http://www.faz.net/-gqe-8stqc

Mobilität in Metropolen : Neue Wege durch die Stadt

Vorfahrt für Radler: Die Stadt der Zukunft braucht mehr Raum für Fahrräder und weniger für Autos. Bild: AFP

Die Menschen sind mobiler, der Verkehr wird dichter. Wie verkraften das die Metropolen? Forscher haben da ein paar Ideen.

          Es ist ein Albtraum, den viele Stadtbewohner fast jeden Morgen erleben: Sie stehen gefühlte Ewigkeiten mit ihren Autos im Stau oder quälen sich auf Zweirädern durch Blechkarawanen und deren Abgaswolken. Andere quetschen sich in überfüllte Busse und U-Bahnen, um mit Tausenden Gleichgesinnten zur selben Zeit in die City zu drängen. Und manche von ihnen haben einen Traum: Es ist der Traum vom stressfreien Fortkommen, vom flüssigen Innenstadtverkehr ohne Staus, der weniger Zeit und Nerven frisst und weniger Dreck und Lärm produziert. Sie würden gerne einmal den Weg ins Zentrum antreten, ohne dabei täglich den Straßenkampf zu erleben, den Radler, Autofahrer, Fußgänger und Lieferfahrzeuge heute untereinander austragen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber geht das überhaupt noch? Und reicht der Platz da draußen wirklich noch für alle, die täglich in den Ballungsräumen von A nach B unterwegs sind? Im Prinzip schon, und manche Städte haben den Traum auch schon gelebt - wenn auch nur für kurze Zeit oder auf begrenztem Raum. Denn um den Verkehr in den Städten auf Dauer wieder für alle verträglicher zu machen, braucht es den ganz großen Wurf. Der fängt vielerorts ganz klein an.

          Um eines vorwegzunehmen: Längst nicht überall funktioniert es reibungslos, den Verkehr von heute auf morgen in völlig neue Bahnen zu lenken. Aber einige Städte experimentieren damit, ob autofreie Innenstädte überhaupt funktionieren können. Sie probieren aus, wie man einen Großteil der Tagespendler mit Bussen und Bahnen oder zumindest in umweltfreundlicheren Elektrogeräten befördern könnte. Und ob sich der Lieferverkehr durch Bringdienste und Online-Versandhändler nicht so kanalisieren lässt, dass nicht an jeder zweiten Ecke ein Lieferwagen auf dem Bürgersteig parkt. Grundsätzlich ist all das möglich, und es wird künftig auch nötig sein.

          Schließlich arrangieren sich schon jetzt vielerorts die Metropolenbewohner eher schlecht als recht auf den bestehenden Verkehrswegen: Die Stau-Indizes von Navigationsherstellern wie TomTom belegen, dass der Verkehr in den Innenstädten von Jahr zu Jahr zäher fließt. Stuttgart, Hamburg und Köln belegen dabei die vorderen Plätze, im Prinzip nehmen sich die großen Städte da aber nichts. Hier muss man regelmäßig rund ein Drittel mehr Zeit einkalkulieren, weil man an Ampeln und in Autoschlangen feststeckt. Und mehr Platz wird es in Summe nicht, im Gegenteil. Die Zeiten, in denen Städte Schneisen durch ihre Zentren schlugen, um Boulevards breiter und Kreuzungen autofreundlicher zu machen, sind längst vorbei. Heutzutage trennt man eher Spuren für Busse und Radler ab oder legt vereinzelt Fahrstreifen für die Begrünung lahm. Mehr Bewegung herrscht allerdings permanent auf den Straßen, denn Städte werden immer bevölkerungsreicher und die Menschen immer mobiler. Wie schafft man es, dass sie flüssiger und besser getaktet aneinander vorbeilaufen, statt sich gegenseitig die Wege zu versperren?

          Weitere Themen

          Zehntausende Spanier auf den Straßen Video-Seite öffnen

          Demonstrationen : Zehntausende Spanier auf den Straßen

          Wegen der drohenden Abspaltung Kataloniens haben in Spanien zehntausende Menschen für die Einheit des Landes demonstriert. Befürworter eines Dialogs zwischen Madrid und der katalanischen Regionalregierung in Barcelona versammelten sich zu Kundgebungen vor den Rathäusern.

          „Jedes Baugebiet hat einen Makel“

          Bezahlbarer Wohnraum? : „Jedes Baugebiet hat einen Makel“

          Der Frankfurter Speckgürtel ist beliebt. Und um in den Hochtaunuskreis zu ziehen, muss man (noch) kein Millionär sein. Doch große Neubaugebiete sind rar, und auch die Innenentwicklung bleibt nicht ohne Konflikte.

          Topmeldungen

          FDP zurück im Parlament : Der Wunder-Lindner

          Die FDP ist wieder da, und schon in den wenigen Tagen seit der Wahl vermittelt sie den Eindruck, es gehe Freien Demokraten immer nur um das eine: um sie selbst. Und um ihren Vorsitzenden.

          Geisteszustand des Präsidenten : Ist Donald Trump verrückt?

          Etliche Psychiater in den Vereinigten Staaten machen sich Sorgen um den Geisteszustand von Präsident Donald Trump. Dessen Verhalten ist zwar grenzwertig. Doch spiegelt es vor allem die Gesellschaft wider, die ihn an die Macht befördert hat.
          Pforte zur Vorhölle: Das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz II-Birkenau

          Holocaustforscher Raul Hilberg : Wie die Tötungsmaschine funktionierte

          Fast im Alleingang hat Raul Hilberg ein Forschungsfeld begründet, das man heute Holocaust-Studien nennt. Dabei war sein Standardwerk „Die Vernichtung der europäischen Juden“ lange Zeit zu wahr, um übersetzt zu werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.