Home
http://www.faz.net/-gz7-768pn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Galeristenwohnung in Berlin Jetzt wird’s bunt

Monochromie ist zwar stilsicher, aber auch langweilig: Wenn der Innenarchitekt Gisbert Pöppler zur Farbe greift, dann richtig. Wie in der Wohnung, die er für den Galeristen Alfred Kornfeld in Berlin gestaltet hat.

© Wolfgang Stahr Vergrößern Schwieriges Blau: Doch Bücherwand, Kamin, Ohrensessel und der Dauergast aus Bronze nehmen dem Ton die Kühle

Wer hat Angst vor starken Farben? Alfred „Freddy“ Kornfeld nicht. Oder vielmehr nicht mehr. Der 46 Jahre alte Geschäftsmann besitzt in Berlin-Charlottenburg direkt über der „Galerie Kornfeld“ eine Wohnung, die er der vielen Türen wegen gerne mit einem Adventskalender vergleicht. Und seit der Interior Designer Gisbert Pöppler sie saniert hat, wartet hinter jeder der strahlend weißen Altbautüren eine ganz eigene, sehr, sehr bunte Welt.

Birgit Ochs Folgen:      

Wer sie betritt erfährt dreierlei: Erstens, dass Monochromie zwar stilsicher, aber auch langweilig wirkt. Zweitens, wer bei der Farbwahl halbherzig agiert schon verloren hat. Drittens, es eine Kunst für sich ist, wenn Farben, die gemeinhin als unversöhnlich gelten, die schönste Harmonie erzeugen.

Erstaunlich, wie sich die Kunstwerke behaupten

Im Wohnzimmer zum Beispiel trifft das satte Blau des Teppichs auf ein dunkelrotes Sofa. Man muss schon sehr genau hinsehen, um Nuancen dieser Töne in den Bezügen der Zierkissen oder in der Farbe der Wolldecke wiederzufinden. Ferner gehören ein schwarzer Couchtisch und ein weißer Flokatisessel zum Ensemble. Was am Ende Ruhe in den Raum bringt, ist das Bild von Anselm Kiefer vor einer dezent getönten Wand.

23041895 Das Arbeitszimmer: verspielt statt streng © Wolfgang Stahr Bilderstrecke 

So geht es in der ganzen Wohnung weiter. In der Küche leuchtet an den Wänden über der schwarzen Holzvertäfelung und dem verspielten Regal der Künstlerin Tamara Kvesitadze ein krachendes Orange. Auch im Arbeitszimmer taucht Orange auf, dort strahlt es mit dem kräftigen Gelb des Sideboards und dem frischen Grün der Wände um die Wette. Im großen Flur, der zugleich als Kaminzimmer genutzt wird, bildet ein mattes, helles Blau den Hintergrund. Blau, sagt Pöppler, ist in Wohnräumen eine schwierige Farbe, der man die Kühle nehmen muss. Das gelingt nicht zuletzt durch den Kamin, die beiden fuchsiaroten Ohrensessel und die Bücherwand. Vor dieser sitzt „Der Fremde“, eine Bronzefigur von Stella Hamberg, - und erweckt den Eindruck, ganz bei sich zu sein.

Es ist überhaupt erstaunlich, wie sich die Kunstwerke in dieser Umgebung behaupten, die so gar nichts mit einem „white cube“ gemein hat, wie ihn die im Souterrain gelegene Galerie repräsentiert. Wäre Gisbert Pöppler nicht so hartnäckig gewesen, wäre es nie zu einem solchen Farbrausch gekommen. Denn weder Freddy Kornfeld, noch die beiden Galeriemitbegründer Anne Langmann und Mamuka Bliadze konnten sich zunächst für die Vorschläge erwärmen. „Gut zehn Mal ist Gisbert mit seinen Musterkoffern gekommen, immer haben wir abgelehnt - bis ich gesagt habe, wir wagen es“, erzählt Kornfeld.

Klassisch weiße Wände kamen nicht in Frage

Er kennt Pöppler schon von einem früheren Projekt. Der 43 Jahre alte Berliner ist nicht nur Architekt und Interior Designer, der Wohnungen umkrempelt und Möblierungskonzept entwirft. Für seine gutbetuchten Auftraggeber ist er auch Scout, der ebenso nach den passenden Häusern, Lofts und Wohnungen sucht, wie er bei Händlern und Manufakturen in Paris, New York oder sonst wo in der Welt die passenden Lampen, Sofas, Teppiche aufspürt. Für Kornfeld, der selbst an der Möblierung maßgeblich mitwirkte, ist er in die Toskana gereist, um cremefarbenen Marmor zu kaufen. Nicht weißen, der sieht schnell dreckig aus. „Und um Himmels willen bloß keinen mit Gelbstich.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Buch zu Goethes Farbenlehre Schattenspiele in der hellen Welt des Lichts

Goethes Farbenlehre gilt allgemein als missglückter Ausflug in die Naturwissenschaften. In einem neuen Buch wird sie von Olaf L. Müller rehabilitiert. Mehr Von Wolfgang Krischke

28.03.2015, 15:46 Uhr | Feuilleton
Matterhorn-Besteigung Kurz vor dem Solvay-Gipfel

Auch wenn es der F.A.Z.-Autor Freddy Langer nicht bis ganz oben auf das Matterhorn geschafft hat: 400 Meter darunter war auch der Solvay-Gipfel eine echte Herausforderung. Mehr

10.10.2014, 12:18 Uhr | Reise
Wohnungsausstattung Was gönn’ ich meinem Mieter?

Parkett oder Estrich - welche Ausstattung besser ist, hängt von der Marktlage ab. Mieter, die selbst Geld in ihre Wohnung stecken wollen, sollten auf keinen Fall eigenmächtig handeln. Mehr Von Nadine Oberhuber

23.03.2015, 14:38 Uhr | Wirtschaft
Frankfurter Anthologie Alfred Lichtenstein: Prophezeiung

Caroline Peters rezitiert Prophezeiung von Alfred Lichtenstein. Mehr

10.10.2014, 16:08 Uhr | Feuilleton
Der Andi ist wieder da Ein Hipster auf’m Dorf

Der Heimatfilm Der Andi ist wieder da lässt seinen gescheiterten Protagonisten in die Provinz zurückkehren. Mit all seinen ungelösten Großstadtproblemen. Mehr Von Matthias Hannemann

18.03.2015, 17:30 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.02.2013, 08:46 Uhr

Musikalisches Pathos

Von Martin Gropp

Popstars wie Madonna, Rihanna und Jay-Z haben sich verbündet, um einen eigenen Streamingdienst zu gründen. Gut so, das belebt das Geschäft. Nur das Pathos ist ein wenig dick aufgetragen. Mehr


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die riesigen Bargeldreserven der Tech-Unternehmen

Apple, Google und Co. haben riesige Bargeldbestände angehäuft. Man kommt aus dem Staunen kaum heraus und muss zum Vergleich schon die griechischen Staatsschulden heranziehen. Mehr 5