03.06.2008 · Früher waren Zäune und Hecken kaum mehr als Einfriedungen von Grundstücken. Heute sind sie zur Visitenkarte von Eigenheimbewohnern aufgestiegen. Und auch hier gelten Moden: Der Jägerzaun ist völlig passé. Zurück zu archaischen Naturformen lautet das Motto der Stunde.
Von Sybille WilhelmSage mir, welchen Zaun du hast, und ich sage dir, wer du bist: So wie in jeder Region traditionell unterschiedliche Haustypen zu finden sind, sind auch unterschiedliche Zaunformen entstanden, die das Bild der jeweiligen Kulturlandschaft prägen - und das auf der ganzen Welt. Hinzu kommt die individuelle Note: Je höher der Zaun, desto deutlicher ist die Botschaft, dass Fremde sich lieber fernhalten sollten. Nimmt man also die „Einfriedung“ als Maßstab für den jeweiligen Geschmack eines Volks, gibt es Hoffnung für die Deutschen. Denn der „spießige“ Jägerzaun ist auf dem Rückzug, die Gartenbesitzer werden wieder erfinderisch.
Angesichts der Nachbarschaftsstreitigkeiten in Deutschland, die nicht selten mit der sichtbaren Abgrenzung des eigenen Grundstücks zu tun haben, könnte man meinen, dass der Zaun eine urdeutsche Erfindung sei. Ist er aber nicht: Abgesehen von den Landwirten, die schon immer ihr Vieh davon abhalten wollten, zu verschwinden oder sich im Gemüsegarten des Bauernhofs nach Leckereien umzuschauen, soll die Idee, in Siedlungen das eigene Grundstück einzuzäunen, im 19. Jahrhundert in England aufgekommen sein.
Zäune aus Ästen und Zweigen werden wieder beliebt
Doch es gibt auch eine andere Lesart: „Der deutsche Begriff Garten leitet sich etymologisch von Gerte ab, also beispielsweise Weiden- oder Haselnussruten, die ineinander verflochten den Garten umfriedeten“, erläutert der Bonner Landschaftsgärtner August Forster, der auch Mitglied im Präsidium des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) ist. „Gärten und Zäune gehören bei uns also eigentlich schon seit den Ursprüngen zusammen.“
Die „einfachen“ Urtypen-Zäune aus Ästen und Zweigen erleben derzeit sogar eine Renaissance. „Obgleich man heute Flechtzäune vorwiegend in Heimat- und Freilichtmuseen oder als Blickfang auf Gartenschauen findet, werden sie inzwischen auch wieder für den Hausgartenbereich entdeckt“, schreiben der Architekt Günter Mader und die Gartenarchitektin Elke Zimmermann in ihrem sehr schön bebilderten und mit vielen praktischen Tipps versehenen Buch „Zäune und Tore“ (Deutsche Verlagsanstalt, 69,90 Euro). „Man möchte ihnen eine größere Verbreitung wünschen, denn sie besitzen eine ungewöhnlich lebendige und schöne Struktur, die sich im Lauf der Zeit verändert.“
Der Jägerzaun ist aus der Mode
Dass das Thema Naturmaterialien wieder zu neuen Ehren kommt, beobachtet auch August Forster: „Jäger- und Maschendrahtzäune verlieren hierzulande an Bedeutung, das verbinden die Leute doch zu sehr mit dem deutschen Spießertum“, sagt der Landschaftsgärtner. „Aber es gibt mittlerweile auch sehr schöne Zäune etwa aus senkrechten Latten, die man stilvoll einsetzen kann.“
Ein Anbieter einer solch schlichten Einfriedung ist zum Beispiel das „grüne“ Gartenfachunternehmen Re-natur, das Zäune aus französischer Esskastanie fertigen lässt. Als Zaunholz wird sie derzeit wiederentdeckt, weil sich die deutschen Konsumenten mit steigendem Umweltbewusstsein wieder mehr auf in Europa heimische Holzarten besinnen.
„So langsam übersteigt die Nachfrage nach unseren Zäunen unsere Kapazitäten, schließlich ist auch dem Wachstum der Esskastanie eine natürliche Grenze gesetzt“, berichtet Ulf Manke von der Niederlassung in Stolpe. „Außerdem ist die Herstellung sehr aufwendig: Bevor wir das Holz auf dem Hof haben, wurde jede einzelne Latte 36-mal angefasst.“ Das Holz der schlichten Zaunschönheiten stammt von Esskastanien, die in französischen Plantagen wachsen und etwa alle zwanzig Jahre abgeschnitten werden. „Aus dem Strunk treiben Stocktriebe aus, die man als oberschenkeldicke Äste erntet. Das ist eine sehr wirtschaftliche und ökologische Holzproduktion, bei der die Bäume mehrere hundert Jahre alt werden“, erläutert der Biogartenfachmann.
Esskastanien eignen sich gut für Zäune
Die gespaltenen Kastanienäste werden dann in drei bis vier verzinkten Drahtreihen eingedreht. Dabei entsteht ein Zaun, der vergleichsweise schnell montiert werden kann und jede Richtungs- und Höhenänderung des Geländes mitmacht: „Der verdrahtete Zaun ist in sich vergleichsweise labil, das erschwert das Überklettern. Deshalb wird der Zaun auch oft in Zoologischen Gärten und Parks eingesetzt“, nennt Zaunspezialist Manke ein Anwendungsbeispiel. Das Holz der Esskastanie ist im Übrigen genauso hart und beständig wie das der Eiche und gilt in der Fachwelt als „resistent“: Demnach halten Zäune aus Esskastanie bis zu 20 Jahren ohne Anstrich.
Ein weiteres Naturprodukt findet ebenfalls immer öfter Verwendung in deutschen Gärten, um sich „stilvoll“ von der Außenwelt abzuschotten: die Hecke. „Gerade kleinere Gärten können durch Hecken größer wirken“, nennt August Forster einen Vorteil. Vorausgesetzt, dass sie an den richtigen Stellen eingesetzt werden: „Hecken können den Garten in Räume teilen, Durchblicke versperren oder aber diese erst ermöglichen, ohne dabei selbst viel Platz zu verbrauchen. Und wer ein größeres Sicherheitsbedürfnis hat, kann seinen Maschendraht- oder Stabgitterzaun mit einer Hecke verzieren.“
Baumschulen bieten fertige Heckenelemente
Angesichts der Pflanzenvielfalt dürfte jeder Gartenbesitzer auch die für ihn richtige Hecke finden. Es gibt immergrüne Hecken und welche, die ihr Laub abwerfen, Pflanzen, die mit wenig Licht oder viel Sonne zurechtkommen, sowie Hecken, die schnell, und solche, die langsam wachsen. „Der Faktor Zeit ist heutzutage fast immer das wichtigste Thema“, berichtet August Forster aus der Praxis.
„Die meisten Kunden wollen ihren Garten jetzt gleich fertig haben. Deshalb gibt es in der Baumschule schon fix und fertige Heckenelemente, die man nebeneinandersetzen kann.“ Hört sich einfach an, ist aber letztlich nicht ohne: Entscheidend für den Erfolg des grünen Sichtschutzes ist der richtige Pflanzabstand. Bei klassisch gepflanzten Hecken rechnet man mit einer Zeitspanne von rund drei Jahren, bis sie ausreichend hoch und dicht sind.
„Manche Heckenarten passen bestens in den naturnahen Garten, sehen im formalen Garten aber weniger gut aus - und umgekehrt“, erläutert der Landschaftsgärtner, warum man auch bei der Hecke die Qual der Wahl hat. „Außerdem muss man bei der Anlage des Gartens berücksichtigen, dass hinter jeder Hecke ein Nachbar lebt. Denn eine Hecke, die zwei Grundstücke voneinander trennt, will von beiden Seiten gepflegt werden und wirft auch ihren Schatten nach rechts und links. Das kann Ärger geben.“
Ein Zaun darf nicht beliebig hoch sein
Apropros Ärger: Man darf seine Zäune vielerorts nicht in beliebiger Höhe aufstellen; für Zäune und Hecken zum Beispiel an öffentlichen Wegen gelten zudem besondere Regeln, die unter anderem die Sicherheit gewährleisten sollen. Am einfachsten ist es daher, sich bei der zuständigen Stadt- oder Gemeindevertretung nach den relevanten Vorschriften zu erkundigen. „Der Bebauungsplan sieht meist vor, dass der Zaun oder die Einfriedung dem ortsüblichen Erscheinungsbild folgen muss“, sagt August Forster als Beispiel für die von Stadt zu Stadt variierende Regel, wie hoch ein Zaun sein darf. „Das ist natürlich etwas vage, da muss man schon etwas genauer nachfragen.“
Die gute Nachricht: Die Gemeinde interessiert sich in aller Regel nur für eine ungefähre Einheitlichkeit in den Siedlungen, nicht aber für den Zaun im Detail. Also kann der Gartenbesitzer rund um die Einfriedung seines Grundstücks durchaus ein bisschen Phantasie walten lassen.