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Immobilientagung IHK warnt vor Sylt-Effekt in Frankfurt

Viele Sylter können sich eine Wohnung in ihrer Heimat wegen des Preisauftriebs auf dem Häusermarkt nicht mehr erlauben. In Frankfurt könne es auch so kommen, warnt die IHK.

© dpa Auch im Frankfurter Nordend läuft die sogenannte Gentrifizierung: Das Quartier wird aufgewertet und einkommensschwachen Mietern zu teuer

Frankfurt, mahnt IHK-Präsident Mathias Müller, darf nicht wie Sylt werden. Auf der Nordsee-Insel der Reichen und Schönen können es sich viele Beschäftigte wegen der hohen Immobilienpreise längst nicht mehr leisten, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes zu wohnen.

Im prosperierenden Rhein-Main-Gebiet ist das Fernpendeln aus Fulda, Gießen, Limburg oder Mannheim für viele Beschäftigte längst Realität - und die Situation verschärft sich weiter. Nach Analyse des Stuttgarter Immobilien-Professors Hanspeter Gondring gehört Frankfurt/Rhein-Main zu den sechs deutschen Regionen, deren Bevölkerung bis 2030 gegen den demografischen Trend weiter wachsen wird.

Fallende Preise abseits der Metropolen

Der Druck auf den Wohnungsmarkt ist in der engen ehemaligen Reichsstadt, die in der Bundesrepublik nie eine Gebietsreform mitgemacht hat, enorm. Die Wohnungspreise steigen am Main fast so schnell wie in München, Hamburg und Berlin, wobei die Hauptstadt im Preisniveau noch reichlich Aufholpotential hat. Die Mieten hinken nur wenig hinterher. „Stadtluft macht arm“ hat „Der Spiegel“ in Bezug auf die deutschen Großstädte kürzlich getitelt. Abseits der Metropolen verfallen hingegen die Preise und Mieten.

Mit unsichtbarer Hand setze der Markt in der Stadt die Preise fest, beschreibt Gondring den schleichenden Prozess. „Wenn in der Goethestraße der Quadratmeter 12.000 Euro kostet, braucht dort niemand von sozialem Wohnungsbau sprechen.“ Die immer zahlreicheren Singles und die wohlhabenden und aktiven Alten verdrängen Normalverdiener und Zuwanderer aus dem Zentrum an die Stadtränder. Dort steige die Gefahr der Ghetto-Bildung.

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Die Immobilienwirtschaft hat reagiert und zieht in Frankfurt immer neue Blocks mit luxuriös eingerichteten Apartments hoch, vorzugsweise mit Blick auf den Main oder den Taunus. Für Krankenschwestern, Busfahrer oder andere Normalverdiener sind diese Wohnungen weitgehend unerschwinglich, sozialen Wohnungsbau leisten nur noch wenige Wohnungsgesellschaften unter öffentlicher Kontrolle. Frankfurts noch fast neuer Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat das Potenzial des Themas erkannt und es zur Chefsache gemacht.

Das lange Zeit erfolgreiche Bürogeschäft hat derweil in der Bankenstadt deutlich an Attraktivität verloren. „Man wird sich an einen hohen Sockel-Leerstand gewöhnen müssen“, sagt die anerkannte Immobilienberaterin Bärbel Schomberg aus Kronberg. Der Regensburger Professor für Immobilienfinanzierung, Steffen Sebastian, sieht die Besitzer der rund 20 Prozent überflüssigen Bürokästen in der Verantwortung. Die Gebäude müssten abgerissen oder in Wohnungen umgewandelt werden, wofür es in der Bürostadt Niederrad ein erstes gelungenes Beispiel gibt.

Interkommunale Wohngebiete über die Stadtgrenzen hinweg könnten eine Antwort sein, meint Jürgen Conzelmann, Vorsitzender von Haus und Grund Frankfurt, angesichts der explodierenden Preise in der City. Auch IHK-Chef Müller setzt auf eine regional abgestimmte Planung neuer Wohngebiete, die sinnvollerweise beim Planungsverband geleistet werden müsse. Allerdings für ein weit größeres Gebiet, das beispielsweise auch die Städte Darmstadt und Wiesbaden umfasse.

„Wir wollen euch nicht“

Die Gegenposition nimmt der frühere SPD-Planungsdezernent Martin Wentz im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein. „Jemand, der nach Frankfurt möchte, dem kann ich schlecht sagen: Wir wollen euch nicht, geht bitte nach Gelnhausen, Neu-Isenburg, Rodgau oder sonst wohin.“ In Frankfurt gebe es noch viele Flächen, die bebaut werden könnten, weitere Möglichkeiten seien die Nachverdichtung bestehender Gebiete und die Umwandlung (Konversion) etwa von Industriegrundstücken.

An eine regionale Zusammenarbeit hegt Wentz keine hohen Erwartungen, macht er im großen IHK-Saal klar. Letztlich bleibe laut Grundgesetz die Planungs- und Finanzhoheit bei den einzelnen Kommunen. Jeder Bürgermeister, der gegen die Interesse seiner Kommune handele, werde völlig zu Recht von seinen Bürgern abgewählt. Von daher bleibe der Wunsch nach regionaler Zusammenarbeit ohne eine handfeste Änderung des Grundgesetzes reine „Feiertagsrhetorik“.

Quelle: LHE

 
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