13.09.2008 · Beim Kauf einer Immobilie spielt Nachhaltigkeit selbst unter den deutschen Fachleuten noch keine Rolle. Das ergibt eine Studie von Ernst & Young. Aber grüne Gebäude gewinnen an Bedeutung. Und das Ökosiegel wird künftig in die Bewertung einfließen.
So recht scheinen die Immobilienfachleute in Deutschland dem Thema der grünen Gebäude noch nicht zu trauen. Zwar sehen 82 Prozent von ihnen das Thema Nachhaltigkeit als wichtig an, aber bei konkreten Kaufentscheidungen - so urteilt die Hälfte von ihnen - sei das ohne große Relevanz. Das hat eine Befragung der Beratungsgesellschaft Ernst & Young Immobilien ergeben.
Auf die Frage, ob die Mieter bereit wären, eine entsprechende Gegenleistung für ein zertifiziertes Gebäude in Form einer moderat erhöhten Miete zu zahlen, antwortete immerhin ein Drittel mit Ja. Und mehr als die Hälfte der Befragten denkt konkret über den Ankauf von künftig zertifizierten Objekten nach.
Erster amtlicher Hinweis im nächsten Jahr
Den ersten amtlichen Hinweis auf Energieeffizienz wird es für gewerbliche Immobilien freilich erst mit dem Energiepass vom Juli kommenden Jahres an geben. Und das auf freiwilliger Basis erstellte Nachhaltigkeitszertifikat der „Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen“ (DGNB) ist erst in Vorbereitung. Eine Software mit Handlungsanweisungen für den Kriterienkatalog ist noch nicht vorhanden. Dennoch geht Stefanie Frensch, Partnerin bei Ernst & Young davon aus, dass der ökonomische und rechtliche Zwang zum sorgsameren Umgang mit den Resourcen, die Immobilienwirtschaft künftig in erheblichem Maße prägen wird.
In ihrer Studie zum Thema „Ist Zertifizierung für Sie ein Thema?“ versucht sie Licht in den Dschungel von Verordnungen und Zertifizierungen zu bringen. Dabei listet sie die acht international bekanntesten Öko-Siegel für Gebäude und ihre Schwerpunkte mit Kontaktadressen auf. So sind bisher 1500 Immobilien mit dem amerikanischen Leed-Siegel (Leadership in Energy and Environmental Design) ausgezeichnet worden, aber 100.000 Wohn- und Gewerbebauten in Großbritannien mit dem BREEAM-Siegel und fast 10.000 mit dem Schweizer Minergie-Label.
Nachweis der Betriebskosten
Frensch gibt einen ausgezeichneten Einblick in das Thema und das, was rechtlich und ökonomisch auf die Immobilienwirtschaft zukommt. Dabei zitiert sie Holger Hagge, Leiter Strategic Projects bei der Deutschen Bank, der davon überzeugt ist, dass der grüne Wert einer Immobilie künftig ein neuer Maßstab bei der Bewertung sein wird. Dabei geht es nicht nur um Energiesparen und die Nutzung alternativer Energiequellen, sondern auch um den sorgsamen Umgang mit Ressourcen wie Wasser, die Nutzung wiederverwertbarer und umweltschonender Materialien und die Lebensqualität im Gebäude wie Thermik und Belichtung.
Ein weiterer Kernpunkt des deutschen Öko-Siegels soll der Nachweis der Betriebskosten über den Lebenszyklus des Gebäudes sein. Maßstab für die Beurteilung grüner Gebäude in Deutschland soll die neue DIN V 18599 sein, die allerdings ebenfalls noch nicht anwendungsfreundlich per Software erhältlich ist. Auch sind die 900 Fördermöglichkeiten für grüne Gebäude nicht koordiniert.
Noch schlimmer sieht es im öffentlichen Recht aus - vor allem im Miet-, Bau- und Steuerrecht. Es steht den klimapolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung zum Teil im Weg, so dass in der Studie deutlich gemacht wird: Ohne gesetzliche Neuregelungen werden die Ziele der Bundesregierung nicht erreicht werden.
Her mit der Bürokratie
otto schwein (Otto49)
- 13.09.2008, 11:48 Uhr
Noch mehr Vorschriften
otto schwein (Otto49)
- 13.09.2008, 20:03 Uhr
Zielgruppe
Andreas Noreikat (derherold)
- 14.09.2008, 13:53 Uhr