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Veröffentlicht: 04.03.2016, 13:20 Uhr

Alter Baustoff, neu entdeckt Architekten bauen Holzhochhäuser

Holzhäuser sind nur etwas für Landeier? Von wegen. Der Baustoff kommt auch in der Stadt groß raus - an modernen Hochhäusern.

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© Architekten ZT Hoho in Wien: Bald das höchste Holzhochhaus der Welt

Das Bauwesen ist nicht gerade bekannt dafür, mit seinen Begriffen Gefühle zu erzeugen. Pfosten-Riegel-Fassade. Stahlbetonträger. Spüren Sie etwas? Doch fällt das Wort „Holzhaus“, reiht sich in unseren Köpfen sogleich Bild an Bild: Wir sehen die kanadische Blockhütte, das schwedenrote Haus mit Bootssteg, die einsame Berghütte aus verwittertem Fichtenholz. Als offenbar unverzichtbare Beigaben fallen einem gleich noch der knisternde Kamin ein, knarzende Holzdielen und dieser harzige Geruch, der einem auch mit geschlossenen Augen verrät, in was für einem Haus man sich befindet. Die meisten Menschen befällt dieses heimelige, etwas sehnsüchtige Gefühl - nach Gemütlichkeit, einem Zurück zur Natur, Stadtflucht.

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Wahrscheinlich gibt es nur noch einen anderen Begriff aus der Welt des Bauens, der ebenso starke Bilder hervorruft: Hochhaus. Auch wer daran denkt, denkt das Material gleich mit: Stahl, Beton und Glas, all die Stoffe, aus denen die Moderne gebaut ist und für die das Hochhaus wie kaum ein anderes Symbol steht. Holzhaus und Hochhaus - das sind zwei gefühlte Pole, wobei das eine für Einfachheit und Landleben und das andere für Technologie und Urbanität steht.

Deutschlands hoechstes Holzhochhaus entsteht am Wendelstein © dapd Vergrößern Nicht immer sieht man Holzbauten ihre hölzerne Konstruktion sofort an. So bei diesem 25 Meter hohen Holzhaus in Bad Aibling.

Doch dieser vermeintliche Widerspruch löst sich immer mehr auf. Denn Holz hat sich auf den Weg in die Innenstädte gemacht. Technische Innovationen im Holzbau, kombiniert mit immer höheren Anforderungen an den Klimaschutz, haben dem archaischen Rohstoff zu einer Renaissance verholfen - zunächst bei kleineren Häusern, doch zunehmend auch bei mehrstöckigen Gebäuden. Überall auf der Welt entstehen Hochhäuser, deren wichtigster Baustoff in den heimischen Wäldern nahezu unbegrenzt nachwächst: Seit Herbst 2014 entsteht im norwegischen Bergen mit „Treet“ ein 50 Meter hoher Holzbau. In Stockholm sollen bald 13 Stockwerke von einer Holzkonstruktion getragen werden, und der kanadische Architekt Michael Green plant, in Vancouver sogar 30 Stockwerke mit verleimten Schichtholzbrettern zu bauen.

Höchstes Holzhochhaus der Welt

Nicht nur Länder mit einer reichen Holzbautradition sind in den Wettbewerb um das höchste Holzhaus der Welt eingestiegen: Auch im australischen Melbourne, in Mailand und vor allem in London sind hölzerne Hochhausprojekte entstanden oder in Planung.

Das wohl höchste Holzhochhaus der Welt wächst seit vergangenem Herbst in den Wiener Himmel. Das Hoho Wien soll eines der Leuchtturmprojekte der Seestadt Aspern werden, einem neuen Stadtteil, der bis 2028 im Nordosten der Hauptstadt auf einem ehemaligen Flugfeld entsteht. 24 Stockwerke, verteilt auf 84 Meter Höhe - bei weitem nicht so eindrucksvoll wie das Burj Khalifa in Dubai, mit 828 Metern derzeit das höchste Gebäude der Welt. Und auch den Vergleich mit dem Empire State Building in New York, das auf 381 Meter kommt, hält es nicht stand. Doch überlegt man, dass der Holzbau bis vor wenigen Jahren noch der Öko-Fraktion unter den Architekten vorbehalten war und vor allem im Bau von Einfamilienhäusern zum Einsatz kam, ist das eine atemberaubende Entwicklung. Vor allem, da das Hoho Wien nach gültigen Vorschriften zum Brandschutz überhaupt nicht gebaut werden dürfte. Auch in Deutschland sind maximal fünf Geschosse in Holzbauweise zulässig, für höhere Varianten bedarf es einer Sondergenehmigung.

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