Die Verwalter großer Familienvermögen (Family Offices) sind dafür bekannt, dass sie ausgesprochen diskret auf dem Immobilienmarkt agieren. Allerdings ist ihre Bedeutung als Käufergruppe über die vergangenen drei Jahre in einem Maße gestiegen, dass sich der Einfluss nicht mehr verbergen lässt. Vor diesem Hintergrund ist eine von dem auf Immobilien spezialisierten Family Office Famos erstellte Studie interessant, die einen Einblick in die Aufstellung dieser Marktakteure gibt. Sie basiert auf einer Umfrage unter 103 Betreuern von Familienvermögen mit einem durchschnittlichen verwalteten Volumen von 1,1 Milliarden Euro.
Die Studie bestätigt zunächst die wachsende Bedeutung der Immobilienanlage in dieser Investorengruppe. „Was andere Anlageklassen verlieren, gewinnen Immobilien hinzu“, stellt Reimund Schulz, Geschäftsführer von Famos Immobilien, fest. Spätestens mit der Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Frühjahr 2010 und den dadurch ausgelösten Inflationsängsten hätten die Aktivitäten auf dem Immobilienmarkt spürbar angezogen. In den Portfolios der befragten Family Offices machen Immobilien inzwischen 35 Prozent aus. Anleihen (24 Prozent) und Aktien (18 Prozent) folgen mit weitem Abstand.
Schwerpunkt Deutschland
Der regionale Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Heimatmarkt Deutschland. Bevorzugt wird von den Vermögensverwaltern der direkte Kauf von Objekten. Die indirekte Anlage über Immobilienfonds macht lediglich 21 Prozent des Immobilienanteils aus. Darin spiegelt sich die übliche Vorgehensweise wider, den eigenen Einfluss im Portfolio möglichst hoch zu halten. „Family Offices neigen zum Alleingang“, wird in der Studie festgestellt. 79 Prozent der Befragten favorisierten in der Immobilienanlage individualisierte Einzelinvestments. Und wird doch einmal eine Kooperation eingegangen, ist der Partner meistens ein anderer Family Office.
Unter den Nutzungsarten steht Wohnen mit einem Immobilienportfolioanteil von 39 Prozent ganz vorn, gefolgt von Büroobjekten mit 29 Prozent. Gemischt genutzte Objekte und Einzelhandelsobjekte kommen auf einen Anteil von jeweils 10 Prozent. Angesichts der gegenwärtig verfolgten Anlagestrategie sollte der Wohnungsanteil weiter ansteigen. Die Mehrheit der befragten Vermögensverwalter sieht Wohnungen derzeit als attraktives Marktsegment an - trotz der schon deutlich gestiegenen Preise an den besonders gefragten Standorten.
Nachhaltigkeit zählt
An zwei Stellen zeigte sich Famos-Geschäftsführer Schulz von den Ergebnissen der Studie überrascht. Zum einen fiel der Eigenkapitalanteil bei Immobilieninvestitionen mit durchschnittlich 44 Prozent höher aus als erwartet. Auch unterteilt nach der Struktur der Family Offices (Single, Multi, Banken) und der Größe des verwalteten Vermögens, sinkt der Anteil nicht unter 40 Prozent. Zum anderen wird dem Aspekt der Nachhaltigkeit von Gebäuden (Green Building, Zertifizierung) hinter dem Inflationsschutz der zweithöchste Stellenwert in der Immobilienanlage von den Befragten zugemessen - noch vor der Unabhängigkeit von Banken. „Unsere Erfahrung war bislang: Jeder spricht über Nachhaltigkeit, aber die wenigsten setzen sich bei Umbau, Neubau oder Projektentwicklung damit auseinander“, sagt Schulz. Nun zeige sich, dass Family Offices von ihren Dienstleistern und Kooperationspartnern verstärkt Expertenwissen zu diesem Themenkomplex erwarten.
Famos wurde schon in den fünfziger Jahren als Family Office der am Niederrhein beheimateten Familie Otten gegründet. Über die Jahre spezialisierte sich die Gesellschaft auf die Optimierung von Immobilienvermögen. Vor vier Jahren öffnete sich Famos auch für andere Auftraggeber aus der Familienvermögensverwaltung.
