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Veröffentlicht: 30.06.2017, 13:16 Uhr

Verzicht auf Wohneigentum Ich bin Mieter, und das ist gut so

Wer heute noch kein Eigenheim besitzt, will spätestens morgen eins? Das gilt nicht für alle. Über Mieter aus Prinzip.

von
© Getty Auf der Sonnenseite: 81 Prozent der deutschen Mieter sind mit ihrer Wohnsituation zufrieden.

Dieter Richter ist Millionär, Golfspieler, Sportwagenfahrer und Mieter. Aus Überzeugung. „Meine Frau und ich könnten uns auch eine schöne Eigentumswohnung kaufen“, sagt der selbständige Steuerberater aus Berlin, der eigentlich anders heißt. Es sind weder die gestiegenen Immobilienpreise noch die fehlenden Angebote, die ihn davor zurückschrecken lassen. Richter ist auch kein kühler Rechner, der nach Analyse einer seitenlangen Excel-Tabelle zu dem Ergebnis gekommen ist, dass sich Mieten für ihn mehr lohnt als Kaufen. Im Gegenteil hält er es „ökonomisch für absoluten Quatsch“, dass er seit 1994 Miete für eine Dachgeschosswohnung in der Nähe des Ku’damms zahlt, mittlerweile mehr als 2000 Euro im Monat. Aber seiner Frau und ihm behagt das Konzept, dass ihn nur drei Monate Kündigungsfrist an eine Wohnung binden, mehr als die Idee, eine Immobilie zu besitzen. Artikel 14 des Grundgesetzes, der besagt, dass „Eigentum verpflichtet“, klingt für ihn nach Last, nicht nach Verheißung.

Judith Lembke Folgen:

In Zeiten niedriger Hypothekenzinsen haben überzeugte Mieter in der Diskussion einen schweren Stand. Warum dem Vermieter Geld schenken, wenn man günstig finanzieren kann und irgendwann im abbezahlten Eigenheim wohnt? Oft wird stillschweigend vorausgesetzt, dass Menschen, die sich Eigentum leisten können, dies auch anstreben. Mieter, so ein gängiges Vorurteil, ist jemand, der sich etwas Eigenes (noch) nicht kaufen kann. Diese Annahme entwickelte sich vor allem in der Nachkriegszeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Eigenheim zum ultimativen Statussymbol. Hausbesitzer zu sein ließ auf eine solide bürgerliche Existenz schließlich, die politisch durch Eigenheimzulage und Pendlerpauschale gefördert wurde. Wer in den eilig nach dem Krieg errichteten Mietshäusern oder in unsanierten Altbauten der Innenstädte wohnte, war wirtschaftlich meist schlechter gestellt als derjenige, der abends in sein Vororthäuschen mit Garten pendelte.

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Im Allgemeinen ist das bis heute so geblieben. 77 Prozent aller Mieter leben in Mehrfamilienhäusern, auf durchschnittlich 73 Quadratmetern für 673 Euro warm, das hat die gerade veröffentlichte erste große repräsentative Mieterstudie ergeben, die das Allensbach Institut im Auftrag der Immobiliengesellschaft Wertgrund erstellt hat. Hausbesitzer hingegen wohnen sehr viel häufiger in einem frei stehenden Haus, haben mehr als hundert Quadratmeter zur Verfügung und geben im Durchschnitt deutlich mehr Geld fürs Wohnen aus. Etwa die Hälfte aller Deutschen lebt zur Miete, die andere Hälfte im Eigentum.

In den Städten sind Mietwohnungen vorherrschend: In Berlin liegt die Eigentumsquote nur bei 15 Prozent, im ländlich geprägten Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist sie mit etwa 60 Prozent in Deutschland am höchsten. Seit der Jahrtausendwende steigt die Quote langsam, aber kontinuierlich an – eine Entwicklung, die dem politischen Willen entspricht: Denn das selbstbewohnte Eigentum wird als einer der wichtigsten Bausteine der Altersvorsorge propagiert, die Deutsche Bundesbank nennt es einen „wichtigen Motor für den Vermögensaufbau“.

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