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Küchentrends 2013 Versteckspiel an der Herdfront

Die offene Küche ist Trend. Neben Esstisch und Wohnzimmersofa soll die Kochstelle so wenig wie möglich nach Küche aussehen - und intelligenter, leiser und praktischer sein als jemals zuvor.

© Ballerina Küchen Materialmix, Farbe, Muster – und die neuerdings obligatorische Sitzecke: Diese Musterküche von Ballerina zeigt alles, was derzeit in ist

Ganz egal, wie klein, funktional und ungemütlich Küchen in ihrer Geschichte zwischenzeitlich einmal waren, nichts konnte je ihrer Anziehungskraft den Garaus machen. Immer bleibt der Herd das Herz des Hauses. Keine Party, bei der nicht alle in der Küche landen. Der schnelle Kaffee am Morgen, der Plausch beim Kochen. Die vielen Telefonate, auf der Arbeitsplatte sitzend. Immerhin jeder dritte Deutsche bezeichnet die Küche als seinen liebsten Raum.

Ihr Stellenwert als gefühltes Zentrum ist inzwischen gebaute Realität. Vor allem an der offenen Küche zeigt sich das. Mehr als 20 Prozent der Deutschen wohnen in einer wandlosen Kombination aus Kochen, Essen und Wohnen. Müsste man dafür in bestehenden Gebäuden nicht Mauern einreißen, wären es sicher noch mehr. Doch nun gehen die Designer einen Schritt weiter: Die Küche selbst mutiert zum Wohnraum. Denn jetzt, wo sie Seite an Seite mit dem Eames Chair und der gedeckten Tafel in den Blick gerät, muss sie ganz anderen ästhetischen Ansprüchen genügen.

An der Küchentechnik haben sich in den vergangenen Jahren schon die Ingenieure abgearbeitet: Dampfbacköfen, Glaskeramik-Woks, Teppan-Yaki-Flächengrills - der technisch-kulinarischen Kochrevolution ist derzeit kaum noch etwas hinzuzufügen. Jetzt geht es um die Optik und um die Atmosphäre. Die neue Herausforderung sei die wohnliche Anmutung, heißt es bei der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK). Der Verband muss es wissen - zumal er Anfang des Jahres eine ausführliche Umfrage unter seinen Mitgliedern abgeschlossen hat, über die 80 Prozent des Umsatzes der Branche laufen.

Küchenhersteller wagen sich in den Wohnraum

„Küchenmöbel sehen heute schon fast aus wie schicke Wohnzimmermöbel“, postuliert Frank Hüther, der AMK-Geschäftsführer, hinsichtlich des sich anbahnenden Trends. Wo die Wand gefallen ist, beginnen sich die Funktionen zu überlapgern. Zwar wird noch nicht auf dem Wohnzimmertisch gekocht, aber dafür in der Küche gelümmelt und gelesen. Neuerdings gibt es Küchenzeilen, die an einem Ende zu Sitzecken werden (Ballerina). Überhaupt gestalten sich die Übergänge zwischen Kochen und Wohnen immer öfter fließend: Da wird der Esstisch eins mit der Kochinsel, und man schlemmt an der automatisch heruntergelassenen Arbeitsplatte (Zeyko).

Die Folge: Die ersten Küchenhersteller wagen sich in den Wohnraum, bieten etwa Schränke für beide Bereiche an, entwerfen auch Esstische samt Sitzbänken oder vice versa Kochinseln in Esstischmanier (Schüller). Auch optisch schmiegt sich die Küche ans Wohnen an: Ein deutliches Signal sind die Akzentfarben - von Gewürzfarben wie Curry oder Kurkuma über die leuchtenden Farben der Siebziger bis zu Blau, das man in der Küche seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Neuerdings tauchen sogar wieder Muster in der Kochzone auf, beispielsweise Karos.

23434523 Du erkennst mich nicht: die Miniküche von Miniki sieht aus wie ein Sideboard © Miniki Bilderstrecke 

Allenthalben brechen die Designer unsere Vorstellung davon auf, wie eine Küche auszusehen hat. Das einheitliche Erscheinungsbild von Arbeitsplatte, Schränken und Co. gerät offenbar aus der Mode. Nun werden Materialien gemischt. Strukturierte und glänzende Oberflächen wechseln sich ab. Passend zu den Designermöbeln setzt sich Glas durch, und die Arbeitsplatten werden deutlich schlanker und damit eleganter. Überhaupt: Die neuen Küchen sind technisch zwar Alleskönner, wollen aber nicht mehr auf den ersten Blick als solche erkannt werden.

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