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Hausbau mit Hindernissen : Was tun, wenn die Baufirma Insolvenz anmeldet

Der Traum vom Eigenheim geht voran. Doch wie lange noch? Solvenz und Historie der Baufirma geben Aufschluss. Bild: dpa

Es ist der Albtraum für jeden künftigen Hausherren: Die Baufirma ist pleite. Was es im Ernstfall zu beachten gilt, welche Rechte Betroffene haben und was man tun kann, damit es gar nicht erst soweit kommt.

          Erst bittet die Baufirma verdächtig oft um Vorauszahlungen, neues Material bleibt aus, die Arbeiten stehen still – und plötzlich geht niemand mehr ans Telefon. Langsam schwant den Bauherren: Auf der Baustelle stimmt etwas nicht. Wenn Hausbesitzer in spe diese Warnsignale wahrnehmen, sollten bei ihnen die Alarmglocken läuten. Vielleicht ist ihre Baufirma pleite. Doch welche Rechte haben sie dann?

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wer herausfinden will, ob der Vertragspartner Insolvenz angemeldet hat, kann dies unter www.insolvenzbekanntmachung.de nachlesen. Wird die Baufirma dort nicht aufgeführt, lässt sich mit einem Fachanwalt noch nach Gründen für eine außerordentliche Kündigung suchen. Steht das Unternehmen auf der Liste, sollten die Auftraggeber den Baustand vom Sachverständigen begutachten lassen. Er stellt fest, welche Bauabschnitte fertig sind, was noch zu tun ist und welchen Wert Grundstück und Rohbau aktuell besitzen.

          Betroffene sollten einen Baurechtsanwalt einschalten

          Betroffene sollten zudem einen Baurechtsanwalt einschalten. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens fordert er den Insolvenzverwalter auf, zu klären, ob der Bauvertrag weitergeführt wird. Bis zur Entscheidung müssen die Bauherren abwarten – das dauert mindestens sechs Monate, in denen der Kredit weiterläuft, Fördergeld ausbleibt und die Miete gezahlt werden muss. Auf keinen Fall sollten die Geprellten selbst weiterbauen, sonst zahlen sie doppelt. Der Insolvenzverwalter kann Schadensersatz von den Bauherren fordern, denn durch ihr Weiterbauen nehmen sie der Firma die Chance, den Bau vertragsgemäß zu beenden und in Rechnung zu stellen.

          Wer auf dem eigenen Grundstück baut, kommt noch glimpflich davon. Entscheidet der Insolvenzverwalter, dass der Vertrag nicht aus der Insolvenzmasse erfüllt werden kann, können die Bauherren allein zu Ende bauen – die restlichen Bauleistungen entfallen. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Bauherren, die auf eigenem Boden bauen, vertraglich ein Kündigungsrecht vereinbaren können, falls die Baufirma Insolvenz anmeldet (Az.: VII ZR 56/15). Darin lässt sich festschreiben, dass sie nur die bis zur Kündigung erbrachten Leistungen bezahlen müssen und ihnen Schadensersatz wegen Nichterfüllung zusteht.

          Solvenz und Historie des Unternehmens geben Sicherheit

          Errichtet man sein Haus mit einem Bauträger, wie bei Eigentumswohnungen üblich, ist die Pleite besonders bitter. Denn der Kunde besitzt hier bis zur Übergabe weder Haus noch Grundstück. Grund und Boden werden laut Vertrag erst mit dem fertigen Haus übergeben. Zur Sicherheit erhält er zwar eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch, die ihn als künftigen Eigentümer der Immobilie ausweist. Geht der Bauträger aber insolvent, fällt das Areal samt Baustelle an die Gläubigerbank, der das Grundstück als Kreditsicherheit dient. Sie bestimmt nun, ob sie den Auftraggeber mit dem halbfertigen Haus sitzen lässt oder seine Abschläge zurückzahlt – meist nicht komplett, sondern höchstens im Wert der Bauruine. Auf keinen Fall sollte der Kunde bei einer Pleite eilig vom Vertrag zurücktreten, rät der Verband Privater Bauherren (VPB). Denn damit ist die Auflassungsvormerkung im Grundbuch futsch. Ohne diesen Vermerk verlieren Kunden den Anspruch auf ihr Eigentum und im schlimmsten Fall sogar komplett ihr gezahltes Geld.

          Damit es nicht so weit kommt, informieren sich Bauherren am besten früh über Solvenz und Historie des Unternehmens; dabei helfen Wirtschaftsauskunfteien wie Creditreform oder Schufa gegen Honorar. Die Baufirma sollte viel Erfahrung sowie eine gute Bonität besitzen und aus der Region stammen. Im Idealfall kann sie eine Baufertigstellungsversicherung oder eine Fertigstellungsbürgschaft ihrer Bank vorweisen. Der VPB rät Bauherren, den Bauvertrag vorab vom Fachanwalt prüfen zu lassen und darin mindestens die ihnen gesetzlich zustehende Erfüllungssicherheit von fünf Prozent der Bausumme geltend zu machen. Der Zahlungsplan sollte zudem nicht zur Vorkasse zwingen. Um Verluste einzudämmen, sollte man einzelne Raten erst nach mängelfreier Abnahme eines Bauabschnitts durch einen Sachverständigen bezahlen. Auch regelmäßige Besuche vor Ort helfen, Probleme im Bauablauf frühzeitig zu erkennen.

          Quelle: F.A.S.

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