14.02.2012 · Die Bremer könnten es sich leisten, die Thüringer ebenso. In vielen Bundesländern verfügen die Haushalte über genügend Geld zum Immobilienkauf.
Von Birgit OchsAuch wenn Immobilien hierzulande derzeit als Anlage hoch im Kurs stehen: Wenn es um den europäischen Vergleich der Eigenheimquote geht, fällt Deutschland ab. Es ist nach wie vor ein Mieterland - weniger als die Hälfte der Bevölkerung (43 Prozent) lebt in den eigenen vier Wänden. Dabei könnten es weit mehr sein, hat das Forschungsinstitut Empirica im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS) ermittelt. Demnach erlauben Einkommen, Hauspreise und Finanzierungsbedingungen in 15 von 16 Bundesländern, dass mindestens 50 Prozent der dortigen Bevölkerung sich eine eigene Immobilie leisten könnten. In Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen sind sogar drei von vier Haushalten in der Lage, ein ortsübliches Eigenheim aus dem Bestand zu finanzieren.
Am anderen Ende der Tabelle findet sich Berlin. In der Hauptstadt, in der die Kauf- und Mietpreise in jüngster Vergangenheit kräftig zugelegt haben, ist nach Angaben von Empirica nur ein Drittel der Bewohner in der Lage, sich Wohneigentum zu legen. Allerdings könnte auch in Berlin die Wohneigentumsquote 20 Prozentpunkte höher sein als bisher.
Besonders zurückhaltend, wenn es um eine eigene Immobilie geht, sind offenbar die Bremer. Dort wie auch in den ostdeutschen Ländern machen die Zusatzpotentiale sogar 30 bis fast 50 Prozentpunkte aus. In den neuen Ländern besteht nach Ansicht der LBS durchgängig noch immer enormer Nachholbedarf. Von Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen könnte der Anteil der eigenen vier Wände nach der Empirica-Rechnung wegen der günstigen Erwerbsbedingungen um 32 bis 42 Prozentpunkte höher ausfallen. Noch größeres Potential errechnet sich nur noch für Bremen, wo die Immobilienpreise im Vergleich der Stadtstaaten recht günstig sind. Dass sich die Bremer jedoch zurückhalten, liegt offenbar daran, dass das passende Angebot fehlt.
Empirica hat für die Studie Einkommensdaten des Statistischen Bundesamtes mit Informationen aus seiner Preisdatenbank für gebrauchte Einfamilienhäuser aus dem ersten Halbjahr 2011 verknüpft. Dabei ist der Wohneigentumserwerb im jeweiligen Bundesland aus Sicht der Forscher dann möglich, wenn - bei einem Eigenkapital in Höhe eines Jahresnettoeinkommens - die Finanzierungsbelastung von insgesamt 7 Prozent im Jahr - für Zins und Tilgung - 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens nicht übersteigt.
Nicht erfasst sind in der Berechnung allerdings zusätzliche Aufwendungen wie etwa die Erwerbsnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Maklergebühren, Notarkosten) oder auch Modernisierungsinvestitionen, die beim Kauf von Gebrauchtimmobilien fällig werden und den Kauf oftmals erheblich verteuern. Aus Sicht der LBS mindert das jedoch nicht die Aussagekraft. Schließlich herrschten derzeit angesichts des günstigen Zinsniveaus Finanzierungsbedingungen, die sogar noch deutlich unter den Empirica-Annahmen lägen.
Birgit Ochs Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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