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Berlin : Die Karawane zieht weiter nach Köpenick

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Das war einmal: Wo Kodak früher Farbfilme produzierte, entsteht ein Wohnviertel Bild: Kodak

Was in Berlin bis vor kurzem noch als stilles Refugium der einstigen Ost-Elite galt, könnte bald zur schicken Wohnadresse werden: Köpenick bietet reichlich Ufergrundstücke.

          Nein, rauh und heruntergekommen ist sie nicht. Die Industriebrache am Ufer der Spree im Südosten Berlins, gegenüber der Köpenicker Altstadt, sieht beinahe lieblich aus. Wie ein alter Klinikpark erstreckt sich das Werksgelände hinunter zum Wasser. Klinkerhallen stehen da, ehrwürdige Bäume, und am Ufer beschließen zwei schlanke stiftförmige Bauten das Ensemble, als wären sie Leuchttürme. Vorne zur Straße hin produzierte bis vor kurzem der amerikanische Konzern Eastman Kodak Röntgenpapiere, das restliche Areal liegt schon lange ungenutzt brach. Nun hat Kodak das Ufergrundstück verkauft, die letzten Betriebsteile werden umziehen.

          „Der Charakter des Ortes ist einfach herausragend“, sagt Florian Lanz von der Estavis AG, die das Gelände entwickelt. Das Unternehmen will die denkmalgeschützten Hallen und Türme in Wohnhäuser umwandeln. Ein ideales Quartier für Familien sieht Lanz kommen, gehüllt in markante Klinkerfassaden. Folgt man dem jungen Firmenchef durch das Gestrüpp zum Spreeufer, kann man sich dieses Gelände in der Tat als komfortable Wohnadresse ausmalen. Lanz beschwört zudem die besondere Aura des Ortes, denn ursprünglich unterhielt Kodak eine richtige Filmfabrik. In den dreißiger Jahren wetteiferten die Amerikaner von Köpenick aus mit der deutschen Agfa um den Farbfilm. Solch eine illustre Geschichte zieht natürlich für eine Umnutzung. Auch in der DDR ging noch die Filmbranche am Köpenicker Spreeufer ein und aus, wo es ein Kopierwerk und Vorführsäle für Defa-Produktionen gab. Die schillernde Geschichte der Brache lässt sich gut vermarkten, zumal die Anbieter den Käufern noch Steuervorteile verheißen: Bei einer Denkmalsanierung, dem einzig verbliebenen Weg, um dieses Gebiet wieder zu nutzen, bestehen Abschreibungsmöglichkeiten.

          Riesige Spielwiese für Denkmalsanierungen

          Drei Häuser machen den Anfang, sie werden nun entkernt. Bisher seien 20 der geplanten 28 Wohnungen verkauft, heißt es. Alles in allem sollen 230 Eigentumswohnungen auf dem Grundstück entstehen, kündigt Lanz an. Zwischen 3000 und 3400 Euro kostet der Quadratmeter, die meisten Wohnungen werden um die 80 Quadratmeter groß sein. Für Kapitalanleger, die Estavis im Blick hat, ist das die ideale Größe, denn diese Wohnungsgrößen lassen sich eigentlich immer vermieten. Insgesamt sollen 65 Millionen Euro investiert werden. Erstmalig wagt sich damit jemand in Berlin an die Umwandlung einer Fabrik, die weder im Zentrum noch im neu-bürgerlichen Pankow oder etablierten Südwesten liegt, sondern im eher fernen Südosten.

          Bild: F.A.Z.

          Die Entscheidung von Estavis ist jedoch nur auf den ersten Blick verwegen. Denn Beobachter des Berliner Wohnungsmarktes prophezeien den Aufstieg der Wasserlagen im Randbezirk Treptow-Köpenick. Der Bezirk ist reich an solchen Flächen, die häufig wie im Fall von Kodak auf Industriebrachen liegen. Für steuerlich geförderte Denkmalsanierungen ergibt sich eine riesige Spielwiese. „Frühere Gewerbe-Ideen auf diesen Flächen haben sich erübrigt, jetzt lauten die Nachfragen nur noch nach Wohnnutzungen“, sagt Ute Löbel, Leiterin des Stadtplanungsamts. Ihr Büro liegt im backsteinernen Rathaus in der Altstadt von Köpenick, die selbst umgeben ist von Wasser. Über einen Fußgängersteg gelangt man von dort aus auch zur einstigen Kodak-Filmfabrik. Die Amtsleiterin hofft auf die Strahlkraft dieses zentralen Projekts, auf „Mitnahmeeffekte für andere große Brachen“.

          „Vom Rand an den Anfang“

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