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René Benko Immobilienjongleur ohne Risikoscheu

Mit dem Berliner Kaufhaus KaDeWe und 16 weiteren Karstadt-Häusern erweitert die österreichische Immobiliengesellschaft Signa ihr Portfolio kräftig. Ihr Inhaber, der wegen Korruption verurteilte Investor René Benko, zeigt ungebrochenen Willen zum Wachstum.

© AFP Vergrößern Gehört jetzt der Signa Holding: das KaDeWe in Berlin.

Es muss nicht der Kaufhof sein. Das KaDeWe tut es auch. So lässt sich der jüngste Coup des österreichischen Immobilieninvestors René Benko auslegen. Im Dezember kam Benkos Unternehmensgruppe Signa überraschend zum Zug beim Berliner Luxuskaufhaus. Benko kaufte die Flaggschiffimmobilie und sechzehn weitere Warenhäuser von der Investorengruppe Highstreet, an der unter anderen die amerikanische Großbank Goldman Sachs beteiligt ist.

Michaela Seiser Folgen:  

Das Unternehmen hat für die Häuser nach eigenen Angaben insgesamt mehr als 1,1 Milliarden Euro gezahlt. Nähere Angaben macht das Unternehmen dazu nicht. Für Benkos Portfolio ist der Neuerwerb eine Abrundung. Vor einem Jahr war er auch interessiert am Erwerb des Kaufhof. Doch Metro als Eigentümer legte die Veräußerung auf Eis. Mit einem Investitionsvolumen von 5,5 Milliarden Euro gehört Signa nun zu den führenden Immobiliengesellschaften in Zentraleuropa.

Rasanter Aufstieg eines Schulabbrechers

Das Unternehmen ist der größte private Eigentümer von Immobilien in der Wiener Innenstadt. Seit 2008 hat sich sein Portfolio mehr als verdoppelt. Seine Gruppe hat in dieser Zeit Immobilien gekauft, die seit hundert Jahren erstmals den Besitzer gewechselt haben. Entsprechende alte Gebäude werden von Signa in der Wiener Innenstadt im Zuge der Gestaltung einer Luxusmeile genutzt.

Aber auch die Konzernzentrale der Deutschen Börse AG in Eschborn bei Frankfurt gehört mittlerweile dem Österreicher. Ebenso hatte Signa das Münchner Traditionskaufhaus Oberpollinger sowie weitere Karstadt-Immobilien erworben. Seit dem jüngsten Karstadt-Zukauf mit dem Flaggschiff KaDeWe hat er in Deutschland mittlerweile sogar mehr als die Hälfte seines Portfolios investiert. Deutschland sei operativ und strategisch bedeutend im Konzern. Zum einen gibt es in Düsseldorf einen geschlossenen Immobilienfonds für Privatanleger, zum anderen in München mit der Signa Real Estate Capital Partners ein entsprechendes Vehikel für institutionelle Anleger. An der 2000 gegründeten Signa Holding hält Benko gut 50 Prozent. Den Rest der Anteile kontrolliert seit vier Jahren der griechische Reeder George Economou. Namhafte Berater finden sich im Beirat der Signa Holding, darunter Wendelin Wiedeking, ehemaliger Vorsitzender der Porsche Automobil Holding SE.

Rene Benko - der Vorstandsvorsitzende des Wiener Immobilieninvestors Signa Holding stellt sich den Fragen von Michaela Seiser © Godany, Jacqueline Vergrößern René Benko

Benkos rasanter Aufstieg begann als Schulabbrecher. Schon in Teenagerjahren hat der gebürtige Tiroler begonnen, Dachböden sanierungsbedürftiger Häuser auszubauen. Bald danach gründete er sein erstes Bauträgerunternehmen. Teil des Startkapitals von ein paar hunderttausend Euro war damals der Veräußerungserlös des von Prominenten gerne frequentierten Gesundheitshotels Lanserhof in seiner Heimat, das er zuvor billig erworben hatte.

Viele Erfolge, aber auch Schlappen

Benko hat zunächst Ärztezentren an verschiedenen Standorten errichtet. Großprojekte wie der Neubau des Innsbrucker Kaufhauses Tyrol, seine Lieblingsimmobilie, sowie das BIGG Outlet Center Parndorf - eines der größten Fabrikverkaufs-Einkaufszentren in Europa - folgten. Aus dem Einmannbetrieb ist eine Gruppe mit mehr als hundert Mitarbeitern geworden. Dass Signa gerne hohe Preise zahlt, die deutlich über dem Markt liegen, sei durch den Mehrwert gerechtfertigt, der anschließend geschaffen werde, argumentiert Benko.

Ungeachtet der vielen Erfolge hat der 35 Jahre alte Unternehmer auch Schlappen erlitten. Im vergangenen November wurde Benko in einem Korruptionsstrafprozess nicht rechtskräftig zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Benko wird ein Interventionsversuch in einer Steuersache in Italien über den kroatischen ehemaligen Premierminister Ivo Sanader vorgeworfen. Die Richterin sprach in ihrer mündlichen Urteilsbegründung von einem „Musterfall für Korruption“. Benko bestreitet dies. Seinen Angaben zufolge hat sich das Urteil nicht negativ auf die Geschäfte ausgewirkt. Er selbst sieht die Signa-Gruppe bestens aufgestellt mit einem Eigenkapitalanteil von mehr als 70 Prozent. Er behauptet, Bankkunde mit bester Kreditwürdigkeit zu sein. Dass bei Immobiliengesellschaften die Bonität letztlich stark von der Bewertung des Portfolios abhängt, ist in den zurückliegenden Jahren vielen Anlegern schmerzlich bewusstgeworden. Indes konnte eine Anleihe von 150 Millionen Euro für Signa im vergangenen Herbst nicht einmal zur Hälfte plaziert werden; der Rest musste über Kredit finanziert werden und soll in den kommenden Monaten ausgegeben werden. Benko argumentiert, dass die Anleihe wie geplant plaziert worden sei. Ein Teil der Anleihe werde - wie vorgesehen - von der Signa-Gruppe für Zwecke einer späteren Vermarktung gehalten. Es gebe nur wenige Unternehmen, die in der Lage sind, eine Anleihe mit einer zehnjährigen Laufzeit und einem Zinssatz von 4,5 Prozent zu plazieren - „wir gehören dazu“.

Quelle: F.A.Z.

 
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