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Der Wohn-Knigge : Die Ästhetik des Rudels

  • -Aktualisiert am

Ensemble statt Solitär Bild: Imago

Accessoires gekonnt im Raum zu arrangieren, hat so seine Tücken. Einzelne Stücke sehen schnell verloren aus. Richtig schön wirkt es erst, wenn Dinge zueinander in Beziehung treten.

          Gerade kam wieder eine Kundin mit einem wirklich hübschen Keramikteller aus Griechenland: Weißer Rand, grauer Grund wie aus Rochenhaut. Und darauf kunstvoll gemalt zwei rote Fische. Alles in Handarbeit gemacht, eine kleine Kostbarkeit. Noch dazu mit einer Öse auf der Rückseite, um ihn an die Wand zu hängen.

          „Jetzt hängt der Teller bei mir in der Küche“, sagte sie, „aber er sieht längst nicht so schön aus wie in dem kleinen Geschäft. Warum ist das so?“ Ich habe sie gebeten, mir das Geschäft zu beschreiben und wie der Teller dort präsentiert war. Es war, wie ich vermutet hatte: Der Teller hing dort nicht allein. Er war gruppiert mit weiteren Tellern im gleichen Design, in unterschiedlichen Größen und mit Fischtellern in andern Farben (natürlich auch noch auf einer farbig passenden Wand). Die Kundin hatte einen Teil eines Arrangements gekauft. „Eines ist keines“, waren meine Worte, und dass sie das nächste Mal mindestens drei Objekte mitnehmen müsse. Ich sehe das oft, wenn ich zur Einrichtungsberatung komme: Ein Erinnerungsstück ist in der Wohnung prominent plaziert. Es hat eine Geschichte, die ich als Besucher aber nicht kenne. Und es hat keine Beziehung zum Rest der Einrichtung. Es wirkt verloren. Nichts gegen Einzelstücke. Ein Solitär steht für sich. Er braucht Raum und Größe. Dem Pariser Eiffelturm möchte niemand ein Pendant gegenüberstellen. Auch ein Obelisk in seiner originalen Schwere und Größe verträgt kein Gegenüber. Obelisken sind wundervolle Accessoires. Nur: Ein kleiner Obelisk in einer Wohnung, als klassisches Zitat, vielleicht auf einem Kaminsims, wirkt leicht deplaziert. Irgendwie hingestellt. Allein, einsam. Er braucht einen zweiten. Das kann eine spannende Symmetrie ergeben, denn Dinge treten zueinander in eine Beziehung.

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          Aber was tun, wenn es eben nur dieses eine Stück gibt? Dann machen Sie aus einem viele. Gesellen Sie Gegenstände dazu, die aus dem gleichen Material gemacht sind, die aus dem gleichen Farbspektrum kommen oder die eine ähnliche Formensprache haben. Schon ist es ein Arrangement.

          Ein anderes Beispiel: Stellen Sie sich einen Esstisch vor, im klassischen Format von 90 mal 180 Zentimetern. Wir stellen eine Rose in einer Vase in die Mitte. Sie wirkt verloren, einsam. Zwei Rosen in zwei Vasen wirken ernst und streng. Drei Rosen in drei Vasen wirken völlig anders. Wir sehen eine Reihe. Oder ein Dreieck. Wir sehen Gegenstände, die in Beziehung zueinander treten. Das Auge hat Spielraum, das Gehirn fängt an, Verbindungen herzustellen.

          Bildpaare funktionieren bei ähnlichen Motiven

          Das Gleiche entsteht, wenn Sie Bilder aufhängen. Ein großformatiges Bild an der Wand duldet kaum ein anderes neben sich – auch wenn es hier ganz gezielt gesetzte Ausnahmen gibt. Ein großes Format kann durch vier oder sechs kleine an seinen Seiten eine schöne Ergänzung bekommen.

          Ein Bildpaar kann funktionieren, wenn es ähnliche Motive sind, gleiche Größen, im besten Fall von einem Künstler. Legendäres Beispiel: Andy Warhols Campbell’s Suppendosen.

          Und was haben Sie? Einen Stapel Bilder vielleicht; alte und neue. Fotos und Drucke. Privates, Gekauftes. Vielleicht ein Original. Hier gilt die einfache Regel: Gruppieren Sie, arrangieren Sie. Familienfotos in einer Gruppe erzählen von Menschen. Urlaubsfotos erzählen von Sehnsucht und Fernweh. Und wenn Sie zwanzig kitschige Sonnenuntergänge haben, probieren Sie es aus: Hängen Sie einen in Ihr Schlafzimmer, und Sie werden sehen, dass einer keiner ist. Alle zwanzig zusammen können ein Kunstwerk sein. Selbst Bilder mit unterschiedlichen Inhalten, Farbstellungen und Formaten können Sie zusammen aufhängen. Mit der nur scheinbar zufälligen „Petersburger Hängung“ erreichen Sie Spannung statt Chaos. Ordnung in der Unordnung. Arrangement statt Zufall.

          Barbara Schütte ist Inhaberin von „Das Stilhaus“ in München.

          Quelle: F.A.S.

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