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Hausbau Stress mit Handwerkern muss nicht sein

24.06.2008 ·  Ärger mit den Handwerkern gilt fast schon als normal. Dabei lassen sich Streit und Chaos leicht vermeiden, wenn der Bau richtig geplant und genügend Zeit vorgesehen sind. Bausachverständige können eine nützliche Hilfe sein.

Von Sabine Hildebrandt-Woeckel
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Kommt der Lehrling zum Meister gelaufen und schreit: „Meister, Meister, das Haus ist eingestürzt!“ Brüllt der Meister zurück: „Habe ich euch Idioten nicht gesagt, dass das Gerüst erst abgebaut werden darf, wenn die Tapete trocken ist?“

Handwerkerwitze sind beliebt. Lachen können darüber allerdings meist nur die, die nie selbst ein Haus gebaut oder einen größeren Umbau vorgenommen haben. „Denn wer das erlebt hat“, empört sich ein leidgeplagter Häuslebauer aus Regensburg, „der weiß, dass die Realität zumeist noch viel schlimmer ist.“

Viele Bauherren sind zu blauäugig

„Stress mit Handwerkern am Bau ist normal“, das bestätigt auch Ilona Klein vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Doch naturgemäß mag sie nicht mit einstimmen in das allgemeine Klagelied über die Handwerker. Und es verwundert wohl auch niemanden, wenn die Verbandsvertreterin hervorhebt, dass es nicht selten die Bauherren selbst seien, die den Stress herbeiführten.

Auch Klaus Kellhammer, Leiter des Regionalbüros Tübingen des Verbandes Privater Bauherren (VPB), stimmt zu. Dabei wurde sein Verein in den siebziger Jahren von einem genervten Bauherren gegründet und vertritt heute deren Interessen. Es sei jedoch eine Tatsache, sagt Kellhammer, dass viele Bauherren einfach viel zu blauäugig an die Sache herangingen. „Und im Nachhinein werden die Fehler dann den Handwerkern zugeschoben.“

Planung, Koordination und Überwachung

Drei Aspekte sind es, die von Bauherren oft grob falsch eingeschätzt werden, darin sind sich Handwerks- und Bauherrenvertreter einig: die Wichtigkeit der Planung, die Koordination und Überwachung der Arbeiten und die richtige Einschätzung des Zeitaufwandes. Und der Kieler Architekt Hans-Jörg Peers führt noch einen vierten hinzu, der oft mit dem dritten einhergeht: die realistische Kalkulation der Kosten.

In Deutschland, schätzt der Planer, der gleichzeitig ein eigenes Bauunternehmen hat, „gibt es zu viele Bauherren, die eigentlich nicht oder noch nicht bauen sollten“. Denn wenn das Budget zu knapp bemessen ist, wird oft alles drangesetzt, Zwischenfinanzierungszinsen, sprich Zeit, zu sparen. Dies führt jedoch nicht nur zu Stress, sondern auch zu Pfusch.

Nicht umsonst, erklärt Peers, der auch Gründungsmitglied des „Club of Home“ ist, habe es schon Ende des vorletzten Jahrhunderts Bestimmungen gegeben, die erwartungsvollen Neubaubesitzern lange Wartefristen verordneten. Frühestens vier Monate im Sommer und sieben Monate im Winter mussten sie nach Fertigstellung des Rohbaus warten, bis sie ihr neues Heim beziehen durften; wurde tapeziert, sogar noch drei Monate länger. „Und das aus gutem Grund“, urteilt der Baufachmann. Denn erst dann sei ein Haus komplett ausgetrocknet. Der „Club of Home“ hat sich zum Ziel gesetzt solche und andere alte Traditionen, die Bauherren schützen, wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.

Ein Architekt kann vieles abnehmen

Die Zeitschiene ist das eine, die richtige Planung und gelungene Koordination der rund 20 am Neubau beteiligten Gewerke sind das andere. Ist mit der Planung ein Architekt befasst, erläutert Peers, liefere dieser nicht nur den exakten Plan. Er erstelle auch ein Leistungsverzeichnis, auf dessen Grundlage dann eine neutrale Ausschreibung erfolgt.

Entscheidend dabei: Jede einzelne Arbeit wird exakt definiert und auch Qualität und Dauer dieser Arbeiten werden bestimmt. Auf dieser Grundlage geben die Handwerker dann ihr Angebot ab. Mit anderen Worten: Läuft das Verfahren korrekt, „kann der künftige Hausbesitzer tatsächlich Äpfel mit Äpfeln vergleichen“, wie Peers versichert - und das billigste Angebot ist auch tatsächlich das preiswerteste.

Bauherren fehlt es oft an Erfahrung

In der Realität wird diese Aufgabe jedoch oft vom Bauherren selbst übernommen. Der Architekt erstellt dann lediglich die Vorlage für den Bauantrag, diese enthält aber viele für den späteren Bau notwendigen Angaben nicht. Dem Bauherren fehlt aber in der Regel das Wissen, um die Schnittstellen der verschiedenen Handwerker überhaupt zu erkennen und dann auch noch auf Probleme richtig zu reagieren. Die Folge: Handwerker kommen zu früh oder zu spät, geraten sich gegenseitig ins Gehege, und die Qualität der Arbeit leidet.

Oder die Bauherren haben zwar Ideen im Kopf, die Sache aber nicht richtig zu Ende gedacht und erst recht nicht zu Papier gebracht. Das bedeutet jedoch: Die ersten Probleme treten bereits bei der Angebotsabgabe und Vertragsabschluss auf. Wenn nicht einmal der Bauherr weiß, wie die Treppe genau beschaffen sein soll, wie soll es dann der Handwerker wissen?

Nicht alle Handwerker arbeiten gleich

Handwerker A hat also eventuell einen viel höheren Qualitätsanspruch, sein Angebot fällt entsprechend teurer aus. Handwerker B will dagegen einfach nur den Auftrag haben. Und um den zu bekommen, hat er mehrere Möglichkeiten: Er liefert schlechte Ware, er arbeitet mit schlechter ausgebildeteren Handwerkern, oder er nimmt einfach nicht alle notwendigen Arbeiten in den Kostenvoranschlag auf. Der Kunde merkt dann nicht einmal, dass er Äpfel mit Birnen vergleicht - und am Ende hat er keine andere Wahl, als Nacharbeiten zuzustimmen. „In jedem Fall“, sagt Architekt Peers, „zahlt die Zeche der Bauherr.“

Doch es kann noch schlimmer kommen. Etwa wenn der Bauherr während des Bauens merkt, dass die eine oder andere Idee doch nicht das Wahre ist. „Leider nicht die Ausnahme, sondern fast schon die Regel“, klagt die Vertreterin des Baugewerbes, Klein.

Den Bau selbst abzunehmen, ist riskant

Selbst wenn die Planung stimmt und der Architekt auch eine Leistungsbeschreibung und einen Einsatzplan der Handwerker abgegeben hat, in trockenen Tüchern ist das Bauvorhaben damit noch lange nicht. Denn auch bei der nun folgenden Bauaufsicht und Abnahme der Arbeiten versuchen viele zu sparen, in dem sie diese Aufgaben selbst übernehmen. Oder sich beispielsweise bei schlüsselfertigen Bauten darauf verlassen, dass dies der Bauträger organisiert.

Eine korrekte Bauaufsicht ist bei vielen Bauträgern jedoch gar nicht einkalkuliert, hebt Gerhard Zach, Landesvorsitzender der Bayerischen Landesgruppe des Verbandes Deutscher Architekten (VDA), hervor. Da ist dann eine Person für 60 Bauten zuständig: „Die kann einfach nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.“ Genauso wenig wie ein Familienvater, der dreimal die Woche nach Dienstschluss im künftigen Eigenheim auftaucht. Genau das aber ist jedoch entscheidend, sind sich Zach und Klein einig, denn sonst deckt nicht selten der nachfolgende Handwerker die Fehler seines Vorgängers zu. „Das muss keineswegs absichtlich passieren“, stellt klar Zach, „sondern liegt in der Natur der Sache.“

Sachverständige sind eine Alternative

Dennoch hat Architekt Zach für Sparer einen Tipp. Denn die Abnahme der einzelnen Bauschritte und Handwerkerarbeiten muss keineswegs von seiner Zunft gemacht, sondern kann auch von einem bestellten und vereidigten Bausachverständigen übernommen werden. Der hat dafür in der Regel nicht nur die bessere Ausbildung, er ist auch billiger.

Und noch besser: Er flößt zumeist auch den beteiligten Handwerkerbetrieben den nötigen Respekt ein. Monieren Architekt oder Bauherr eine Arbeit, nehmen viele Handwerker das überhaupt nicht ernst. Kritisiert jedoch ein Sachverständiger, hat Zach immer wieder erlebt: „Dann spuren die.“

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