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Luxuswohnungen : Höchstpreis für das Beste vom Besten

Ausreißer: Für die im Frankfurter Ensemble Maintor geplanten Wohnungen haben Käufer bis zu 11.000 Euro je Quadratmeter gezahlt. Bild: Archiv

Luxuswohnungen sind begehrt. Die Furcht vor der Inflation treibt die Nachfrage. Für Liebhaberobjekte zahlen Käufer Spitzenpreise.

          Schon gehört? Neulich in Berlin. Der Freund eines Bekannten hatte eine Wohnung in einem ehemaligen Industriegebäude. Die Wohnung war nicht luxuriös, das Objekt aber durchaus besonders und die Lage angesagt. Ein Russe soll von der Idee so angetan gewesen sein, sich genau dort einzukaufen, dass er dem Eigentümer einen irren Preis bot. Nur so. Aus Liebhaberei.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Seit gut drei Jahren kursieren ständig Geschichten dieser Art. Meistens spielen sie in Berlin. Mal erzählen sie von reichen Russen, Kasachen oder Arabern. Mal sind es polyglotte New Yorker, coole Israelis oder hippe Dänen, etwas seltener spießige Schwaben, die sich auf dem ohnehin heißen deutschen Wohnungsmarkt in Düsseldorf, Hamburg, München oder Frankfurt, vor allem aber in der Hauptstadt mit dem sprichwörtlichen Koffer voller Geld auf die Jagd nach ganz besonderen Wohnimmobilien machen - und dabei die allgemeine Preisralley antreiben.

          Kein Beitrag zur Entspannung am Wohnungsmarkt

          Gleich drei Botschaften stecken in Erzählungen dieser Art: Erstens ist das Interesse an hiesigen Wohnungen und Villen in den Top-Großstädten ungebrochen. Zweitens führt die hohe Nachfrage vermögender Klientel aus dem In- und Ausland zum Bau immer neuer Luxuswohnungen, beziehungsweise zur Umwandlung von Altbauten in solche. Und drittens findet sich scheinbar immer ein Käufer, der bereit ist, jeden Preis zu zahlen. Entsprechend reagieren die Zuhörer. Bei den einen mischt sich Wut mit Verzweiflung, weil in vielen Stadtteilen auch für Normalverdiener bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist, und Luxuswohnungen zur Entspannung der Lage kaum beitragen. Bei anderen meint man die Eurozeichen in den Augen blitzen zu sehen bei der Vorstellung, ihre Immobilie zu einem Traumpreis zu veräußern.

          Verkäufe im Luxussegment
          Verkäufe im Luxussegment : Bild: F.A.Z.

          Björn Dahler mag solche Geschichten nicht. „Man sollte den Leuten nicht einreden, dass sich hier alles zu jedem Preis verkaufen lässt“, sagt der Hamburger, der als Deutschlands Luxusimmobilien-Makler Nummer Eins gilt. Von seinem Büro in der fünften Etage eines Neubaus in der Hafencity blickt er gen Süden auf den Marco Polo Tower. Als der extravagante Wohnturm am Elbufer vor drei Jahren fertig gestellt war, begeisterte er nicht nur Architekturkritiker, sondern auch Käufer und Verkäufer. Denn ein Teil der Wohnungen, die als Rohbauten verkauft wurden, damit die vermögende Kundschaft sie nach ihren Vorstellungen ausbauen lassen konnte, erzielte damals Quadratmeterpreise bis zu 11 000 Euro. Gen Westen hat Dahler die Elbphilharmonie im Blick, deren Wohnungen, wenn der Bau denn eines schönen Tages mal vollendet sein sollte, aller Wahrscheinlichkeit nach in einer noch ganz anderen Preisklasse liegen werden. Da gerät man nicht so leicht aus der Ruhe, wenn irgendwer irgendwo irgendwelche tollen Preise zahlt. „Ach ja, Russen und Scheichs, dass sie den deutschen Immobilienmarkt mit Angeboten bombardieren würden, kann ich nicht bestätigen“, sagt er.

          Dass ausländische Käufer am hiesigen Wohnimmobilienmarkt aktiv sind, und da eher in Berlin und München als in Düsseldorf oder Hamburg, bestreitet er nicht. „Aber wir sind hier nicht in New York oder London, wo unglaublich viele sehr reiche Menschen leben, die Jagd auf Trophy-Immobilien machen.“

          Blankenese ist nicht Kensington

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