glück kamen die Bauherren ziemlich schnell an ein Grundstück. Die Stadt versteigerte gut 1200 Quadratmeter, die einst zum Garten eines Einfamilienhauses auf städtischem Grund gehörten. Liesaus waren begeistert, nicht nur weil ihnen die Lage gefiel. Auf dem Grundstück stehen ein alter Apfel-, Mirabellen- und Pflaumenbaum sowie eine Wildkirsche. Zudem liegt dort ein etwa 40 Jahre altes Gewächshaus. „Das hat uns sofort gefallen“, sagt Claudia Liesaus.

Für den Neubau jedoch galten seitens der Baubehörde klare Vorgaben: Er musste ein Giebeldach haben, reichlich Abstand zu den drei Nachbarn der Umgebung einhalten und durfte diese auch nicht überragen. Ursprünglich hätten sie sich ein Haus mit Flachdach vorgestellt, erzählen die Bewohner. Heute sind sie mit Blick auf die zahlreichen, im nahen Neubaugebiet entstehenden Wohnwürfel froh, dass sich dieser Wunsch nicht erfüllt hat. Alle anderen Erwartungen indes sind aufgegangen: Das Haus mit seiner schnörkellosen Form, seinem angenehmen Raumklima und seiner Offenheit entspricht durchaus den Vorstellungen der Bauherren.

Viele Details

Die Architekten entschieden sich für eine quadratische und damit die kompakteste aller Formen für den Massivbau, auch um die energetischen Ziele mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen. Ursprünglich hätten sie erwogen, das Haus mit integrierter Garage zu planen, aber das sei nicht drin gewesen, sagt David Steiner. Denn neben den Grenzen, die das Baurecht setzte, kamen die des Budgets hinzu. Was das Vorhaben deutlich verteuerte war der Bau in zweiter Reihe. Normalerweise müsse man mit 5000 bis 6000 Euro für die Erschließung rechnen, sagt Steiner. „Hier können sie eine Null dranhängen“, stellt der Architekt klar.

Zentrum des Hauses ist die Treppe, um die herum sich die anderen Räume gruppieren und die im Erdgeschoss, abgesehen vom Hauswirtschafts- und Technikraum, nahtlos ineinander übergehen. Das sorgt für Offenheit und weitet optisch die eigentlich überschaubare Fläche. Als Bodenbelag wurden übrigens große Eichendielen gewählt, weil ein kleinteiligeres Parkett eine größere Fläche braucht, um gut zu wirken.

Überhaupt haben die Architekten mittels vieler geschickt herausgearbeiteter Details dafür gesorgt, dass das Haus trotz der begrenzten Spielräume auf unprätentiöse Art ein Raumerlebnis bietet. Dies wird nicht allein, aber vor allem deutlich, wenn man der Treppe hinauf ins Obergeschoss folgt. Ein horizontal auf dem Dach sitzendes Fenster spendet Licht und verwandelt den Aufgang in eine kleine haushohe Halle. „So einen großzügigen Raum traut man dem Haus gar nicht zu“, sagt Georg Liesaus.

Im ganzen Haus haben die Planer mal offen, mal versteckt auf Symmetrie gesetzt: Die Türen im Obergeschoss etwa sind so angeordnet, dass man von einem Raum aus in den nächsten blicken kann und von dort hinaus durchs Fenster. Im Erdgeschoss verschwinden links und rechts der Haustür die Garderoben in den Nischen eines Miniwindfangs. Es sind zahlreiche Einzelheiten, die zu dem guten Gesamteindruck beitragen - und die nicht von der Stange zu haben sind.

Das Haus kurz und knapp

Baujahr 2011

Bauweise Massivbau mit Holzdachstuhl

Energiekonzept Erdwärmepumpe; Fußbodenheizung

Grundfläche 91 Quadratmeter

Wohnfläche 145 Quadratmeter

Baukosten ohne Grundstück 208.000 Euro

Standort Potsdam

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Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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