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Wärmedämmung Dämmen, was das Zeug hält

Dicke Isolierschichten helfen, den Heizenergieverbrauch zu senken. Nur darf man beim Einbau niemals schludern. Ob „solare Gewinne“ durch das Dämmen vereitelt werden, bleibt umstritten.

© Getty Images Vergrößern Zweite Haut: Aufgeklebte Dämmstoffplatten wirken wie ein Mantel

Dank „solarer Gewinne“ mussten die Raubritter des Mittelalters in ihren Burgen nie ernsthaft frieren. Während der Sommermonate heizten sich die dicken Mauern ihrer massiven Behausungen so stark auf, dass es selbst im tiefsten Winter in den Räumen selten kälter als 14 bis 16 Grad wurde. Keine wirklich kuschelige Atmosphäre, wenn man an die heute vom Gesetzgeber für Mietwohnungen vorgeschriebenen 18 bis 21 Grad denkt. Doch der Ritter war zufrieden, holte er sich doch auf keinen Fall Frostbeulen. Er musste jedoch zuheizen. Offene Holzfeuer in riesigen Kaminen erwärmten ihn und sein Burgfräulein vorderseitig. Regelmäßige Wendemanöver waren angesagt, wollten die Rittersleut Rheumaschmerzen vermeiden.

Niemand wünscht diese Wohnverhältnisse zurück, doch steht das Nutzen besagter solarer Gewinne weiter hoch im Kurs. Wer heute neu baut, achtet tunlichst auf die Ausrichtung seiner Immobilie. Geschickterweise plaziert er sein Häuschen so, dass die Wohnräume nach Süden und Westen weisen. Große Fensterfronten (die sich im Sommer verschatten lassen) helfen beim Heizen mit der kostenfreien Sonnenwärme. Inwieweit dazu auch die Mauern beitragen, ist umstritten. So wird immer mal wieder die Meinung vertreten, dass man das begehrte solare Zuheizen über die Mauern mit vorgehängten Dämmplatten systematisch vereitele. Mitunter heißt es gar, Wärmedämmung koste nur und erhöhe den Aufwand fürs Heizen. Mit der Stärke der Dämmplatten steige der Verbrauch an Öl und Gas, wird verkündet.

Je stärker die Dämmung, desto wichtiger die Lüftung

Das sei alles falsch, sagt Professor Gerd Hauser vom Fraunhofer-IPB-Institut für Bauphysik. Für ihn nicht nachvollziehbar würden immer wieder Ergebnisse einer an seinem Institut erstellten Untersuchung aus den achtziger Jahren über die „Auswirkungen der Strahlungsabsorption von Außenwandoberflächen und der Nachtabsenkung“ völlig schief wiedergegeben. So gebe es in der besagten Studie keinerlei Hinweise auf den „kontraproduktiven Nutzen von Außendämmung“, schreibt Hauser in einer Stellungnahme. Dämmen, so der Bauphysiker, sei unbestritten der beste Weg, die durch das Verbrennen von Öl und Gas teuer erkaufte Wärme im Gebäude zu halten.

Zwar sei richtig, dass sich eine sonnenbeschienene Wand erwärme, aber der überwiegende Teil dieser Wärme verlasse die Mauer wieder in Richtung „kalte Seite“. Und die liege nun einmal außen. Über den Daumen kalkuliert, so Hauser, komme weniger als zehn Prozent der von einer Mauerwand aufgesaugten Sonnenwärme innen im Gebäude an. Wer also sein Haus dämmt, macht grundsätzlich nichts falsch. Doch Vorsicht. Ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht, und bei Neubauten hält sich der Handlungsspielraum in Grenzen. Um die heute gern geforderten Niedrigst-Energiestandards zu erreichen, muss (nicht nur) ordentlich gedämmt werden.

Denn je stärker gedämmt wird, um so dringender verlangen Niedrigenergiehäuser eine Lüftungsanlage, mit der die vor allem beim Kochen und Baden (Duschen) anfallende Feuchtigkeit aus dem Haus geschafft wird. Auch hat sie die Aufgabe, die in der warmen „Abluft“ enthaltene Energie an die der Immobilie zugefächelte Frischluft zu übertragen. Alles in allem kein leichtes Unterfangen, hängt das Funktionieren dieses Konzepts doch wesentlich vom Verhalten der Nutzer ab.

Amortisationszeiten von bis zu 20 Jahren

Wer an kalten Wintertagen länger bei geöffneter Eingangstüre mit dem Briefträger oder dem Nachbarn plaudert, läuft Gefahr, dass die Raumtemperatur in den nächsten zwei, drei Tagen nur sehr langsam wieder ein wohliges Niveau erreicht. Durchaus kein Einzelfall, wissen wir doch von Niedrigenergiehausbewohnern, die in solchen Situationen gern den Backofen anwerfen. Und zwar, um die Raumluft zu erwärmen. Denn „richtige“ Heizungen haben diese Häuser nicht mehr. Anders sieht es bei Altbauten aus. Hier ist der Öl- oder Gaskessel eine von drei Stellschrauben auf dem Weg zu einem geringeren (Heiz-)Energieverbrauch, arbeiten doch moderne Brennwertgeräte deutlich sparsamer.

Als weitere Option bietet sich das Tauschen der Fenster an, zudem kann der Besitzer ans Dämmen seiner Immobilie denken. Alles zusammen ein teurer Spaß, so dass man bei begrenztem Budget mit derjenigen Maßnahme beginnen sollte, die sich am schnellsten rechnet. Und das ist sicherlich nicht das Dämmen, muss man hier doch mit Amortisationszeiten von bis zu 20 Jahren rechnen, während sich ein neuer Kessel deutlich schneller bezahlt macht. Doch das ficht die deutschen Bauherren nicht an. Sie dämmen, was das Zeug hält.

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