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Veröffentlicht: 20.08.2013, 11:23 Uhr

Landleben Am Wochenende raus aufs Land

Leerstehende Häuser und Höfe, die sich in Feriendomizile verwandeln lassen, gibt es genug. Oft haben die Verkäufer aber falsche Preisvorstellungen.

von Marcus Stölb
© Klein, Nora Das Dorf als Zweitwohnsitz

Dass Gerard van Bruggen seinen Ruhestand an der Mosel verbringen würde, hätte er noch vor wenigen Jahren selbst nicht für möglich gehalten. Es war auch mehr Zufall, der ihn und seine Frau an den Fluss verschlug. „Kurz vor meiner Pensionierung überlegten wir, wo man was kaufen könnte“, erzählt der Niederländer; in Reichweite der Heimat sollte das Objekt liegen, alles andere sei erst einmal zweitrangig gewesen.

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Gut dreieinhalb Autostunden von Arnheim entfernt wurden die van Bruggens fündig, im Moselstädtchen Zell erwarben sie ein 1902 errichtetes Anwesen. Im Ortskern gelegen, sei das Haus in keinem guten Zustand gewesen, erinnert sich sein heutiger Eigentümer. Der jahrelange Leerstand hatte Spuren hinterlassen, doch davon ließ sich Gerard van Bruggen nicht abschrecken. Wann möglich, verbrachte er fortan die Wochenenden in Zell und brachte das Kleinod auf Vordermann. Diente das Haus anfangs noch als Feriendomizil, verlegte das Ehepaar später seinen Erstwohnsitz an die Mosel. Seither fungiert van Bruggens Immobilie als Ferienhaus.

Ein Tausch der etwas anderen Art, doch dass Niederländer und Belgier, aber auch Iren und Briten an der Mosel und in der Eifel Immobilien kaufen, kommt häufiger vor, bestätigt Sarah Paluch vom Mosel-Immobilien-Service, zu deren Kunden auch Südafrikaner zählen. Die Ausländer bescheren der Agentur rege Nachfrage und bewahrt nicht wenige Objekte vor dauerhaftem Leerstand oder Abriss. Für viele Immobilien würde sich sonst kein Käufer finden.

Vielerorts herrscht längst ein Überangebot

Denn vielerorts herrscht längst ein Überangebot, bleiben Wohnhäuser über Jahre hinweg ungenutzt. Dass sich kein Käufer findet, liegt indes nicht allein an der demographischen Entwicklung - mitunter sind die Vermarktungsprobleme auch hausgemacht. Etwa weil der Standard niedrig ist oder der bauliche Zustand des Gebäudes arg zu wünschen übriglässt. Sind dann noch die Preisvorstellungen des Eigentümers überzogen, wird die Nachfrage schon im Keim erstickt. Hinzu kommt: Junge Paare und Familien zieht es meist eher in Neubaugebiete, weil sie dort mehr Platz fürs Eigenheim vorfinden. Unter Leerständen leiden deshalb vor allem die Dorfmitten.

Stefan Hermes lebt mitten in Düsseldorf, doch regelmäßig fährt er mit Frau und Kindern sowie der Familie seiner Schwester in den 250-Einwohner-Ort Dorsel im Westen der Eifel, unweit der deutsch-belgischen Grenze. Abgeschiedener geht es kaum, aber „für uns war es immer ein Traum, unkompliziert ausbrechen zu können“, berichtet der 47-Jährige.

Raus aus der Stadt, ab aufs Land - in einer Autostunde ist Hermes vor Ort. In dem verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit, gehörte der Winkelhof doch seinen Eltern. Als der Vater starb, hieß es behalten oder verkaufen? Hermes und seine Schwester entschieden sich für Ersteres, sanierte und baute großzügig aus. Für ihr Objekt erhielten die Bauherren den Staatspreis Rheinland-Pfalz - auch weil sie nach Ansicht der Jury einen gelungenen Beitrag zur Revitalisierung der Ortsmitte leisteten.

Für viele Häuser finden sich keine Dauernutzer mehr

Der Winkelhof in Dorsel ist mehr als ein Ferienhaus - die Franzosen würden von einer „Résidence Secondaire“ sprechen. Von der spricht auch Stefan Hermes, ein familiärer und ländlicher Ruhepunkt sei das Anwesen. Mindestens einmal im Monat ziehen sich beide Familien gemeinsam in die Eifel zurück. Ein Beispiel, das Schule machen könnte, weil es für von Leerständen geplagte Dörfer Chancen eröffnet.

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