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Kaminöfen Der ganz persönliche Energiemix

07.01.2009 ·  Öl und Gas sind endliche Brennstoffe, Holz scheint im Überfluss vorhanden. Das ist nur einer der Gründe, warum Kaminöfen so beliebt sind. Wer mit Holz heizen will, sollte in jedem Fall den Rat von Fachleuten einholen.

Von Marcus Stölb
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Hell lodern die Flammen im Feuerraum. Das brennende Holz verbreitet seine angenehme Wärme. Die füllt nicht nur das Wohn- und Esszimmer, sondern reicht hinein bis in die langgezogene Diele und die Nachbarräume. „Wir wollten es vor allem gemütlicher haben“, sagt Nora Hermanns und schwärmt von ihrer Anschaffung; „mollig warm“ sei es jetzt in den eigenen vier Wänden.

Als die Hermanns sich vor drei Jahren einen Kaminofen zulegten, stand für sie die Steigerung des Ambientes ihrer Wohnung im Vordergrund. Die angehende Lehrerin behauptet erst gar nicht, dass eine hohe Heizkostenrechnung oder der Klimaschutz den Ausschlag für den Kauf gaben. Was nicht heißt, dass sie und ihr Mann die positiven Nebeneffekte nicht zu schätzen wüssten. Im Gegenteil: Gleich im ersten Jahr verbrauchte das Ehepaar dank des Ofens, der eine Leistung von 6 Kilowatt hat, nur ein Drittel dessen, was der örtliche Versorger an jährlichem Gasbedarf für Heizen und Warmwasser veranschlagt hatte. So konnten sich die Hermanns über eine üppige Rückzahlung freuen.

Öl und Gas ist vielen zu teuer

Kaminöfen sind en vogue. Die Branche verzeichnet seit etlichen Jahren einen nahezu ungebrochenen Aufwärtstrend. Mit der Ölkrise Anfang der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts habe die Nachfrage so richtig begonnen, berichtet Thomas Neises. Der geschäftsführende Inhaber des Feuerhauses Hase in Trier war seinerzeit zwar noch nicht im Geschäft, doch macht er auch heute die Erfahrung: Die Motivation, sich einen Kaminofen in die Wohnung zu stellen, ist in den meisten Fällen ökonomischer Natur. Hohe Öl- und Gaspreise, wie sie bis vor einigen Wochen noch die Verbraucher verunsicherten, können Unternehmern wie Neises nur recht sein. Gesellt sich dann auch noch Schneefall oder Bodenfrost hinzu, mache sich das gleich in der Kundenfrequenz bemerkbar, sagt der Fachmann.

Längst hat sich herumgesprochen, dass Holz ein nachhaltig günstiger Brennstoff ist. Wie hoch die Ersparnis im Vergleich zu Öl und Gas tatsächlich ausfällt, schwankt naturgemäß und hängt nicht nur von den jeweiligen Energiepreisen, sondern auch vom Wirkungsgrad der Öfen ab. Der liegt bei 75 Prozent und mehr. Nachdem die Ölpreise zwischenzeitlich wieder gesunken sind, fällt die Bilanz zugunsten des Kaminofens erwartungsgemäß weniger günstig aus als noch Anfang oder Mitte des Jahres. Doch mittel- und vor allem langfristig sei der Brennstoff Holz unschlagbar, ist Waldemar Ewert aus Oldenburg überzeugt.

Persönlicher Energiemix

Ewert ist Sozialwissenschaftler und Geschäftsführer der Kaminland Handels GmbH, die im Norden der Republik mehr als ein Dutzend Niederlassungen unterhält. Seit drei Jahrzehnten ist er in der Branche tätig, hat die Entwicklung der Technik ebenso miterlebt wie das Verbraucherverhalten. Für ihn liegen die Vorteile von Kaminöfen auf der Hand: Nicht nur, dass sich Heizkosten einsparen lassen - „jeder Einzelne kann auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und seinen persönlichen Energiemix verändern“. Denn auch wenn beim Verbrennen von Holz Kohlendioxid entsteht, so wird doch nur jene Menge des Treibhausgases freigesetzt, die der Baum im Laufe seines Lebens aufgenommen und gebunden hat.

„Richtig verwendet ist Holz ein umweltgerechter Brennstoff“, erklärt deshalb das Umweltbundesamt. Ob der Brennstoff „richtig verwendet“ wurde, zeigt sich spätestens am Ende des Verbrennungsvorgangs. Finden sich im Feuerraum des Kaminofens noch größere Rückstände, also mehr als nur Asche, ist etwas falsch gelaufen. Auch starke Rußentwicklung und dunkler Holzrauch sind Anzeichen für einen allenfalls semi-optimalen Verbrennungsvorgang.

Der Standort will gut gewählt sein

„Viele Menschen wissen heute gar nicht mehr, wie man richtig Feuer macht“, berichtet Achim Heckel aus Heidenheim. Heckel ist Bezirksschornsteinfegermeister und Pressesprecher des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks. Häufig sucht er Wohnungen und Häuser auf, deren Besitzer sich einen Kaminofen zulegen wollen. Dann schaut Heckel nach einem geeigneten Standort, der einen gewissen Abstand zu Möbeln halten muss. Ist ein Holzfußboden oder sonst wie leicht entflammbarer Untergrund vorhanden, sollte eine Platte unter dem Ofen angebracht werden.

Vor allem aber prüft der Schornsteinfeger, ob es einen nutzbaren Kamin im Haus gibt. Werden die Kaminschächte beispielsweise bereits für eine Gas- oder Ölheizung oder als Hohlraum für Elektroleitungen genutzt, kann der Traum vom Kaminofen schnell ausgeträumt sein. Der Schornsteinfeger klärt, ob es Alternativen gibt und beispielsweise ein zusätzlicher Abzug vonnöten ist.

Erst den Schornsteinfeger kommen lassen

Heckel rät allen Interessenten, sich vorab zu informieren. Aus gutem Grund: Sich erst einen teuren Ofen anschaffen und dann feststellen, dass dieser aus brandschutztechnischen Gründen nicht aufgestellt werden kann würde den Frohsinn der Besitzer doch stark mindern. Vor Inbetriebnahme des Kaminofens muss die Anlage in jedem Fall von einem Schornsteinfeger überprüft werden, damit gesundheitliche Gefährdungen und ein zu hoher Ausstoß von Emissionen aufgrund von Materialmängeln oder einer fehlerhaften Installation ausgeschlossen werden können.

Heckel bietet den Besitzern eines neuen Kaminofens zudem an, ein Probefeuer zu entfachen. So klärt der Schornsteinfeger auf, weshalb man zum Anzünden weder Zeitungspapier noch Brandbeschleuniger wie Spiritus nutzen sollte. Stattdessen empfiehlt er handelsübliche Anzünder. Brennt das Feuer, sollte ein Holzscheit nachgelegt werden. Das Brennholz darf aber nicht frisch aus dem Wald kommen, sondern muss mindestens zwei bis drei Jahre trocken gelagert worden sein. Nur so lässt sich der Feuchtigkeitsgehalt auf ein Maß reduzieren, das eine optimale Verbrennung garantiert. Und noch einen Tipp gibt Heckel mit auf den Weg: „Weniger ist mehr!“

Das bestätigen auch Fachhändler wie Neises. Hin und wieder komme es vor, dass Besitzer den Feuerraum regelrecht vollstopften. Dass dies dem Feuer Sauerstoff nimmt, ist das eine. Schlimmer noch sind die Kollateralschäden am Ofen. Überhitzt sich das Gerät, kann auch das beste Material in Mitleidenschaft gezogen werden.

Speckstein und Edelstahl

Apropos: Laut Ewert hält der Trend zu hochwertigen Materialien an. Stark gefragt sind vor allem Speckstein und Edelstahl, aber auch Keramik. Das berichtet auch Neises. Der Trierer hat einen eher banal klingenden Rat parat: „Man sollte erst einmal schauen, ob einem der Ofen gefällt, denn die Optik ist nun einmal das Entscheidende.“ Schließlich ist ein Kaminofen so etwas wie ein Möbelstück, das sich irgendwie in das Interieur der Wohnung einfügen muss.

Auf gewisse optische Reize setzen auch die Hersteller von Gaskaminöfen, die Holzscheitimitate aus feuerfester Keramik ebenso anbieten wie Carrara-Kiesel und Keramik-Zweige. Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese Geräte nicht sonderlich von Holzkaminöfen - auch wenn sich das Feuer auf Knopfdruck und oft sogar per Fernbedienung entfachen lässt. Dennoch sind Fachhändler skeptisch, dass sich Gasöfen auf mittlere Sicht durchsetzen werden.

Ewert und Neises verweisen auf ein Kernproblem dieser Anlagen: Sie sind auf Gas angewiesen, und dessen Preis ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und wird wohl auch in Zukunft steigen. Im Übrigen ist Gas kein nachhaltiger Brennstoff wie Holz, weshalb auch die ökologische Komponente weniger zu überzeugen vermag.

Gasöfen werden sich nicht durchsetzen

Das setzt sich nie durch, erwartet Ewert. Für seine Branche ist er ansonsten sehr optimistisch. Die werde weiter wachsen, selbst die noch nicht ausgestandene Diskussion um die Novellierung der Bundesimmissionsschutzverordnung werde daran wohl wenig ändern.

Die Bundesregierung will im Zuge eines Maßnahmenpakets zur Senkung der Feinstaubbelastung die Verordnung künftig bereits für Anlagen ab 4 Kilowatt statt wie bisher ab 15 Kilowatt gelten lassen. Allerdings sind Übergangsfristen vorgesehen, und obendrein werden die anvisierten Grenzwerte von Geräten der jüngeren Generation bereits eingehalten.

Verunsicherte Verbraucher sollten sich gleichwohl vom Fachhändler beraten lassen und von winterlichen Affektkäufen absehen. Die gebe es aber ohnehin immer seltener, sagt Ewert. Vielmehr habe sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Kunden sich langfristig mit der geplanten Anschaffung auseinandersetzten. „Früher hatten wir im Sommer ein paar Wochen geschlossen, heute ist das nicht mehr drin.“

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