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Investoren aus Fernost : Deutsche Wohnungen sind bei Chinesen heiß begehrt

Beliebte Investition: Chinesen kaufen Wohnungen im Frankfurter Europaviertel. Bild: Hedwig, Victor

Chinesen interessieren sich im Moment brennend für deutsche Wohnungen. Zwei Städte sind die bevorzugten Standorte.

          Die Kundin aus Hongkong kam zum Großeinkauf. Bis zu vier Wohnungen würde sie gerne erwerben, ließ die Chinesin das Immobilienunternehmen Berlin Property Services wissen. In Frage kämen ausschließlich Neubauten, am liebsten mit einem bis zwei Zimmern, bloß nicht zu groß und in möglichst zentraler Lage. Ihr Gesamtbudget: bis zu 2 Millionen Euro. Ungewöhnlich? „Nicht mehr“, sagt Anne Schneppen. Sie ist eine der Mitgründerinnen des Unternehmens, das sich unter anderem darauf spezialisiert hat, chinesische Interessenten beim Immobilienkauf in der deutschen Hauptstadt zu beraten. Anfangs seien Käufer aus China noch die große Ausnahme gewesen, erinnert sich Schneppen. „Seit drei Jahren steigt die Nachfrage stetig.“

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Immer mehr Chinesen kaufen Wohnungen in Deutschland, für die zwischen Peking und Schanghai kräftig die Werbetrommel gerührt wird. Deutsche Vertriebsprofis gehen mit neuen Bauprojekten im Reich der Mitte auf Roadshows oder stellen die Vorhaben auf Immobilienmessen vor. Das zieht. Manche Käufer kommen, um nur eine einzige Wohnung zu erwerben, andere wollen wie die Kundin aus Hongkong gleich ein kleines Portfolio.

          Die Nachfrage konzentriert sich auf Berlin, vor allem aber auf Frankfurt. Darüber sind sich Fachleute einig, die sich mit der Vermittlung von deutschen Apartments an chinesische Kunden befassen. Nach Angaben des Immobilienmaklers Thomas Zabel vom Beratungsunternehmen JLL hat sich die Zahl der an Chinesen verkauften Wohnungen in Frankfurt von 2015 auf 2016 von 500 auf 1000 verdoppelt. Dies sei das Dreifache des Wertes von Berlin gewesen, und auch dort ist die Zahl der chinesischen Immobilienerwerber gestiegen.

          Frankfurt spricht diesen Kundenkreis so stark an, weil die Stadt in China deutlich bekannter ist als Berlin: „Die meisten chinesischen Flüge nach Deutschland landen zuerst in Frankfurt, und alle chinesischen Banken in Deutschland sind zuerst in Frankfurt mit ihrer Hauptstelle vertreten, bevor sie Filialen in anderen Städten eröffnen“, erläutert Zabel. „Viele Chinesen sind sogar der Meinung, dass Frankfurt die deutsche Hauptstadt sei.“ Das hänge auch mit der großen und wachsenden chinesischen Gemeinschaft im Rhein-Main-Gebiet zusammen. Allein 2016 nahm die Zahl der Chinesen mit Erstwohnsitz in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahr von gut 10.000 auf 14.000 zu.

          Chinesen bevorzugen Neubau-Wohnungen

          Für das rege Interesse der fernöstlichen Immobilienkäufer an Frankfurt spricht auch, dass inzwischen das nach eigenen Angaben erste chinesische Immobilienmaklerbüro in Deutschland eine Niederlassung mitten im neuen Frankfurter Europaviertel eröffnet hat, im Beisein des Generalkonsuls der Volksrepublik: Die Anjia Immobilien & Consulting will so direkt vor Ort Wohnungen an Chinesen vermitteln. Die Chancen scheinen bestens zu stehen: Die Namensschilder auf den Briefkästen der anliegenden Neubauten – Jiang, Hu, Zhang, Wang, Zhao, Li oder Deng – zeigen, dass schon eine Fülle chinesischer Haushalte dort wohnt.

          Im ebenfalls neuen Maintor-Viertel am Frankfurter Schauspielhaus, dem ehemaligen Degussa-Areal, sind immerhin sieben Wohnungen direkt an chinesische Käufer gegangen, wie von dem Quartiersentwickler GEG German Estate Group zu erfahren ist – etwa 7 Prozent der neuen und teuren Wohnungen. Davon seien sechs Wohnungen als Kapitalanlagen erworben worden und eine durch einen Eigennutzer. Auch hier deuten die Namen auf den Klingelschildern darauf, dass der Anteil der Chinesen unter den Bewohnern erheblich höher als die genannten 7 Prozent ist. Bei der Mehrzahl handele es sich um Mieter, berichtet das Unternehmen.

          Dass es die chinesischen Wohnungskäufer in Frankfurts neue Quartiere wie das Europa- oder das Maintor-Viertel zieht, erklärt ein auf diese Kundengruppe spezialisierter Makler mit ihrer Mentalität: „In Frage kommt eigentlich nur Neubau. Da ist alles neu und schick. Altbau hat nur eine kleine Chance, wenn er top renoviert ist.“ Damit konzentrieren sich die Chinesen auf die teuren Frankfurter Immobilien. 9000 Euro je Quadratmeter ist da ein typischer Preis. Wer also 500.000 Euro ausgeben will, erhält gerade einmal eine knapp 56 Quadratmeter große Wohnung.

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