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Mobiles von morgen : Mit dem Haus auf Tour

Minihaus aus dem 3D-Drucker: Der mobile Hightech-Bau des Büros SOM gewinnt und speichert erneuerbare Energie, die er drahtlos an das Fahrzeug abgeben kann. Bild: Bildband Nomadic Homes, Taschen

Das holländische Start-up G3 Spaces bringt ein aufklappbares Haus auf den Markt – und liegt damit voll im Trend.

          Am Anfang sieht es fast aus wie ein Legostein. Wie ein überdimensionales Klötzchen aus Metall, das aus dem Baukasten eines Riesen gefallen ist. Oder ist es doch nur ein Transportcontainer, den ein Lastwagen aus Versehen hier vergessen hat? Dafür sind seine Wände zu glatt und zu frisch weiß lackiert. Da ertönt ein leises Sirren, und Sekunden später bekommt der Legostein Flügel. Er klappt seine Seitenflächen nach oben weg, bis sie wie zwei kleine Vordächer rechts und links abstehen. Dann schieben sich zwei Außenwände mit Fenstern heraus, so als zöge man eine Ziehharmonika auseinander. Was eben noch ein Metallklotz war, wird langsam zum Haus, zum ersten Klapphaus der Welt. Und die nächsten Minuten sind für Bas Redhead die längsten seines Lebens.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei dauert es keine Viertelstunde, bis sich 29 Tonnen Stahl vollelektrisch auseinandergefaltet haben, angetrieben von einem kleinen Motor mit rund 1,2 Kilowatt und unterstützt von der Erdanziehungskraft, die den gefalteten Boden auseinandergleiten lässt. Nach knappen 15 Minuten kann Bas Redhead endlich die Haustüre aufsperren und damit die Tür zum 21. Jahrhundert. So ähnlich jedenfalls nennt der Innovationsmanager das, was er zusammen mit Chris Dijk, Gründer des holländischen Start-ups G3 Spaces, ausgetüftelt hat. Für sie ist es ein Projekt für die Zukunft. Für andere ist es erst einmal ein vollausgestattetes Haus, das sich auf die Größe eines Lastwagens oder Schiffscontainers zusammenfalten lässt, das sich per Knopfdruck selbst aufbaut und sich innerhalb von Minuten auch schnell abbauen lässt. „Unfold“ heißt das Klapphaus, das vor den Toren von Amsterdam in einer alten Fabrikhalle steht.

          Man muss auf nichts verzichten

          „Ultimative Mobilität“ soll es bieten, verspricht Redhead. Um große Worte sind Markenmanager nie verlegen. Aber Redhead sieht nicht nur so aus, wie er heißt. Sein roter Lockenkopf sprüht allem Anschein nach tatsächlich vor Ideen – und für diese brennt er: „Ich bin ganz aufgeregt“, rutscht es ihm in diesen fünfzehn Minuten mehrmals heraus, während sich das „Unfold“ wie von selbst entpackt.

          Dann steht das Klapphaus da – in seiner Grundversion: rund 40 Quadratmeter groß, rund acht Meter lang und mit einer Raumhöhe von drei Metern. Das entpackte Haus wartet mit einem vollausgestatteten Bad auf, auch wenn die Badzelle im Prototyp arg an eine Flugzeugtoilette erinnert. Mehr Luxus gehe aber immer, wenn der Käufer das wolle, sagt der Anbieter. Zudem kommt das mobile Gebäude mit kompletter Küche daher, der Wohnraum lässt sich nach eigenem Gusto möblieren. In den Wänden und Schächten trägt der Bau die gesamte Elektrizität, Heizung, Klimaanlage, Wasserleitungen und W-Lan in sich. So gesehen, muss man auf nichts verzichten, wenn es auf dem Grundstück die nötigen Anschlüsse gibt.

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