http://www.faz.net/-gz7-908w7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 01.08.2017, 10:45 Uhr

Ferienhäuser in der Türkei Wacklige Verhältnisse

Terroranschläge, Massendemonstrationen und willkürliche Verhaftungen. Die Türkei geht durch brisante Zeiten. Davon bleibt auch der Markt für Ferienimmobilien nicht unberührt. Wer kauft da noch?

von
© mauritius images Trotz politischer Turbulenzen sind Luxusvillen nicht zum Schnäppchen zu haben.

Immer wieder wackeln derzeit die Wände auf der türkischen Halbinsel Bodrum und auf der davor liegenden griechischen Insel Kos. Kleine und größere Erdbeben erschüttern die Region und haben einige Opfer gefordert. Gleichwohl ist die malerische Ägäis-Küste bei In- und Ausländern sehr beliebt, als Urlaubsziel und immer häufiger auch als Zweitwohnsitz. „Wir verzeichnen unter den Käufern ein steigendes Interesse an der Region als Ganzjahresdestination“, sagt Heike Tanbay, Geschäftsführende Gesellschafterin von Engel & Völkers in Bodrum.

Christian Geinitz Folgen:

Die von dem Maklerunternehmen vermittelten Objekte seien erdbebensicher und hätten daher keinen Schaden genommen. Generell seien Straßen und andere Infrastruktur auf der Halbinsel und in der gleichnamigen Stadt sehr gut in Schuss, der Lebensstandard gelte als hoch. „Damit bietet sich hier eine attraktive Alternative zu Großstädten wie Ankara und Istanbul.“ Vor allem türkische Käufer schlügen zu und sorgten so für mehr Neubauten und steigende Investitionen. Beliebt seien unter den Einheimischen Villen in Wohnanlagen im südlichen Teil der Halbinsel, berichtet Maklerin Tanbay.

Mehr zum Thema

Hingegen bevorzugen die Sonnenhungrigen aus dem Ausland Häuser und Ferienwohnungen im Nordwesten von Bodrum. Bekannt ist die Gegend für Luxuslagen. Eine 300 Quadratmeter große Villa mit Schwimmbecken kostet hier ein bis zwei Millionen Euro. Bedauerlich für ausländische Käufer ist, dass sie von dem starken Kursverlust der Landeswährung Lira nicht profitieren können, da die Käufe zumeist in Euro oder Dollar abgewickelt werden.

Kaufanfragen aus dem Mittleren Osten

Doch potentielle Käufer treiben dieser Tage noch ganz andere Themen um. Die Türkei geht durch aufregende Zeiten, die sich auch am Markt für Ferienimmobilien widerspiegeln. Das vergangene Jahr war geprägt von Terroranschlägen, dem Putschversuch im Juli, den darauf folgenden Gegenschlägen des Regimes, dem Verfassungsreferendum und vielen Streitigkeiten zwischen Ankara und westlichen Ländern.

Diese Anspannung spürt man auch in Bodrum. „Kaufinteressenten aus westlichen Ländern zeigen sich angesichts der aktuellen politischen Lage zurückhaltend“, berichtet die Immobilienvermittlerin. „Durch die Erklärung des Ausnahmezustands im vergangenen Sommer waren die Anfragen europäischer Kunden um etwa die Hälfte zurückgegangen.“ Doch zum einen ziehe die Nachfrage seit Beginn der Hauptsaison wieder deutlich an, zum Zweiten stamme traditionell nur ein Fünftel der Erwerber aus Europa, zum Dritten sprängen derzeit andere Ausländer in die Bresche: „Im Nordwesten der Halbinsel verzeichnen wir die meisten Anfragen von Käufern aus dem Mittleren Osten.“

47760462 © Getty Vergrößern Der Ferienimmobilienmarkt der Türkei bleibt anziehend – allerdings verändern sich die Käufergruppen.

Diese Tendenz zeigt sich in der gesamten Türkei. Nach Angaben des Statistikamts in Ankara gingen zum Beispiel 2016 die Immobilienverkäufe an Deutsche um 18 Prozent zurück, bei den Schweden betrug das Minus 23 Prozent. Andere Nationen aber wittern Chancen, vor allem arabische Klienten. So rangiert der Irak seit längerem an der Spitze der ausländischen Käufer vor Saudi-Arabien und Kuweit. In den ersten fünf Monaten 2017 sind die Transaktionen von Käufern aus Saudi-Arabien um 18 Prozent gestiegen. Insgesamt stammte in dieser Zeit fast die Hälfte aller Erwerber aus einem arabischen Land.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Fragen an die Bahn

Von Susanne Preuß, Stuttgart

Darf man riskieren, nur fünf Meter unter einer der meistbefahrenen Bahnstrecken einen Tunnel zu bauen? Es scheint, als müsste die Bahn grundsätzlich ihre Prozesse überdenken. Mehr 23

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“