http://www.faz.net/-gqe-7btft

Landleben : Am Wochenende raus aufs Land

  • -Aktualisiert am

Das Dorf als Zweitwohnsitz Bild: Klein, Nora

Leerstehende Häuser und Höfe, die sich in Feriendomizile verwandeln lassen, gibt es genug. Oft haben die Verkäufer aber falsche Preisvorstellungen.

          Dass Gerard van Bruggen seinen Ruhestand an der Mosel verbringen würde, hätte er noch vor wenigen Jahren selbst nicht für möglich gehalten. Es war auch mehr Zufall, der ihn und seine Frau an den Fluss verschlug. „Kurz vor meiner Pensionierung überlegten wir, wo man was kaufen könnte“, erzählt der Niederländer; in Reichweite der Heimat sollte das Objekt liegen, alles andere sei erst einmal zweitrangig gewesen.

          Gut dreieinhalb Autostunden von Arnheim entfernt wurden die van Bruggens fündig, im Moselstädtchen Zell erwarben sie ein 1902 errichtetes Anwesen. Im Ortskern gelegen, sei das Haus in keinem guten Zustand gewesen, erinnert sich sein heutiger Eigentümer. Der jahrelange Leerstand hatte Spuren hinterlassen, doch davon ließ sich Gerard van Bruggen nicht abschrecken. Wann möglich, verbrachte er fortan die Wochenenden in Zell und brachte das Kleinod auf Vordermann. Diente das Haus anfangs noch als Feriendomizil, verlegte das Ehepaar später seinen Erstwohnsitz an die Mosel. Seither fungiert van Bruggens Immobilie als Ferienhaus.

          Ein Tausch der etwas anderen Art, doch dass Niederländer und Belgier, aber auch Iren und Briten an der Mosel und in der Eifel Immobilien kaufen, kommt häufiger vor, bestätigt Sarah Paluch vom Mosel-Immobilien-Service, zu deren Kunden auch Südafrikaner zählen. Die Ausländer bescheren der Agentur rege Nachfrage und bewahrt nicht wenige Objekte vor dauerhaftem Leerstand oder Abriss. Für viele Immobilien würde sich sonst kein Käufer finden.

          Vielerorts herrscht längst ein Überangebot

          Denn vielerorts herrscht längst ein Überangebot, bleiben Wohnhäuser über Jahre hinweg ungenutzt. Dass sich kein Käufer findet, liegt indes nicht allein an der demographischen Entwicklung - mitunter sind die Vermarktungsprobleme auch hausgemacht. Etwa weil der Standard niedrig ist oder der bauliche Zustand des Gebäudes arg zu wünschen übriglässt. Sind dann noch die Preisvorstellungen des Eigentümers überzogen, wird die Nachfrage schon im Keim erstickt. Hinzu kommt: Junge Paare und Familien zieht es meist eher in Neubaugebiete, weil sie dort mehr Platz fürs Eigenheim vorfinden. Unter Leerständen leiden deshalb vor allem die Dorfmitten.

          Stefan Hermes lebt mitten in Düsseldorf, doch regelmäßig fährt er mit Frau und Kindern sowie der Familie seiner Schwester in den 250-Einwohner-Ort Dorsel im Westen der Eifel, unweit der deutsch-belgischen Grenze. Abgeschiedener geht es kaum, aber „für uns war es immer ein Traum, unkompliziert ausbrechen zu können“, berichtet der 47-Jährige.

          Raus aus der Stadt, ab aufs Land - in einer Autostunde ist Hermes vor Ort. In dem verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit, gehörte der Winkelhof doch seinen Eltern. Als der Vater starb, hieß es behalten oder verkaufen? Hermes und seine Schwester entschieden sich für Ersteres, sanierte und baute großzügig aus. Für ihr Objekt erhielten die Bauherren den Staatspreis Rheinland-Pfalz - auch weil sie nach Ansicht der Jury einen gelungenen Beitrag zur Revitalisierung der Ortsmitte leisteten.

          Für viele Häuser finden sich keine Dauernutzer mehr

          Der Winkelhof in Dorsel ist mehr als ein Ferienhaus - die Franzosen würden von einer „Résidence Secondaire“ sprechen. Von der spricht auch Stefan Hermes, ein familiärer und ländlicher Ruhepunkt sei das Anwesen. Mindestens einmal im Monat ziehen sich beide Familien gemeinsam in die Eifel zurück. Ein Beispiel, das Schule machen könnte, weil es für von Leerständen geplagte Dörfer Chancen eröffnet.

          Weitere Themen

          Der Hubschrauber als letztes Auge Video-Seite öffnen

          Polizeipräsident im Video : Der Hubschrauber als letztes Auge

          Wenn das gesamte Areal menschenleer ist, muss sich auch die Polizei aus der Sperrzone entfernen. Dann fliegt nur noch der Helikopter über die leeren Straßen und sucht mit einer Wärmebildkamera nach Menschen, die sich noch im Areal aufhalten.

          Die weiteste Reise Video-Seite öffnen

          Voyager-Sonden : Die weiteste Reise

          Vor 40 Jahren startete die Raumsonde Voyager 1 ins äußere Sonnensystem. Heute ist sie das am weitesten entfernte Objekt von Menschenhand. Sie und ihre Schwestersonde senden noch immer erstaunliche Kunde aus den Tiefen des Weltalls.

          Topmeldungen

          Janet Yellen ist die Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve

          Historische Wende : Fed dreht den Geldhahn langsam zu

          Die Federal Reserve gibt den Einstieg in den Austieg bekannt. Die Stimulierung der Märkte soll nach und nach zurückgefahren werden. Es geht um Anleihen im Wert von knapp 4,5 Billionen Dollar.
          Polizeikräfte stehen vor dem durchsuchten Wirtschaftsministerium, während ein Demonstrant pro-separatistische Schilder zeigt.

          Festnahmen in Katalonien : Stimmzettel beschlagnahmt

          Die spanische Guardia Civil beschlagnahmt mehrere Millionen Wahlzettel für das geplante Referendum zur katalanischen Unabhängigkeit. In Barcelona demonstrierten mehrere Tausend Menschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.