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Niederlande : Immobilien in Not

Winter in den Niederlanden Bild: AFP

Der niederländische Immobilienmarkt erlebt eine tiefe Krise. Immer mehr Eigenheimbesitzer haben höhere Schulden, als ihre Häuser wert sind. Die Banken stehen jetzt unter einem massiven Druck.

          Es mag wie eine Verlegenheitsübung wirken, wenn niederländische Spitzenmanager den Blick über die heimischen Grenzen lenken. Bert van der Els, Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Heijmans N.V., war bei der Vorlage neuer Geschäftszahlen am Donnerstag nicht ohne Grund voll des Lobes für die Nachbarn. In Belgien laufe das Geschäft „prima“, in Deutschland „zur Zufriedenheit“.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Dass das zu den drei führenden Baukonzernen des Landes zählende Unternehmen aus dem südniederländischen Rosmalen im Jahr 2012 bei einem um knapp 2 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro geschrumpften Umsatz einen Verlust von 89 Millionen Euro verzeichnete, besagt fast alles über die Lage am heimischen Bau. „Der Häusermarkt bleibt dramatisch“, sagte van der Els. Gerade einmal 1081 Privatimmobilien konnte Heijmans 2012 verkaufen - ein Jahr zuvor waren es noch 1248. Diese Zahlen sind symptomatisch für eine Krise, die seit Jahren den Immobilienmarkt, aber auch die Finanzbranche des Landes erschüttert.

          Preisverfall von 30 Prozent

          Um knapp 7 Prozent fielen die Preise 2012. Seit dem Jahr 2008 erreicht der reale Preisverfall schwindelerregende 30 Prozent. Immer mehr Eigenheimbesitzer stöhnen unter einer Schuldenlast, die höher als der Wert der Immobilie ist - „Haus unter Wasser“ lautet dafür der gängige Begriff in den Niederlanden. Dass der „Hypothekenberg“, der mit Immobiliendarlehen aufgetürmte Schuldenberg, seit dem Jahr 1996 von 45 auf mehr als 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen ist, hat auch die Geldgeber in Bedrängnis gebracht.

          Der Amsterdamer Wirtschaftswissenschaftler Arnoud Bout und sein Kollege Lans Bovenberg von der Universität Tilburg haben unlängst in der Fachzeitschrift „Economisch Statistische Berichten“ vor einem Teufelskreis gewarnt. Die Banken täten sich immer schwerer, sich zu refinanzieren sowie Privatleute und Unternehmen mit Krediten zu versorgen. „Es droht eine Abwärtsspirale aus schrumpfender Wirtschaft, sinkenden Häuserpreisen, verschlechterten Staatsfinanzen sowie zusätzlichen Einsparungen und Mehrbelastungen“, schreiben Bout und Bovenberg.

          Bild: F.A.Z.

          Unter dem inzwischen 670 Milliarden Euro erreichenden „Hypothekenberg“ ächzen auch alteingesessene Geldhäuser wie ABN Amro, ING oder die Genossenschaftsbank Rabobank. Am härtesten traf es jedoch SNS Reaal, die viertgrößte Bank des Landes. Sie wurde Anfang Februar für 3,7 Milliarden Euro verstaatlicht. Ausgelöst wurde dies durch das Fiasko der im Jahr 2006 von ABN Amro übernommenen Immobilientochtergesellschaft Property Finance. Schiefgelaufene Immobilienprojekte in Spanien, vor allem aber die Flaute auf dem heimischen Wohnungsmarkt wurden zunächst Tochter- und zuletzt auch Muttergesellschaft zum Verhängnis. Auf fast 2 Milliarden Euro hatten sich zuletzt die Verluste von Property Finance summiert.

          Obwohl die Verstaatlichung von SNS Reaal scheinbar geräuschlos über die Bühne ging, hat sie nun ein gerichtliches Nachspiel. So klagt jetzt eine Gruppe von Anlegern gegen die niederländische Zentralbank (DNB). Hintergrund ist ihre Drohung von Ende Januar, SNS Reaal die Banklizenz zu entziehen, falls das Unternehmen nicht innerhalb von vier Tagen mehr als 1,8 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehme. Die Anleger werfen der Zentralbank vor, damit einer Verstaatlichung Vorschub geleistet zu haben, und hoffen auf Schadensersatz.

          Entwicklung des Marktes ungewiss

          Ebenso ungewiss wie der Ausgang des Gerichtsverfahrens ist die weitere Entwicklung des niederländischen Immobilienmarkts. Die seit November amtierende Koalition aus Rechtsliberalen und Sozialdemokraten hatte sich zu einer tiefgreifenden Reform des Regelwerks für den Immobilienmarkts verständigt. Hypothekenzinsen waren bisher vollständig von der Steuer absetzbar; außerdem konnten Hauskäufer Kredite im Umfang von bis zu 106 Prozent des Immobilienwerts aufnehmen. Die Vereinbarung der Koalitionspartner sah vor, dass der steuerlich absetzbare Teil der Hypothekenschuld bis zum Jahr 2042 jährlich um 0,5 Prozentpunkte sinken sollte.

          Da die Regierung in der ersten Kammer des Parlaments über keine Mehrheit verfügt, sah sie sich gezwungen, die Pläne abzumildern und sich so die Unterstützung von drei kleineren Oppositionsparteien zu sichern. Die Hoffnung der Koalition, dass sich mit dem Wirtschaftsaufschwung auch die Lage am Häusermarkt entspannen werde, dürfte sich indes nicht rasch erfüllen. Das Amt für wirtschaftliche Analysen (CPB), das Regierung und Parlament berät, rechnet nach einem im Jahr 2012 um 0,9 Prozent geschrumpften BIP für dieses Jahr mit einem weiteren Rückgang um 0,5 Prozent.

          Quelle: F.A.Z.

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