Es war ein Sonntagabend im Herbst vor fünf Jahren. Doch Paul Lachmann erinnert sich noch heute, als sei es gestern gewesen. Der Werbezeichner saß gerade mit Freunden bei einem Glas Wein, als der Anruf kam. Zuerst verstand er kaum etwas von dem, was ihm der aufgeregte Anrufer in lautem Italienisch zu vermitteln versuchte: Einbruch, Feuer, Polizei ... kurz: „Catastrofe!“
Das ganze Ausmaß des Unglücks erschloss sich ihm erst ein paar Tage später, als er mit seinem toskanischen Versicherungsvertreter im demolierten und teilweise ausgebrannten Erdgeschoss seines Ferienhauses stand. Der nämlich war im Gegensatz zum Nachbarn, der ihn alarmiert hatte, vollkommen ruhig. „Niente“, nichts, hieß es auf die Frage, welchen Anteil die Versicherung übernehme. Denn ein solcher Vandalismusschaden sei in der abgeschlossenen Police eindeutig ausgeschlossen. Unbekannte hatten sich ein paar Tage zuvor Zutritt verschafft, die Vorräte geplündert und schließlich im Wohnzimmer ein Lagerfeuer gemacht. „Ich war richtig geschockt - und gleichzeitig auch total sauer“, ärgert sich Lachmann immer noch, „denn eigentlich hatte ich gedacht, gut versichert zu sein.“
Nur wenige Policen im Portfolio
Bianca Boss, Referentin beim Bund der Versicherten, kennt das Problem. So wie Lachmann geht es vielen Besitzern von Auslandsimmobilien - und das aus einem sehr einfachen Grund: Obwohl Schätzungen davon ausgehen, dass zwischen 1 und 1,2 Millionen Deutsche Immobilien im Ausland besitzen, interessiert das Thema die Versicherungsbranche kaum. Die Folge: Für Besitzer von Auslandsimmobilien ist es gar nicht so einfach, den richtigen Versicherungsschutz zu finden. „Auch wir können nur bedingt weiterhelfen“, bedauert Boss. Zwar gibt es ganz allgemein Tipps zum benötigten Versicherungsumfang (siehe Kasten). Doch bei der Frage, wo man den herbekommt, wird es schwierig.
Nur ganz wenige Versicherungen haben überhaupt Policen im Portfolio. Beispielsweise die Helvetia oder die Axa Art, die bestimmte Risiken im Rahmen einer All-Risk-Hausratpolice absichert - sich aber allgemein nur an sehr betuchte Kunden richtet. Die einzigen Versicherer, die sich ganz offiziell auf die Fahnen schreiben, auch das kleine Apartment an der Costa Brava abzusichern oder das einfache Häuschen in den Vogesen, sind die Hiscox AG und die R+V Versicherung AG, deren International Desk wiederum mit der Hiscox kooperiert. Ansonsten, weiß Boss, braucht es schon sehr gute Beziehungen zum Stammversicherer, damit in Einzelfällen ein Angebot erarbeitet wird.
Aufwand lohnt sich meist nicht
Und Boss glaubt auch den Grund zu kennen, warum sich die Versicherer so schwer tun. Nicht nur, dass die gesetzlichen und steuerlichen Voraussetzungen überall anders sind und deutsche Versicherer zu Abführung der Mehrwertsteuer einen Steuerrepräsentanten im jeweiligen Land haben müssten. Auch die örtlichen Gegebenheiten differieren oft stark.
„Um für jedes Land richtige Policen anbieten zu können, muss ein enormer Aufwand betrieben werden“, erläutert auch Robert Dietrich, Vorstandsvorsitzender bei der Hiscox. Dietrich erklärt darum das Desinteresse großer Versicherungen auch damit, dass letztlich die Fallzahlen doch zu klein seien. „Für 200 Häuser in Spanien und 150 in Frankreich lohnt sich das nicht.“
Auch sein Haus, räumt Dietrich unumwunden ein, kam eher unfreiwillig zu dem Thema. Zunächst hatte auch Hiscox nur eine sehr hochwertige Haus- und Kunst-Versicherung mit Allgefahrendeckung im Programm. Dann kamen aber immer mehr Anfragen. Darauf wurde das Angebot erweitert, inzwischen zählt das Unternehmen rund 6000 Verträge.
Nichtwissen mit fatalen Folgen
So richtig rumgesprochen allerdings hat sich das in der Versicherungsbranche noch nicht. Fragt man beispielsweise Versicherungsmakler nach Versicherungsschutz für Auslandsimmobilien, sind die Antworten meist wenig erhellend: „Keine Ahnung“, „Damit hatte ich nie zu tun“, „Das ist aber ein komisches Thema“, ... Ein Nichtwissen mit fatalen Folgen - für die Betroffenen. „Denn in der Praxis heißt das nicht anders, dass viele falsch versichert sind“, erklärt Peter Schöllhorn von der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien. Die meisten Eigentümer allerdings versuchen auch erst gar nicht, das Thema zu verstehen, sondern halten sich an die Empfehlungen der Immobilienmakler - und da kennt fast jeder einen Versicherungsvertreter vor Ort. „Im schlimmsten Fall“, führt Schöllhorn aus, „wird eine Police unterschrieben, die der Käufer gar nicht richtig versteht.“ So wie bei Paul Lachmann.
Der Rat des Fachmanns ist darum auch eindeutig: Erstens das Thema nicht auf die leichte Schulter nehmen. Und zweitens: Nicht so sehr auf den Preis, schauen, sondern auf die gemeinsame Sprache. Bianca Boss vom BdV geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie rät überhaupt nur zu deutschen Anbietern, die dann den gesamten Vorgang in Deutsch abwickeln.
Schöllhorn hebt jedoch ausdrücklich hervor, dass dies nur dann hilfreich ist, wenn der deutsche Versicherer wirklich international aufgestellt ist und die Gegebenheiten vor Ort genau kennt. Bei R+V und Hiscox ist das der Fall und hat eindeutige Vorteile, die die Auslandsspezialistin Enza Leone, Ansprechpartnerin im International Desk der R+V so beschreibt: „Den Kunden erwartet eine Police nach deutschem Recht und in deutscher Sprache. Der Jahresbeitrag wird von einem deutschen Bankkonto abgebucht. Schadenregulierung nach deutschem Standard und mit deutschen Ansprechpartnern an 365 Tagen im Jahr.“
Versicherer vor Ort suchen
Schließen dagegen deutsche Versicherungen Policen aus reiner Gefälligkeit ab, rät Schöllhorn zur Vorsicht. Denn die können ebenfalls Tücken haben. Oft nämlich treffen die deutschen Vertragsbedingungen einfach nicht die Realität oder schließen ebenfalls wichtige Risiken aus. In Spanien beispielsweise werden Schäden durch Terrorismus, Überschwemmung, Erdbeben und Sturm aus einem Fonds, dem „Consorcio de Compensación de Seguros“, entschädigt. Profitieren können aber nur Hausbesitzer mit einer spanischen Versicherung, denn nur die hat vorab Gelder in den Fonds abgeführt. Da deutsche Versicherer nicht beteiligt sind, gehen im Fall des Falles auch ihre Versicherten leer aus.
Hier ist es laut Schöllhorn, dann die bessere Alternative, einen Versicherer vor Ort zu suchen, mit dem aber dennoch weitgehend auf Deutsch korrespondiert werden kann. Vor allem in den bekannten Urlaubsregionen, so Schöllhorns Erfahrung, sei es nicht unmöglich, Versicherungsvertreter zu finden, die deutsche Übersetzungen ihrer Verträgen haben und die Abwicklung in Deutsch garantieren.
Steht das Haus abseits der Touristengebiete, sollte in jedem Fall selbst eine Übersetzung oder eine rechtliche Prüfung der Policen in Auftrag gegeben werden. Wer Mitglied in der Schutzvereinigung ist, wirbt Schöllhorn, erhalte diese kostenlos. „Aber auch ansonsten lohnen sich die Kosten im Ernstfall immer.“
Der richtige Versicherungsschutz für Immobilien im Ausland
Die Wohngebäude-Versicherung: In fast allen Urlaubsländern ist eine Wohngebäude-Versicherung ohnehin Pflicht. Sie versichert in der Regel Feuer, Leitungswasser, Sturm und den Diebstahl von Gebäudebestandteilen. Zusatzrisiken wie Vandalismus, Erdbeben oder Hochwasser müssen meist gegen Aufpreis speziell eingeschlossen werden oder sind sogar ganz ausgeschlossen.
Die Haus- und Grundbesitzer- Haftpflicht: Diese wird umso wichtiger, je weniger die Immobilie bewohnt ist. Wer nur ein paar Wochen im Jahr vor Ort ist, bekommt oft gar nicht mit, wenn sich Dachziegel lösen oder Bäume umfallen. Tritt dann ein Schadensfall ein, kann es teuer werden.
Wer vermietet, muss unbedingt klären, ob dies durch die private Haftpflicht gedeckt ist - und im Zweifel erweitern.
Außerdem sinnvoll:
Eine Hausratversicherung: Zumindest dann, wenn einigermaßen wertvolles Inventar vorhanden ist. Achtung: unbedingt angeben, wie oft das Haus bewohnt ist.
Rechtsschutzversicherung: Sie ist nicht zwingend notwendig, kann bei der Abwicklung von Schadensfällen jedoch sehr hilfreich sein.
Tipp: Ausführliche Informationen zur Suche nach der richtigen Versicherung sind in der Informationsbroschüre „Sicherheit und Versicherungen für Auslandsimmobilien“ zu finden. Zu beziehen über die Deutsche Schutzgemeinschaft Auslandsimmobilien e.V., http://www.dsa-ev.de/
In Spanien
Alexander vom Hofe (munatak)
- 20.09.2011, 13:14 Uhr
