30.05.2008 · Noch hängt viel von den konkreten Entscheidungen und Vorgaben der Politiker ab. Doch eines ist schon klar: Die Immobilienwirtschaft bereitet sich auf das Thema Energieeffizienz vor. Viele Investoren beziehen schon heute die Nachhaltigkeit in ihre Investitionsentscheidungen ein.
Von Christiane HarriehausenDie Frage, inwieweit „grüne Gebäude“ künftig die Immobilienmärkte beeinflussen werden, scheidet die Geister - die einen sehen darin einen aufgeregten Modetrend, die anderen dagegen einen gigantischen Zukunftsmarkt. Einig sind sich beide Seiten, dass ein hoher Informationsbedarf besteht. Das zeigte sich auf der Konferenz von IIR Deutschland zum Thema „Green Buildings - Herausforderung Klimawandel“ in München.
„Die Branche ist bereit für grüne Gebäude“, sagte Thomas Beyerle, Leiter Research bei der Degi Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds aus Frankfurt. Allerdings sei im Augenblick unklar, um welchen Markt es hier eigentlich gehe. Das Bild, das sich mit dem schwammigen Begriff der Nachhaltigkeit verbinde, sei sehr stark von Stimmungen getragen. Was zähle, seien angemessene rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit sowie Anreizprogramme für Investoren. Aufgrund voraussichtlich weiter steigender Energiepreise und neuer politischer Verordnungen wachse der Druck auf die Branche.
Auf die Politik kommt es an
Von entscheidender Bedeutung für energieeffiziente Gebäude sei die Energiepolitik in Deutschland und Europa, sagte Reinhard Kaiser, Leiter der Unterabteilung Erneuerbare Energien beim Bundesumweltministerium. Politisches Ziel sei neben einem geringeren Energieverbrauch auch ein massiver Ausbau der Nutzung von erneuerbaren Energien. Geregelt sei dies im Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung, das bis zum Jahr 2020 einen Anstieg des Anteils erneuerbarer Energie am Wärmebedarf auf 14 Prozent vorsieht. Der heutige Anteil liegt bei 6 Prozent.
Die daraus resultierenden Belastungen für Immobilieneigentümer sollen durch eine Erhöhung der Fördermittel von bisher 200 Millionen Euro auf jährlich bis zu 500 Millionen Euro erleichtert werden. Die Novellierung der Energieeinsparverordnung, die eine Verschärfung der energetischen Anforderungen um 30 Prozent vorsieht, befinde sich in der Abstimmungsphase und soll zum 1. Januar 2009 in Kraft treten.
In einer zweiten Stufe sollen diese Anforderungen im Jahr 2012 nochmals um 30 Prozent erhöht werden. Stefan Kobes, Partner bei der Rechtsanwaltsgesellschaft Luther aus Berlin, geht davon aus, dass in ein paar Jahren auch Eigentümer bestehender Gebäude mit einer Nutzungspflicht für erneuerbare Energien konfrontiert werden. Für langfristig denkende Immobilieninvestoren sei das eine bedenkenswerte Prognose.
Investoren müssen verstärkt auf Nachhaltigkeit achten
Was diese Szenarien für die Strategien von Immobilieninvestoren bedeuten können, erläuterte Gregor Büchner vom Makler- und Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle. Schon heute sei eine Bewusstseinsänderung über alle Branchen hinweg zu beobachten. So spiele der Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit bei Anmietungsentscheidungen großer internationaler Unternehmen immer öfter eine Rolle. Nachhaltigkeit sei ein komplexes Thema und müsse auf das Wesentliche reduziert werden, forderte Büchner. Ansonsten bestehe die Gefahr, die Menschen bei dieser Diskussion zu verlieren.
Wichtig sei Transparenz; ohne sie könne kein Markt für Nachhaltigkeit entstehen. Standards und Zertifikate seien unerlässlich. Dass dabei mehrere Standards miteinander in Konkurrenz treten, erachtet er nicht als hinderlich. Es wird eine Zeitlang mehrere Zertifizierungen geben. Jedes Siegel werde seine Wertigkeit haben, meinte Büchner. Wichtig seien diese Standards vor allem, um das Thema kommunizieren zu können und auf diesem Wege in der Branche und der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Dann habe der Markt für grüne Gebäude eine gute Chance, zu einem der wichtigsten Wachstumszweige unserer Wirtschaft zu werden.