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Ein Typ für alle : Mit Modulbauten gegen Wohnungsnot

Die Baugesellschaft Vonovia hat kürzlich in Bochum nach eigenen Angaben das erste seriell gefertigte Wohnhaus errichtet. Bild: 2016 Simon Bierwald / INDEED Photography

Es gibt ein Mittel gegen die Wohnungsnot: Im Modulbau können schnell und günstig hunderte Mietshäuser entstehen. Warum gehen so wenig Gebäude in Serie?

          Manchmal wundern sich selbst die Bauherren, wie schnell alles ging, und die Anwohner erst recht: Noch vor einem Jahr gab es einen großen Parkplatz neben ihren Häusern, jahrzehntelang, den Parkplatz vom Dantebad. Denn regelmäßig steuern Hunderte Münchener das Freibad mit dem Wagen an. Nun steht an derselben Stelle ein viergeschossiges Haus mit 100 Wohnungen, auf einem schmalen Asphaltstreifen von 112 Metern Länge. Das Besondere ist: Parken kann man am Dantebad noch immer, es gibt nur sechs Stellplätze weniger, aber jetzt eben unterm Haus. Denn der gesamte Bau steht auf Stelzen. Diese Idee machte den Mietwohnungsblock erst möglich. Dass zudem von den ersten Planungen bis zur Fertigstellung nicht einmal 365 Tage vergingen, ist einem weiteren Clou zu verdanken: Das Haus wurde im Modulbau errichtet.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was das heißt, konnten die Anwohner live verfolgen, und so mancher fühlte sich an einen Film im Zeitraffer erinnert: Am längsten dauerten noch Planung, Ausschreibung und Baugenehmigung – das alles währte sechs Monate. Im Sommer legte dann der Bautrupp los und goss die Stahlbetonstützen und Fundamente. Als die Stelzen standen, explodierte das Gebäude obendrauf regelrecht. Wandmodul um Wandmodul wurde mit dem Kran auf das Betonfundament gehoben. Die Bäder schwebten als komplett fertige Boxen vom Tieflader ein. Nach zwei Monaten stand der Rohbau fertig da, im Oktober war Richtfest. Der parallel laufende Innenausbau dauerte insgesamt nur vier Monate. Noch vor Jahresende stand das Haus da, mittlerweile ist es voll bewohnt. Über 100 Bewohner haben hier ein bezahlbares Zuhause gefunden.

          Für 1800 Euro je Quadratmeter

          Dank Modulbau war die Bauzeit nicht nur rasant kurz, sondern die Baukosten waren auch deutlich niedriger als üblich. Rund 100.000 Euro kostete jede Wohneinheit im Schnitt, beziffert die städtische Wohnungsgesellschaft Gewofag. Die Miete liegt bei rund neun Euro je Quadratmeter, das ist für Münchens Innenstadt günstig. Da geht noch mehr, sagen die Planer: „Wenn wir das gleiche Haus noch zwei oder drei Mal an anderer Stelle errichten könnten, wären die Bauskosten noch niedriger, und das Modell würde sich für alle Beteiligten noch mehr rechnen“ – für die Wohnungsgesellschaft, die ausführenden Bauunternehmen und für die Mieter.

          Noch sind solche Projekte aber die große Ausnahme. Zwar arbeitet die Gewofag an zwei weiteren Modulbauten und auch Münchens städtische Wohnungsgesellschaft GWG will 2017 an drei Standorten rund 220 Wohnungen aus vorgefertigten Teilen zusammensetzen lassen, aus Holz, weil das ein besonders günstiger Baustoff ist. In Berlin, Hamburg oder Regensburg haben Bauträger ebenfalls Gefallen gefunden am Kästchendenken der neuen Art, bei dem komplette Wohnboxen fertig angeliefert und auf der Baustelle nur noch zum mehrgeschossigen Gebäude montiert werden, ob aus Holz, Beton oder Leichtbeton. Auch Vonovia, das größte Wohnungsunternehmen in Deutschland, hat ein großes Investitionsprogramm aufgelegt, um die serielle Fertigung im Wohnungsbau voranzubringen. Ziel ist es, die Baukosten deutlich zu senken und damit auch die Miete. „Normalerweise kostet ein Quadratmeter Neubau rund 2500 Euro ohne Grundstück“, sagt Rolf Buch, der Vorstandsvorsitzende von Vonovia. In Bochum habe das Unternehmen gerade das erste seriell gefertigte Wohnhaus errichtet – für 1800 Euro je Quadratmeter.

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