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Neue Häuser 2013: Haus Wasserkunst Ein Haus, das sich flexibel zeigt

Das neue Zuhause von Gunda und Rainer Schürmann in Bremen kann vieles sein: Einfamilienhaus mit Büroetage, Apartment- oder Mehrgenerationenhaus.

© Pilar, Daniel Vergrößern Ein Haus, das sich flexibel zeigt

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mit seinen 66 Jahren hat der Architekt Rainer Schürmann diese Erfahrung mehr als einmal im Leben gemacht. Auch und gerade im Beruf. Architektonische Moden, Analysen der Wohnungsmärkte, Gutachten und Empfehlungen, sie alle tragen ein Verfallsdatum. Heute für die Bedürfnisse von morgen zu bauen ist daher immer eine Herausforderung, an der man im Zweifelsfall scheitert. Annehmen muss man sie trotzdem.

Schürmann hat daraus seine Schlüsse gezogen. Der Neubau, den er und seine Frau Gunda seit knapp einem Jahr in Bremen bewohnen, überrascht, weil er einerseits eine ganz individuelle Note hat, andererseits aber über ein ungewöhnlich flexibles Raumkonzept verfügt. Derzeit ist das dreigeschossige Haus so aufgeteilt: das barrierefreie Erdgeschoss, das einen eigenen Eingang besitzt, wollen die Eigentümer als Büroräume vermieten. Schürmanns selbst belegen die beiden oberen Etagen. Im ersten Stock wohnen sie. Im Obergeschoss hat jeder der beiden ein Atelier, denn die Schulrektorin ist auch Schmuckgestalterin, und für den Architekten geht die Arbeit oft auch außerhalb der üblichen Bürozeiten weiter.

Die Räume sind barrierefrei und lassen sich auf verschiedene Weise zusammenschließen

Es könnte allerdings auch alles ganz anders sein. Zum Beispiel so: Jedes Geschoss mit seinen etwa 120 Quadratmetern Wohnfläche bildet eine Wohneinheit. Oder so: Ohne großen Aufwand ließen sich auf jeder Etage auch zwei Apartments einrichten. „Wir wollten gerne einmal richtig Platz haben“, gesteht Gunda Schürmann. „Aber das Haus bietet die Chance, die Räume auch anderen Lebensverhältnissen anzupassen, im Alter oder auch für Bewohner, die nach uns hier leben.“ Bad, WC und Küche (alle barrierefrei) sind nicht austauschbar. Alle anderen Räume sehr wohl, sie lassen sich beliebig zusammenschließen oder trennen. Alles scheint in diesem Haus ineinander zu fließen. Dass aber auch Rückzug möglich ist, dafür sorgen die raumhohen Türen.

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Groß und stattlich steht der würfelförmige Bau im Neubaugebiet auf dem Stadtwerder, einer Halbinsel in der Weser, von der aus man die Innenstadt strammen Schritts in einer knappen Viertelstunde erreicht. Hier wachsen nicht nur Mehrfamilien- und Reihenhäuser aus dem Boden. Platz ist auch für 22 Einfamilienhäuser, die in privater Regie entstehen. Damit der Wildwuchs ausbleibt und die Nachbarschaft in dieser zentralen Lage nicht aussieht wie irgendwo in der Provinz, hat die Stadt den Bauherren einige Vorgaben gemacht: Kubisch, weltoffen und modern sollen die neuen Bauten sein und dreigeschossig, damit sie gegen die Mehrfamilienhäuser optisch nicht zu mickrig erscheinen.

Zunächst hatte das Ehepaar Schürmann mit einem Grundstück in einem schon etablierten Bremer Stadtteil geliebäugelt. Nach mehr als zehn Jahren auf dem Land zog es die beiden wieder in die Stadt. „Ich war eigentlich nie der Typ fürs Dorf“, sagt Gunda Schürmann, und dass sie eine wahnsinnige Sehnsucht nach der Stadt gehabt habe. Im Künstlerdorf Fischerhude hatten sie direkt am Fluss gelebt, mit Blick ins Grüne und eigenem Bootssteg. Aber eine malerische Umgebung ist nun mal nicht alles, und nicht jeder Tag ist Sonntag. So hieß es von Montag bis Freitag pendeln. Und weil der nächste Bahnhof fünf Kilometer entfernt lag, fuhren die Schürmanns mit zwei Autos. Sie zur Schule, er ins Büro oder auf die Baustellen, zu Einladungen, Veranstaltungen, immer und ständig über Land. „Wenn man im Monat für Hunderte Euro Sprit verfährt, kommt man schon ins Grübeln, und dann haben wir gemerkt, dass es Zeit wird, sich altersgemäß zu etablieren“, erzählt Schürmann.

Auf in die Stadt

Dafür kam nur die Stadt in Frage. Doch mit dem favorisierten Grundstück wurde es nichts. Die beiden erwogen, sich eine Wohnung zu nehmen, er brachte das neue Überseequartier am Hafen ins Spiel. Ohne sie, beschied ihm, seine Frau. Aber mit dem Stadtwerder freundeten sie sich beide an. „Wasser und Grün haben wir hier ja auch“, sagt Gunda Schürmann.

Früher hatten auf dem Stadtwerder die Wasserwerke ihren Sitz, wovon noch der Wasserturm zeugt. Umgedrehte Kommode nennen die Bremer liebevoll den dunklen Backsteinbau, auf des-sen Ecken kleine Türmchen sitzen, die wie die Füße eines Möbels wirken.

Das Gebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Bezugspunkt des ganzen neuen Quartiers. Auch das Haus der Schürmanns orientiert sich an dem imposanten Bau. Das zeigt sich nicht nur an der Materialwahl - denn Glas- und Holzelemente werden von rotem Ziegel dominiert. Auch in der Gestalt ähnelt Haus Wasserkunst, wie der Projektname für den Neubau der Schürmanns lautet, dem historischen Nachbarn.

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