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Herrenhäuser : Adelssitz sucht Perspektive

Die Lage ist alles: Auch Adelssitze finden schneller Käufer, wenn wie beim Herrenhaus Altfresenburg die nächste Stadt nicht weit ist. Bild: Engel & Völkers / Arnt Haug

Das Geschäft mit Schlössern und Herrenhäusern blüht. Doch vielen Käufern wird der Prachtbau alsbald zur Last. Dabei können Kreativität und Langmut ein kleines Budget wettmachen.

          Wohnen im Schloss klingt nach Kleinmädchentraum. Nach Prinzessin spielen und einem Leben in Rosarot. Man stelle sich vor: Statt durch die Haustür betritt man das Heim durch ein stattliches Portal. Das Wohnzimmer: ein Spiegelsaal, und draußen erstreckt sich die Parklandschaft mit ihren herrlich hohen alten Bäumen. Den vermeintlichen Mädchenwunsch hegen offenbar auch gestandene Männer. Unternehmer um die fünfzig, sagt Christoph von Schenck, seien keineswegs untypisch für jene Kunden, die mit einem Leben als Schloss- oder Gutsherr liebäugelten. Von Schenck vermittelt für das Maklerhaus Engel & Völkers Adelssitze aller Art. Und die, sagt er, verzeichneten eine hohe Nachfrage bei Anlegern wie Privatnutzern.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit einem jährlichen Transaktionsvolumen von zirka 50 Millionen Euro handelt es sich zwar um einen Nischenmarkt, der aber ist lukrativ. Die Preisspanne der am erfolgreichsten vermittelten Nobelimmobilien liege immerhin zwischen 800 000 und 3 Millionen Euro, heißt es bei von Poll Immobilien in Frankfurt. Vor allem bei den Privatnutzern sei das Interesse deutlich gestiegen. Sie nutzten die exklusiven Anwesen als Wochenenddomizil und Zweitwohnsitz auf dem Land. Gefragt sind: Gebäude in sehr gutem Zustand mit großzügigem Grundstück von mindestens einem Hektar. Die Anbindung an eine Metropole spielt eine große Rolle. „Die Immobilie sollte nicht mehr als 100 Kilometer von einer Großstadt entfernt liegen“, präzisiert man bei von Poll. Dann könnten die Bewohner auch zum Arbeiten noch in die Stadt pendeln.

          Bloß keine Bruchbude

          Was Käufer an den noblen Häusern reizt, sind zwei Dinge. Erstens ihre Schönheit: „Adelssitze heben sich einfach vom grauen Einerlei ab, das heute gebaut wird“, sagt von Schenk. Neben ihrem realen Wert spielt der immaterielle Aspekt eine große Rolle. Zweitens ihre Historie: An Geschichte anknüpfen, Traditionen bewahren und fortführen verleiht den Käufern ein gutes Gefühl. Wer ein Baudenkmal kauft, saniert und wiederbelebt, genießt Anerkennung als Mäzen: im Dorf, in der Umgebung, bei den Behörden.

          Doch mancher Möchtegern-Schlossherr will nach kurzer Zeit nur noch eins - den „Kasten“ wieder loswerden, weil sich der Aufwand, ihn in Schuss zu bringen, als zu groß erweist. „Das Gottschalk-Schloss in toller Lage am Rhein, das mit ordentlicher Wertsteigerung verkauft wird, ist ja die Ausnahme“, stellt die Präsidentin der Deutschen Burgenvereinigung, Barbara Schock-Werner, klar. „Die meisten Anlagen sind abgelegen und für modernes Wohnen nicht geeignet.“ „Schlösser hat man zum Repräsentieren, nicht zum Wohnen gebaut, wieso sollten die im 21. Jahrhundert plötzlich für diesen Zweck taugen?“, bläst auch Helmut-Eberhard Paulus, Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, in das Horn jener, die enthusiastisch Käufer vor einer Fehlinvestitionen warnen.

          Wer ein Baudenkmal kauft, darf mit Wohlwollen rechnen

          Aus gutem Grund. Die Mahner kennen unzählige Fälle, in denen die herrschaftlichen Baudenkmäler alle paar Jahre den Besitzer wechseln - und mit der Zeit immer weiter verfallen. Viele der alten Gemäuer werden zu einem scheinbaren Spottpreis angeboten, doch die Folgekosten sind in der Regel gewaltig. „Es ist eine Binsenweisheit, aber viele Leute legen sich ein Schloss oder Herrenhaus zu, ohne vorher eine Sanierungsanalyse zu machen“, spricht Stiftungsdirektor Paulus aus Erfahrung. Ohne die aber weiß man weder, welche Baumaßnahmen notwendig sind, noch, auf welche Weise man dieses außergewöhnliche Gebäude nutzen kann. „Ein Schloss ist nun mal kein Reihenhaus und keine Villa“, betont der Denkmalpfleger.

          Wie Paulus weist Makler von Schenck, der ausdrücklich hervorhebt, dass sein Unternehmen „aus gutem Grund keine Bruchbuden vermittelt“, darauf hin, dass jeder historische Adelssitz ein individuelles Konzept verlange. „Wenn einer nach Schema F an ein solches Vorhaben rangeht, kann das nichts werden“, formuliert Paulus.

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