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Umnutzung Mit dem Oldtimer zur Hotelrezeption

10.02.2012 ·  Die Umnutzung alter Industriebrachen ist populär. Aber auch sie erfordert inzwischen spezielle Lösungen - zum Beispiel als Oldtimer-Zentrum.

Von Jürgen Dunsch, Horgen bei Zürich.
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Vor wenigen Jahren arbeiteten in der Webmaschinenfabrik Grob noch 700 Menschen. Deren Arbeitsplätze befinden sich heute in Tschechien. Die großen Hallen in dem Gebäude nahe dem Zürichsee sind leer. Fast. Gleich am Eingang stehen ein silbern glänzender und zu einer Bar umgebauter Wohnwagen sowie eine Sitzgruppe und einige Schautafeln. Ein Stück weiter ein Jaguar E, der jeden Freund alter und schöner Autos begeistert. Er gehört Martin Halder und soll für das weitläufige Areal eine neue Zeitrechnung einläuten. Der Inhaber der Meilenwerk AG will in Horgen unweit von Zürich ein Oldtimer-Zentrum erstellen, dies ähnlich wie bei Stuttgart und bald auch in Hamburg, aber mit 50 Prozent mehr Fläche und zusätzlichen Angeboten.

Die börsennotierte Mobimo AG, die Eigentümerin der Immobilie, empfindet den Deutschen als Glücksfall. Sie hatte die Liegenschaft im Herbst 2005 erworben. Die Voraussetzungen für neues Leben in den Werkshallen waren günstig: Land ist in der kleinen Schweiz allgemein knapp, die Lage am See (allerdings auch mit einer Bahnlinie vor den Fenstern) verlockend und die Verkehrsanbindung über Straße und Schiene wie maßgeschneidert. „Wir hätten die Fabrik abreißen und Wohnungen bauen können“, sagt Peter Grossenbacher von Mobimo. Aber in diesem Fall hätte der Raum weniger intensiv genutzt werden dürfen. Der architektonisch interessante Fabrikbau bleibt, und Mobimo kann weiterhin die Sonderkonditionen nutzen, die einst dem ortsansässigen Unternehmer zugunsten der Arbeitsplätze eingeräumt wurden.

Verdichtetes Bauen ist Trumpf

Dessen ungeachtet ist verdichtetes Bauen heute Trumpf in der Schweiz. Damit soll die Zersiedelung eingedämmt werden. Dem Kampf gegen den Landverbrauch dient auch die Umnutzung von Industriebrachen. Zusammengenommen ergeben sie immerhin eine Fläche in der Größe von Genf. Immobilienexperte Claudio Saputelli von der Großbank UBS nennt die Vorteile für Investoren: Man hat in der Regel höhere Ausnutzungsziffern, kann relativ schnell bauen und profitiert vom Goodwill der Gemeinden, die sich eine Belebung des Ortsbildes erhoffen.

Nur wenige Objekte präsentieren sich so schön wie Grob mit der Seelage. Dennoch musste Mobimo genau überlegen. Nur für Lofts zum Wohnen war die Immobilie fast zu groß. Büros können auch woanders stehen. Eine Mischnutzung wäre denkbar gewesen, ein reines Einkaufszentrum weniger. Shopping Center schießen in der Schweiz fast wie Pilze aus dem Boden. Im nahe gelegenen Sihlcity, ebenfalls einem früheren Fabrikareal, zeigte sich, dass im Wesentlichen nur Ladenketten bereit und fähig sind, die Anfangsverluste zu stemmen. So gesehen, kam Halder wie gerufen. Er offerierte mit seinem „Forum für Fahrkultur“ einen Fach- und Dienstleistungsmarkt der besonderen Art.

Auch in alten Industriearealen tut offenbar Differenzierung Not, soll nicht bald zu viel vom Ähnlichen in der Landschaft stehen. Das Konzept des Meilenwerks gründe auf „nachhaltigen Hedonismus“, sagt Halder in seiner saloppen Art. „Was wir machen, braucht eigentlich kein Mensch. Vielleicht ist es deshalb so erfolgreich“, schiebt er nach. Wird das Zentrum zu groß? Es mag nicht unbedingt notwendig sein für eine Gemeinde, auf Widerhall dürfte es dennoch stoßen. Die Region Zürichsee weist neben London die höchste Oldtimer-Dichte in Europa auf, hat Halder herausgefunden.

Aufzüge für Autos

Das Projekt zeigt alles, was man vom Meilenwerk kennt: Glaskästen, in denen die Besucher die alten oder zumindest edlen Autos betuchter Landsleute bestaunen können, ein Restaurant und ein Design-Hotel, dazu Fahrzeughändler und Werkstätten. Der Umbau des 230 Meter langen Gebäudes mit fünf Geschossen soll 28 Millionen Euro kosten. Der Baubeginn ist zur Jahresmitte geplant. Halder ist Generalmieter für zunächst 20 Jahre. Er hofft auf 350 000 Besucher im Jahr ebenso wie die 35 bis 40 Mieter, welche die 18 000 Quadratmeter Mietfläche bevölkern sollen.

„Hier entsteht kein Museum, sondern ein lebendiger Ort für Jung und Alt und dies ohne Eintritt“, schwärmt Halder. Auf einem Rundgang weisen er und der Mobimo-Mann auf die Symbiosen zwischen der alten Fabrik und dem neuen Auto-Treffpunkt hin. Die alten Lastenkräne sollen das Zentrum architektonisch bereichern. Die breiten Fenster bieten die große Seesicht. Mit den Fabrikaufzügen können auch die Autos in die oberen Stockwerke befördert werden. Und trotz der 300 Fahrzeuge und der Geschäfte ist ganz oben noch Platz für eine 600 Quadratmeter große Eventfläche. Die ehemalige Maschinenfabrik verheißt zwei zusätzliche Angebote. In den 3500 Quadratmeter großen Kellerräumen will Halder „Auto-Tresore“ anbieten. Er hat nämlich gehört, dass viele Oldtimer-Fans nicht wissen, wo sie ihre PS-Lieblinge sicher parken können. Und wer sich als Gast vorher anmeldet, kann mit seinem mindestens 30 Jahre alten Schmuckstück an der Hotelrezeption vorfahren und es dort in einen der Glaskästen stellen. Halder hätte gerne eine Zufahrtsmöglichkeit bis vor die Zimmer geboten. „Aber da hatte der Brandschutz etwas dagegen“, sagt er.

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Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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