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Neue Wohnformen : WG für Digitalnomaden

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Inkubator mit Kochinsel: An diesem Tisch sollen idealerweise gemeinsame Geschäftsideen ausgebrütet werden. Bild: Phillip Langenheim/Medici Living

Heute hier, morgen dort: Ein Berliner Modellprojekt will Start-up-Gründern ein smartes Zuhause bieten.

          An die Wandtafel in der Gemeinschaftsküche hat jemand mit Kreide das W-lan-Passwort geschrieben. Das ist lustig, denn wer das Passwort hat, braucht die Tafel nicht mehr – es ist das Eingangstor zur digitalen Welt, und vor allem dort soll sich das Leben in dem Hinterhaus der Stromstraße 36 abspielen: Kommunikation und Konsum, Soziales und Geschäftliches, ein Leben im Virtuellen. Nur der Schlüssel dazu ist analog, Kreide auf Schiefertafel.

          Seit Anfang Mai wohnen etwa zwei Dutzend junge, internationale Berufstätige in der Business-Hausgemeinschaft im Berliner Stadtteil Moabit zusammen, die sich dem smarten Zeitalter verschrieben hat. Aufgeteilt in Fünfzimmerwohnungen zahlen sie einen überschaubaren Preis für ein Rundum-sorglos-Paket vom möblierten Zimmer über Geschirr, Gemeinschaftswaschmaschine und Grill im Garten bis hin zu dem mit einem Netflix-Abo ausgestatteten Heimkino.

          So weit, so bekannt – Coliving als Ergänzung zum Coworking moderner Arbeits- und Ortsnomaden hat sich als Konzept in Metropolen wie New York, aber auch deutschen Großstädten wie etwa in Düsseldorf etabliert. Der Clou an dem Modellprojekt der Medici Living Group soll die digitale Komponente sein: Ein „smart house“ für Start-up-Gründer, Kreative und Menschen, die über Geschäftsideen brüten.

          Der 24 Jahre alte Christoph Krofitsch passt exakt in diese Zielgruppe. Als sein Auslieferdienst-Start-up nach Berlin expandierte, suchte der Wiener eine Wohnform, in der er mit anderen Gleichgesinnten leben konnte. Bei der Recherche stieß er auf die Pläne von Medici, das Konzept fand er gut. Krofitsch zählte zu den ersten Bewohnern. „Eine Studenten-WG wäre für mich nicht mehr in Frage gekommen“, erzählt er mit seinem weichen österreichischen Akzent. „Auf Diskussionen, wer wann putzt, hatte ich keine Lust.“ Allein wohnen wollte er auch nicht in der unbekannten Stadt, außerdem fand er es zu mühsam, sich um Möbel, Strom und Internet zu kümmern. Bei „Quarters“ (so nennt das Unternehmen sein Projekt in Moabit, angelehnt an das französische Quartier) überzeugte ihn das Gesamtpaket.

          Kommunikationswege kurz und digital

          Das Haus füllt eine Lücke zwischen der quirligen Stromstraße und der Rückseite eines Mehrfamilienhauses. Der Durchgang zwischen Friseur und Spielcasino führt zu einem begrünten Hinterhof mit wenigen Fahrradbügeln am Rand und einer Rutsche. Straßenlärm dringt durch, an der Rückseite des Vorderhauses stehen Casino-Mitarbeiter und rauchen. Der Medici-Bau selbst wirkt mit seiner dunklen Fassade und den Holzelementen unaufdringlich und unspektakulär. Die 45 Zimmer verteilen sich auf vier Etagen, je fünf Zimmer teilen sich eine in der Wohnungsmitte gelegene Küche und zwei Bäder. Die Küchenflächen sind zugleich Eingangsbereiche, Tageslicht dringt nicht dahin. Im Erdgeschoss ergänzt eine weitere Kücheninsel die Gemeinschaftsräume mit langem Esstisch und Beamer, einer mit Sesseln und Bildbänden bestückten Leseecke und einem Mini-Heimkino mit nach oben gestaffelten Sitzgelegenheiten.

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