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Vermögensbildung : Zum Sparen verdammt

Der beste Weg zu erfolgreichem Vermögen ist erfolgreiches Unternehmertum - dann ist auch eine Villa wie diese hier in Frankfurt drin Bild: Felix Schmitt

Trotz hoher Einkommen hinken die Deutschen mit ihrer Vermögensbildung in Europa hinterher. Der Grund: Die Deutschen zahlen Miete, die anderen ihre Häuser ab. Das zwingt zum Sparen - und baut Vermögen auf.

          Der Blick ins Schaufenster des Frankfurter Maklers bietet für jeden etwas: Gut Betuchte dürfen vom „repräsentativen Villenanwesen mit großzügigem Parkgrundstück“ für 1,8 Millionen Euro träumen. Andere könnte die „schicke Doppelhaushälfte“ für 400.000 Euro interessieren. Für den kleinen Geldbeutel gibt es „drei sonnige Zimmer“ für 115.000 Euro.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christoph Schäfer

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Auch in der Realität erfüllen sich immer mehr Deutsche den Traum von den eigenen vier Wänden. Nach Angaben des Bundesbauministeriums wohnten in Deutschland vor 20 Jahren lediglich 38,7 Prozent aller Haushalte in der eigenen Immobilie. Die Europäische Zentralbank (EZB) kommt in ihrer diese Woche veröffentlichten Studie immerhin auf 44,2 Prozent. Im Vergleich mit den anderen Eurostaaten haben die Deutschen trotzdem den größten Nachholbedarf. Der EZB-Erhebung zufolge wohnen im Währungsraum im Durchschnitt sechs von zehn Bürgern im eigenen Heim. Spitzenreiter sind die Slowakei und Spanien, wo 90 beziehungsweise 83 Prozent der Haushalte ihr eigener Vermieter sind.

          Stadtplanerin Melanie Kloth von der NRW-Bank begründet die hohe Mieterquote in Deutschland mit dem großen und qualitativ guten Angebot an Mietwohnungen hierzulande. Auch der hochentwickelte rechtliche Schutz der Mieter trage dazu bei. Zusätzlich bremsten die mit oft mehr als 10 Prozent im internationalen Vergleich sehr hohen Kaufnebenkosten für Makler, Notar und Grunderwerbssteuer den Drang ins eigene Heim. Nicht zuletzt verstärke der hohe und damit teure Baustandard in Deutschland die Tendenz, dass Eigentum wenn überhaupt „erst relativ spät im Leben“ erworben werde.

          Die meisten Deutschen zahlen Miete

          Die niedrige Eigentumsquote hierzulande wirkt sich spürbar auf das Volksvermögen aus. Die EZB-Studie weist für Deutschland ein Medianvermögen je Haushalt von 51.000 Euro aus. Dies bedeutet, die Hälfte der deutschen Haushalte besitzt nach Abzug der Schulden weniger als 51.000 Euro, die andere Hälfte mehr. In keinem anderen Euroland ist der Wert so niedrig. Im Euroraum-Durchschnitt liegt er bei 109.000 Euro. In Luxemburg beträgt er knapp 400.000 Euro, auf Zypern 267.000 Euro. Auch in Spanien (183.000 Euro), Italien (174.000 Euro) und Frankreich (116.000 Euro) liegen die Werte deutlich höher als in Deutschland. Auffallend ist ferner eine enorme Ungleichverteilung der Vermögen in Deutschland, die so ausgeprägt ist wie nirgends sonst in Europa. Nur in Österreich ist die Lage ähnlich, dem Land mit der zweitniedrigsten Immobilienbesitzerquote. Dabei gehören beide Länder nach den Einkommen der Bevölkerung zur Spitzengruppe in Europa. Mehr als die Deutschen verdienen im Euroraum nur die Menschen in Finnland und den Benelux-Staaten. Die wesentlich reicheren Spanier, Italiener und Franzosen verdienen deutlich weniger.

          Der entscheidende Unterschied für die Vermögensbildung ist die Verwendung der Einkommen: die meisten Deutschen zahlen Miete, die anderen Europäer zahlen ihre Häuser ab und bauen so Vermögen auf. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Vermögensaufbau und Eigentumserwerb nicht zwangsläufig. Auch Mieter könnten zu vergleichbaren Vermögen kommen. In einer Studie zu „Mietwohnungsmarkt und Wohneigentum“ führt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) aus, dass Mieten und Selbstnutzung einer Immobilie gleich viel kosten. Die Preise für Immobilien und die Kaltmieten würden durch Angebot und Nachfrage bestimmt, „ sodass sich die Preise für beide Nutzungsformen ausgleichen“. Wenn der Vermieter ein Haus teurer kaufen muss, wird er auch mehr Miete verlangen.

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