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Hausbau : Am Keller sparen kann teuer werden

  • -Aktualisiert am

Der Keller eignet sich für einen Technikraum: Bauherr Oliver Rechenbach im Hauswirtschaftsraum seines Passivhauses Bild: ddp

Zahlreiche Bauherren verzichten aus Kostengründen auf einen Keller. Doch die kurzfristige Ersparnis kann die Hausbesitzer auf lange Sicht teuer zu stehen kommen. Denn kellerlose Eigenheime sind auf dem Markt nach wie vor wenig gefragt.

          Ein Haus ohne Keller ist kein Haus, dachte Dirk Thielen noch bis vor wenigen Jahren. Dann bauten er und seine Frau Isabelle ein Eigenheim am Rande Triers, und weil dieses über kein Untergeschoss verfügt, wohnt die Familie Thielen nun seit zwei Monaten in einem, ja in was eigentlich? In einem Haus ohne Keller!

          Die Vorstellung, dass unter dem Erd- noch ein weiteres Untergeschoss liegen sollte, ist nach wie vor weit verbreitet, bestätigen Architekten, Makler und Kaufinteressenten unisono. Dennoch verzichten zahlreiche Bauherren inzwischen auf Investitionen unter Tage. Wie viele kellerlose Wohngebäude es in der Bundesrepublik gibt, lässt sich nicht beziffern. Das Statistische Bundesamt registriert lediglich die Gesamtgeschosszahl von Eigenheimen, differenziert bei seinen Erfassungen aber nicht nach „mit Keller“ und „unten ohne“.

          Es gibt sogar eine Initiative für Keller

          Für Reiner Pohl ist der „Tiefpunkt aber überwunden“. Er muss das so sagen, schließlich ist Pohl Geschäftsführer der „Initiative Pro Keller e.V.“, eines 1996 gegründeten Vereins, dem aktuell 17 Unternehmen angehören, die in irgendeiner Weise vom Kellerbau profitieren. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts sei der Anteil der kellerlosen Neubauten auf mehr als 30 Prozent gestiegen, berichtet Pohl, damals sei der Trend unübersehbar gewesen.

          Bild: obs

          Inzwischen verzichte noch etwa jeder vierte Bauherr auf ein Untergeschoss, schätzt er. Ob der Trend auch dank der Lobbyarbeit seines Vereins gebrochen werden konnte, lässt sich schwerlich sagen. Doch der Pro-Keller-Geschäftsführer berichtet von vielen verunsicherten Bauwilligen, die bei ihm um Rat nachfragten. Pohl führt bei solchen Gesprächen in der Regel ein ganzes Füllhorn an Argumenten ins Feld, um das eine, wenn auch gewichtige zu entkräften: dass sich durch den Verzicht auf ein Untergeschoss eine Menge Geld einsparen lässt.

          200 bis 400 Euro je Quadratmeter

          Auch Pohl kann nicht abstreiten, dass ein Keller viel Geld kostet; zwischen 200 und 400 Euro, je nach Ausstattung und Nutzung, würden pro Quadratmeter Untergeschoss fällig, beziffert er. Das summiert sich. Gesellen sich dann auch noch Risikofaktoren im Baugrund wie beispielsweise aufstauendes Sickerwasser hinzu, schießen die Kosten rasch in die Höhe. So hätten die Thielens ihren Keller in Form einer sogenannten „Weißen Wanne“, bei der die gesamte Abdichtung und Tragwirkung von Beton gewährleistet wird, errichten müssen. Unter 50.000 Euro sei eine solche Konstruktion im konkreten Fall nicht zu haben gewesen, berichtet Bauherr Thielen, da sei ihnen die Entscheidung gegen einen Keller doch recht leicht gefallen, ergänzt seine Frau.

          In vielen Fällen könne die kurzfristige Ersparnis die Bauherren aber mittel- und langfristig teuer zu stehen kommen, mahnt unterdessen der Pro-Keller-Lobbyist, deshalb solle man sich den Verzicht auf einen Keller gut überlegen. Und es seien nicht so sehr die Kosten, die bedacht werden sollten. Vielmehr müsse man auch die Bandbreite an Nutzungsmöglichkeiten im Auge behalten, die ein zusätzliches Geschoss biete: „40 Prozent mehr Lebensraum für 10 Prozent Mehrkosten“, bringt Pohl seine simple Rechnung auf den Punkt.

          Ist der Keller ein Raum zum Leben?

          Die Morbachs würden bei ihrem Keller spontan nicht an „Lebensraum“ denken. Schließlich hält sich dessen Aufenthaltsqualität spürbar in Grenzen, und entsprechend kurz halten sich die Besitzer auch in ihrem Untergeschoss auf. Für die vierköpfige Familie dient der Keller denn auch ausschließlich als Waschküche und Zwischenlager: Von Fastnachtskostümen über Christbaumkugeln bis hin zu Weinbeständen und Konservendosen findet sich hier alles, was auf den oberirdischen Flächen nicht mehr verstaut werden konnte. Ein kellerloses Haus? Für Sabine Morbach undenkbar. „Das ginge bei uns gar nicht, uns würde hinten und vorne der Platz fehlen.“

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