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Naturstein Der Charme des Unverwüstlichen

 ·  Schiefer hat längst sein biederes Image abgestreift. Der Baustoff fasziniert, weil er vielseitig und langlebig ist.

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Robust, doch edel. Steinern und zugleich samtig-warm. Dunkel, aber nicht trist. Wenn Ian Shaw über den Baustoff Schiefer spricht, wird schnell klar: Der Naturstein ist ein ausgesprochen sinnliches Material - und Shaw ein Architekt mit Begeisterung für natürliche Oberflächen.

Der Engländer hat Schiefer in den vergangenen Jahren oft verbaut, hauptsächlich in Innenräumen. Er ließ Badezimmer damit auskleiden, Flure, Küchen und Wohnräume. Konsequent kam der graublaue Stein beim Ausbau eines Penthouse in Frankfurt zum Einsatz. Dort wurde durchgehend brasilianischer Schiefer verlegt - als Platten, die mit den Maßen 90 mal 90 Zentimeter ungewöhnlich groß für den Baustoff sind.

Ebenfalls aus Schiefer gefertigt ist der Küchenblock. Dadurch gehen Raum und Küchenmöbel fließend ineinander über. Trotz des strengen, klaren Musters, nach dem die Platten verlegt sind, wirkt der Boden nicht kühl und abweisend. Das liegt daran, dass der Stein weder geschliffen, poliert noch sonst wie behandelt wurde. Gerade seine unregelmäßige Oberfläche macht den Schiefer für Planer wie Shaw so interessant. „Auch wenn der Bodenbelag neu ist, hat seine Oberfläche Patina.“ Kein Wunder, der spaltbare Stein ist mehr als 400 Millionen Jahre alt.

Lange war Schiefer nur ein Fall für den Denkmalschutz

Lange wurde Schiefer fast ausschließlich als historischer Baustoff, der die Dächer von Burgen, Kirchen, Schlössern und Herrenhäusern deckt, angesehen. Auch in den Dörfern der Eifel, des Hunsrücks, des Sauerlands, in Thüringen und Oberfranken kann man ihn sehen. Dort tragen die alten Häuser den grauen, wetterfesten Stein wie einen Schuppenpanzer, der sie gegen Regen und Wind schützt.

In Innenräumen hat Schiefer sich erst vor wenigen Jahren etabliert. Die Architekten der Moderne hatten ab und an mit dem Material experimentiert, das in den weißen Wohnwürfeln für einen hübschen Kontrast sorgte. Insbesondere in den Siebzigern war der Stein im Innenausbau in Mode. In jenen Jahren brachten deutsche Anbieter Schiefer von der Iberischen Halbinsel im großen Stil auf den heimischen Markt. Der Schiefer ist dort leichter und günstiger abzubauen als die hiesigen Vorkommen in Eifel, Hunsrück, Sauerland und Thüringen, auch weil er im Tagebau gefördert wird. Portoschiefer, damals im Innenausbau beliebt, war aber immer noch vergleichsweise teuer - und wegen seiner zerklüfteten Oberfläche nicht gut zu reinigen.

Richtig durchgesetzt hat sich Schiefer als Bodenbelag eigentlich erst mit der Entdeckung des brasilianischen Schiefers in den neunziger Jahren. Die dortigen Vorkommen liegen knapp unter der Oberfläche in leicht zugänglichem Gelände und vor allem horizontal in der Erde. „Da kann man das Rohmaterial in großen Platten rausschneiden“, erläutert der Natursteinhändler Andreas Martin aus dem Odenwald.

Brasilianischer Schiefer für den Innenraum

Die leichtere Förderung wirkt sich auf den Preis aus. Fachleute rechnen für Rheinischen Schiefer mit netto um die 100 Euro je Quadratmeter. Mindestens 80 bis 90 Euro kalkulieren die Anbieter für den frostsicheren thüringischen Fruchtschiefer, der sich sehr gut für den Garten- und Landschaftsbau eignet. Die Produkte aus Brasilien sind schon für 25 bis 35 Euro je Quadratmeter zu haben. „Für einen Bodenbelag ist das ein annehmbarer Preis“, sagt Ian Shaw.

Zudem gilt der brasilianische Schiefer dank seiner vergleichsweise geschlossenen, hautartigen Oberfläche als ausgesprochen pflegeleicht und kommt auch in exotischen Farben wie Grün und Rot vor. Vorausgesetzt, er wird spaltrauh, das heißt ungeschliffen, verlegt und nicht chemisch behandelt. Natursteinkenner wie Andreas Martin raten dringend davon ab, Schiefer zu versiegeln. „Da hat man keine Freude dran.“ Durch die Versieglung würden Kratzer auf der Oberfläche erst konserviert. Er empfiehlt, den Stein mit einem speziellen Öl einzulassen. Dann dunkeln die Schrammen nach. Hat der Stein nach Jahren an Glanz verloren, reiche es, ihn gründlich mit Seife zu reinigen und neu zu ölen. „Dann sieht er wieder aus wie am ersten Tag“, verspricht Martin.

Ein weiterer Vorzug des Baustoffs ist seine schmeichelnde Oberfläche. Schiefer ist ein Stein, der nicht wirklich kalt ist. Doch auch das gilt nur für ungeschliffene Platten. Zudem eignet er sich gut für Fußbodenheizungen. Da er Wärme speichert, ist er als Belag für sonnige Terrassen allerdings keine gute Wahl.

Natürliche Baustoffe haben Konjunktur

Dass Architekten und Bauherren den Schiefer seit einigen Jahren wiederentdeckt haben, liegt daran, dass er sowohl rustikal als auch edel wirkt. Vor allem in der Schweiz haben Planer in der jüngeren Vergangenheit viel mit dem blau grauen Stein gearbeitet. „Von dort kommen wichtige Impulse für den Umgang mit Schiefer in der heutigen Architektur“, heißt es beim Schieferproduzenten Rathscheck. Das Unternehmen aus der Eifel hat den Imagewandel des Steins vom historischen zum modernen Baustoff mit vorangetrieben. Dabei kommt ihm wie den anderen Anbietern entgegen, dass natürliche Baustoffe allgemeine Konjunktur haben.

Oft wird Schiefer mit Holz kombiniert. So hat Ian Shaw im Fall des Frankfurter Penthouse auf den Kontrast zwischen Schiefer und Eukalyptusholz gesetzt und Türen und Küchenelemente damit verkleidet. Auch Shaws Kollege Jon Patrick Böcker hat die Verbindung von Stein und Holz gereizt - allerdings nicht im Innenraum, sondern an der Fassade seines Eigenheims in Grevenbroich. Nach Sanierung und Erweiterung des mehr als 70 Jahre alten Siedlungshäuschens trifft dort Schiefer auf sibirische Lärche. Das Wechselspiel zwischen dem rötlich warmen Holzton und dem Stein ist reizvoll.

Was den Bau darüber hinaus interessant macht, ist, wie der Schiefer hier zum Einsatz kommt. Das Häuschen bedurfte einer Kernsanierung. Seine ursprüngliche Form sollte aber nach allen Erneuerungsmaßnahmen erkennbar sein. Böcker wünschte sich einen monolithischen Bau, ohne Dachüberstand, Fensterbänke, sichtbare Regenrinnen. Er habe von Anfang an mit Naturstein geliebäugelt, erzählt der Architekt. Dann stieß er auf Schiefer und verpasste dem Gebäude daraus einen Überwurf.

Ein Maßanzug aus Schieferplatten

Für sein Vorhaben wählte er die sogenannte symmetrische Deckung, für die man mindestens um die 100 Euro je Quadratmeter rechnen muss. Bei dieser neuen Deckungsart sitzen die Platten auf einer vorgehängten, hinterlüfteten Fassade. Das ist wichtig, damit sich zwischen Mauerwerk, Dämmschicht und Außenhaut keine Feuchtigkeit sammelt. Unter der Dachdeckung liegt zudem eine wasserdichte Unterbahn, da die Schieferplatten nicht überlappend, sondern nebeneinander mit offenen Fugen verlegt werden. Zudem wird das Regenwasser kontrolliert, aber für das Auge unsichtbar abgeleitet. Die Platten selbst sitzen auf einem Aluminiumgerüst. „Dazu braucht man Profi-Handwerker, die sich auskennen“, sagt Böcker. Zum einen ist eine akribische Vorplanung wichtig, damit die Hülle später wie ein Maßanzug sitzt. Zum anderen kommt es auf die exakte Ausführung an. Böcker hatte Glück und einen Handwerker, dem auffiel, dass der Dachstuhl um 15 Millimeter von den Berechnungen abwich. Ihm selbst sei das wenig vorgekommen, räumt der Planer ein. Doch wäre das Alugerüst nicht nachjustiert worden, hätte der Maßanzug verschnitten gewirkt. „Wenn die Fugenbreite schwankt, ist die ganze optische Wirkung hin.“

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Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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