Home
http://www.faz.net/-gz7-741ex
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Justizzentrum Wiesbaden Lüften darf nur noch der Fachmann

Im Wiesbadener Justizzentrum ist mancher Mitarbeiter in diesen Tagen fassungslos. Denn dort wimmelt es vor gefährlichen Fenstern: Eine Mitarbeiterin verletzte sich, indem sie ein Fenster öffnete.

© Jean-Luc Valentin Vergrößern Hübsch anzusehen, aber mangelhaft: Fenster im Wiesbadener Justizzentrum

Im Wiesbadener Justizzentrum ist mancher Mitarbeiter in diesen Tagen fassungslos. Denn das hätte eigentlich nicht passieren dürfen: Ein erst vor kurzem repariertes Fenster hat sich aus der Verankerung gelöst und ist ins Innere eines Büros gestürzt. Dabei erlitt eine Mitarbeiterin des Sozialgerichts, die ihren Arbeitsraum lüften wollte, Prellungen an der Schulter und am Bein. Außerdem trug sie eine Schnittwunde an der Hand davon.

Ewald Hetrodt Folgen:    

Von einem „Rundum-sorglos-Paket“ war die Rede, als das mit Preisen ausgezeichnete Bauwerk im Januar 2010 eröffnet wurde. Tatsächlich entpuppt sich das Justizzentrum nun als regelrechte Gefahrenquelle. Zum zweiten Mal innerhalb von einem halben Jahr ist die Sicherheit der rund 680 Beschäftigten durch defekte Fenster gefährdet. Kritik der Opposition im Landtag löst dabei der Umstand aus, dass es sich bei dem Justizzentrum um ein sogenanntes PPP-Projekt handelt, eine öffentlich-private Partnerschaft, bei der das Land über 30 Jahre hinweg Mieter ist. Es hat in dem Bau Gerichte untergebracht und zahlt für eine Fläche von 33.000 Quadratmetern im Jahr 5,2 Millionen Euro. Die Gerichte sind Teil eines Gebäudeensembles, zu dem auch ein Komplex der Stadt Wiesbaden gehört. Das Investitionsvolumen für das ganze Bauwerk umfasst rund 130 Millionen Euro.

„Sehr bedauerlicher Vorfall“

Generalübernehmer war die Bilfinger Berger Hochbau. Deren Tochter HSG Zander betreibt die Anlage von der Reinigung der Räume bis zum Management des Parkhauses. Sie muss jetzt für die entstandenen Schäden geradestehen. Der Sprecher des Unternehmens sprach von einem „sehr bedauerlichen Vorfall“. Die Frage, wie er sich ereignen konnte, musste er unbeantwortet lassen. „Das weiß niemand.“

Wie berichtet, waren die etwa 2000 Fenster der Büroimmobilie im Mai aus Sicherheitsgründen fünf Tage lang geschlossen worden. 255 wurden instand gesetzt, weil ihre Beschläge sich als zu schwach erwiesen hatten. An der Unterseite der Fenster befindet sich die Begrenzungsschere. Diese bewegliche Metallstrebe soll dafür sorgen, dass sich der Flügel nicht weiter als 90 Grad öffnen lässt. Bei den bemängelten Objekten funktionierte dieser Mechanismus nicht. Weil die Fenster sich zu weit öffnen ließen, wurden die Scharniere so stark beansprucht, dass sie Schaden nahmen.

Mehr zum Thema

HSG Zander reparierte nicht nur die 255 offenkundig defekten Fenster. Das Unternehmen begann auch damit, an allen übrigen Bauteilen die Begrenzungsschere auszutauschen. Dazu habe das Fenster gezählt, das der Mitarbeiterin jetzt „entgegengekommen“ sei, heißt es beim Hessischen Immobilienmanagement. Der Landesbetrieb nimmt die Interessen der in dem Gebäude an der Mainzer Straße untergebrachten Gerichte wahr.

Gutachter sollen Defekt herausfinden

Die Arbeiten seien von einem Gutachter begleitet worden, der ihren korrekten Fortgang dokumentiert habe, betont die Sprecherin des Immobilienmanagements. „Wir konnten davon ausgehen, dass das alles ordnungsgemäß gelaufen ist.“ Auch sie hat keine Erklärung für den Unfall, der sich an diesem Montag ereignete. Niemand könne ausschließen, dass er sich wiederhole. Die Beschäftigten der Gerichte sind darum angehalten worden, vorerst keine Fenster selbst zu öffnen. Dafür halten sich Mitarbeiter der HSG Zander in dem Gebäude bereit. Gleichzeitig sollen externe und unabhängige Gutachter den entscheidenden Defekt der Fenster herausfinden. Die Beschläge stammen von einem in Deutschland etablierten chinesischen Hersteller. Mit ihm werde man sich womöglich auseinandersetzen, sagte der Sprecher der HSG Zander.

Der Bürotrakt der Stadt Wiesbaden ist von den Schäden nach den Angaben der Verwaltung bis heute weitgehend verschont geblieben. Zwar sei die Bauweise dieselbe, aber die Fensterflächen seien kleiner und die Scheiben nicht so dick wie im Justizzentrum. Dort sei eine stärkere Schallisolierung nötig, weil das Gebäude unmittelbar an der stark befahrenen Mainzer Straße liege, heißt es im Rathaus. Dass aber auch in dem Bürokomplex der Stadt eine gewisse Nervosität herrscht, zeigen die Warnhinweise auf den Fluren: „Bitte Fenster sachgemäß und langsam öffnen“.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Feuerwehren im Dauereinsatz Brände verursachen hohe Schäden

Technische Fehler, kaputte Geräte, ein ölgetränkter Lappen: Eine Reihe von Bränden hat bei der Feuerwehr in Hessen für viel Arbeit gesorgt. Mehr

25.10.2014, 15:38 Uhr | Rhein-Main
Klaus Harste, Vorstandsvorsitzender von Saarstahl

Früh interessierte sich Klaus Harste schon für Technik, reparierte als Kind Wecker und steht heute an der Spitze von Saarstahl - Einblicke in ein Leben voller Technik. Mehr Von Georg Küffner

12.08.2014, 15:32 Uhr | Technik-Motor
Neue Häuser Die Hightech-Wohnskulptur

Muss eine Villa gediegen aussehen? Nein, findet Familie Malorny aus Berlin – und lässt sich beim Hausbau auf Neues ein. Vom Leben in einer architektonischen Herausforderung, die technisch auf höchstem Niveau ist. Mehr Von Birgit Ochs

28.10.2014, 13:24 Uhr | Stil
Neue Aufgaben, neues Gebäude Die EZB und ihr neuer Glaspalast

Sie soll Stabilität garantieren, doch sie ist selbst im Umbau: die Europäische Zentralbank bekommt nicht nur neue Aufgaben, sondern auch ein neues Gebäude. Über 2000 Mitarbeiter sollen bis Jahresende in die 185 Meter hohen Doppeltürme in Frankfurt Ostend ziehen. Mehr

29.10.2014, 13:45 Uhr | Wirtschaft
Vorwurf der Besserstellung Kein Schild für den Schildermacher

Stellt man in der Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle in Frankfurt einzelne Autoschilder-Hersteller besser als andere? Damit befasst sich jetzt die Justiz. Mehr Von Manfred Köhler, Frankfurt

19.10.2014, 14:30 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.10.2012, 23:21 Uhr

Dumme Maut

Von Manfred Schäfers

Dobrindts Maut-Konzept ist noch lange nicht gut. Es baut auf Missgunst – und das Verhältnis von Aufwand und Ertrag stimmt einfach nicht. Mehr 10 19

Umfrage

Sparen Sie angesichts der niedrigen Zinsen noch?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschland sticht in See

Das „Traumschiff“ steuert in die Insolvenz: Es erwirtschaftet schlicht zu wenig Geld – obwohl das Interesse an Kreuzfahrten so groß ist wie nie zuvor, wie unsere Grafik des Tages zeigt. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden