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Veröffentlicht: 04.02.2017, 10:37 Uhr

Mobilität in Metropolen Neue Wege durch die Stadt


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Speziell für Radler legten sie ein Netz aus extra breiten Radwegen und Hochgeschwindigkeitsstrecken für Biker an. Auch die Fußgänger bekamen mitten im Zentrum eigene Flanierzonen. Zuerst ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung und durch die Geschäftsleute: Die Innenstadt werde entvölkert, niemand werde mehr zum Einkaufen kommen ohne Auto, zum Flanieren schon gar nicht - im typischen nordischen Schietwetter. Kopenhagen sei eben nicht Rom oder Madrid. Und was passierte?

Neue Schnellstrecken für Fahrräder

Nur eines stellte sich als wahr heraus: Kopenhagen ist nicht Rom oder Madrid geworden, dafür hat es aber jetzt äußerst belebte Flaniermeilen und ist eine der radelfreundlichsten Städte Europas. Mehr als die Hälfte der Bewohner steigen regelmäßig aufs Rad und düsen täglich über die Bike-Highways zur Arbeit. Die Autos bleiben immer häufiger draußen vor der Stadt. Und die Geschäfte in der City freuen sich darüber, dass die gemütlich bummelnden Passanten länger durch die Fußgängerzone streifen, statt sich sofort wieder ins Auto zu schwingen und heimzufahren. Seitdem hat Kopenhagen immer mehr Parkhäuser geschlossen, das Parken auch an den Stadträndern immer weiter eingeschränkt und viel Grün ins Zentrum zurückgeholt.

Inzwischen berät das Radverkehrs-Beratungsunternehmen „Copenhagenize“ auch andere Großstädte, wie sie die Transformation zur Fahrradstadt schaffen können. Selbst Städte wie New York, Los Angeles und auch London denken darüber nach, für viele Milliarden Euro neue Rad-Schnellstrecken anzulegen und Verkehrsflächen umzuwidmen. Der dänische Stadtplaner Jan Gehl hat ein Buch über die Erlebnisse von Kopenhagen geschrieben und mahnt, dass dafür nicht nur viel Geld nötig ist. In erster Linie müsse es ein grundsätzliches Umdenken geben: „Stadtplaner müssen sich darüber im Klaren sein, dass jede Straße, die neu für Autos gebaut wird, nicht der Verkehrsentlastung dient, sondern nur noch mehr Autos in die Stadt bringt.“

Auch hierzulande finden Verkehrsforscher: „Stadtplaner müssen dringend neue Lösungen ausprobieren, damit sich die Leute überhaupt eine neue Verkehrszukunft vorstellen können“, das sagt zum Beispiel Konrad Otto-Zimmermann, Stadtplaner und studierter Verwaltungswissenschaftler aus Freiburg, der die Idee von der ökomobilen Stadt in die Welt trägt. In seinen Augen funktioniert Metropolenverkehr auch ohne Autos, und um das zu beweisen, organisiert er mit Großstädten das Eco Mobility World Festival. Das ist ein ganz besonderes Experiment: Die Städte proben damit den autofreien Monat. In Südkorea hat es die Millionenstadt Suwon bereits ausprobiert, Südafrikas chronisch mit Verkehr überlastete Metropole Johannesburg ebenso. Nun träumt Otto-Zimmermann davon, dass auch deutsche Verwaltungen die Idee aufgreifen.

Wie läuft das Leben in einer Stadt wie Johannesburg weiter, wenn man in einem kompletten Büroviertel mit 120.000 Pendlern und 75.000 ein- und ausfahrenden Autos den üblichen Verkehr lahmlegt? Überraschend gut, zeigte der Versuch. Die Stadt setzte kurzfristig mehr Busse auf den leeren Straßen ein und legte „Park and Ride“-Plätze an den Stadträndern an. Der Lieferverkehr wurde gebündelt und auf Elektrofahrzeuge verlagert. Und internationale Sponsoren stellten der Bevölkerung leihweise Fahrräder, Elektroroller und eBikes zur Verfügung. Schon zuvor feierten die Bewohner quartierweise auf der Straße, probten Paraden und verschönerten ihre Stadtviertel mit Farbe und Grünpflanzen, um sich den Straßenraum von den Autos zurückzuerobern.

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