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Wohnen in Großstädten : Kaufpreise für Immobilien steigen stärker als Mieten

Zumindest nicht billig: Frankfurt Bild: Frank Röth

Das Vergleichsportal Verivox hat für die fünf größten Städte in Deutschland die Preisentwicklung im Jahresvergleich untersucht. Frankfurt spielt dabei eine Sonderrolle.

          Die Preise für Immobilien in den begehrten Großstädten steigen weiter ziemlich auffällig. Das Internetportal Verivox hat jetzt für die fünf größten Städte in Deutschland die Entwicklung von Kaufpreisen und Mieten verglichen, die in Inseraten im Internet verlangt werden. „Das sind die Daten, die uns zur Verfügung stehen, Gewerbe-Immobilien sind dabei nicht enthalten“, sagte eine Verivox-Sprecherin. Die Ergebnisse lesen sich zumindest nicht uninteressant: Demnach sind die Kaufpreise für Immobilien in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt von Januar 2015 bis Januar 2016 fast doppelt so stark gestiegen wie die Mietpreise in diesen Städten.

          Für Käufer betrug der Preisanstieg in den fünf größten deutschen Städten in diesem Zeitraum im Durchschnitt 4,9 Prozent – für Mieter 2,7 Prozent. Die höchste Kaufpreissteigerung verzeichnete Köln mit 10,7 Prozent. Es folgten Hamburg mit 7 Prozent und München mit 5,2 Prozent. In Berlin wurden die Immobilien diesem Vergleich zufolge um 4,9 Prozent teurer. Gegen den Trend entwickelt habe sich in diesem Zeitraum Frankfurt, behauptet Verivox. Dort seien die in den Inseraten verlangten Kaufpreise innerhalb dieser zwölf Monate um 3,1 Prozent zurückgegangen.

          Die höchsten Preise zahlten unverändert Immobilienkäufer in München. „Die steigenden Immobilienpreise lassen sich auch auf das anhaltende Zinstief zurückführen“, meinte Sven Ehrmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Verivox. „Die günstigen Kredite erleichtern die Finanzierung.“ Gleichzeitig steige die Attraktivität der Anlageform Immobilie gegenüber klassischen, niedrig verzinsten Anlagen. „Allerdings sind manche Immobilien in begehrten Lagen bereits überbewertet“, meinte Ehrmann. Wer im Januar 2016 Eigentum erworben habe, zahlte in den fünf Städten im Schnitt 4266 Euro je Quadratmeter – das bedeute durchschnittliche Mehrkosten von 187 Euro gegenüber Januar 2015. Für eine durchschnittliche Wohnungsgröße von 91 Quadratmetern fielen damit bei einem Kauf 17017 Euro mehr an. Mieter kostete ein Quadratmeter in den größten deutschen Städten im Januar 2016 durchschnittlich 12,40 Euro, das seien 0,40 Cent mehr gewesen als im Januar 2015. Für eine 91-Quadratmeter-Wohnung lagen die Mehrkosten bei 36,40 Euro.

          Warum gehen die Preise in Frankfurt zurück?

          Für diesen Vergleich hat Verivox nach eigenen Angaben zwölf deutsche Immobilienportale durchsucht, damit komme man auf eine größere Marktabdeckung als Untersuchungen von einzelnen Portalen. Gleichwohl hat der Vergleich sicher Grenzen, allein schon durch die Verwendung der Preise aus Inseraten, die natürlich nicht dem tatsächlichen Kaufpreis entsprechen müssen. Insbesondere der Preisrückgang in Frankfurt ist natürlich auffällig; er widerspricht dem allgemeinen Eindruck, dass auch dort Immobilien sehr begehrt sind und die Preise auf jeden Fall über einen längeren Zeitraum deutlich zugelegt haben. Die Postbank hatte unlängst eine Studie vorgelegt, in der sie für Frankfurt bis 2020 rückläufige Bevölkerungszahlen und sinkende Immobilienpreise vorhergesagt hatte; sie war damit aber auf wenig Zustimmung bei Immobilienfachleuten und den Planern der Stadt Frankfurt gestoßen.

          Rainer Braun vom Immobilieninstitut Empirica meint dazu, ein Fehler solcher Vergleiche von Inseraten sei häufig, dass man sich nur Mittelwerte anschaue. Dabei ergäben sich Verzerrungen, weil die Qualität der inserierten Immobilien sehr unterschiedlich sei, etwa was Größe, Baualter, Ausstattung betrifft. Deshalb verwende sein Institut sogenannte hedonische Preise, bei denen mit statistischen Methoden eine Qualitätsbereinigung vorgenommen werde.

          Für Frankfurt zeigten auch die Empirica-Zahlen für Etagenwohnungen einen leichten Rückgang der Preise im vierten Quartal 2015. Sowohl neue Wohnungen als auch ältere seien etwa 2 Prozent billiger geworden. Über alle vier Quartale 2015 aber kämen sie auf einen Preisanstieg von 5 Prozent für neue Wohnungen und 8 Prozent für Wohnungen aller Baujahre. Die Preise für Einfamilienhäuser in Frankfurt seien nach ihren Zahlen hingegen weiter gestiegen. Und auch für die Wohnungen in Frankfurt würde er noch nicht von einem „Preisverfall“ sprechen, sagte Braun. „Wir vermuten jedoch, dass die Zahlungsfähigkeit der Käufer, insbesondere bei Selbstnutzern, mittlerweile ausgeschöpft ist. Insgesamt aber würde ich den leichten Preisrückgang in einem Quartal nicht überinterpretieren.“

          Quelle: F.A.Z.

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