06.10.2011 · Die jüngste Auflage der Expo Real hat die zunehmende Bedeutung von Gemeinschaftsständen deutlich gemacht. Mit dem größten Stand zeigt Hamburg Flagge.
Von Christiane HarriehausenFür den Geschäftsführer der Messe München, Eugen Egetenmeier, ist die zunehmende Bedeutung der Gemeinschaftsstände eine der wichtigsten Entwicklungen, die bei der diesjährigen Auflage der Expo Real zu beobachten waren. Bei einem Gang durch die sechs Hallen wurde offensichtlich, was er mit dieser Aussage auf der Hauptpressekonferenz meinte.
"Größer, schöner, präsenter" lautete das Motto, dem viele Länder, Städte und Regionen folgten - von Berlin-Brandenburg über Frankfurt bis zu den Länderpavillons aus Luxemburg, Frankreich oder den Niederlanden, um nur einige Beispiele zu nennen. Erstmals gab es sogar einen thematischen Gemeinschaftsstand für die Hotellerie.
Doch was versprechen sich die Aussteller davon, unter das Dach eines Gemeinschaftsstandes zu schlüpfen? Auf der Suche nach einer Antwort hat es sich gelohnt, einen Tag auf dem Stand der Hansestadt Hamburg zu verbringen. Mit 555 Quadratmetern präsentierte sie sich in diesem Jahr auf der größten Fläche aller Aussteller. Insgesamt 44 Partner und drei Sponsoren nutzten diese Plattform für ihre Kundenpflege, die Vorstellung neuer Projekte und den Abschluss von Geschäften.
Tatsächlich war der Hamburg-Stand von morgens bis abends heftig umlagert und gehörte damit zu den wichtigsten Publikumsmagneten der Messe - obwohl die Hanseaten im Unterschied zu den meisten anderen Gemeinschaftsständen auf ein umfangreiches Begleitprogramm mit Podiumsdiskussionen verzichteten. "Unsere Standpartner würden sich durch den Akustikbrei nur gestört fühlen", begründete Andreas Köpke von der Hamburger Wirtschaftsförderung (HWF) diese Entscheidung. "Schließlich ist die Expo Real in erster Linie eine Arbeitsmesse." Das Vorgehen ist nachvollziehbar, denn der allgemeine Geräuschpegel auf der Messe ist hoch. Viele Veranstaltungen gehen deshalb in dem Gewirr aus Stimmen und Musik fast unter.
Frei nach dem Motto "Weniger ist mehr" setzten die Hanseaten auf die Wirkung ihrer Projekte und nutzten schon die Messevorbereitung zur Kontaktaufnahme. "Wir konzentrieren uns unter anderem auf unser Messemagazin, das nach einem Relaunch nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich in seiner Wertigkeit einen Sprung nach vorne gemacht hat", berichtete Köpke nicht ohne Stolz. Diese Strategie habe sich bewährt.
Das bestätigte Philipp Schmitz-Morkramer, Vorstand der Quantum Immobilien AG, die schon seit vielen Jahren auf dem Gemeinschaftsstand von Hamburg vertreten ist. "Für uns ist die Teilnahme am Messeauftritt ein Ausdruck der Verbundenheit mit der Stadt", sagte er. Der Unternehmer schätzte zudem die Attraktivität und Präsenz des Standes sowie seine zentrale Lage in der Halle. Das alles sei mit einem eigenen Stand nur schwer zu erreichen gewesen. "Natürlich spielen für uns auch die Kosten eine Rolle - mit einem Einzelstand wären diese deutlich höher", erläuterte Schmitz-Morkramer.
Dass ein Auftritt auf dem Gemeinschaftsstand aber nicht umsonst zu haben ist, liegt dennoch auf der Hand, "Wir erzielen ein Umsatzvolumen von rund 1,1 Millionen Euro", berichtete Wirtschaftsförderer Köpke. Doch dafür buchten die Partner auch ein Rundum-sorglos-Paket und brauchten nur noch ihre Computer anzuschließen, um loslegen zu können.
Wer jedoch am Hamburg-Stand ausschließlich in Hamburg ansässige Unternehmen erwartet hatte, der wird überrascht. Mit der Robert C. Spies Gewerbe und Investment GmbH war auch ein in Bremen ansässiges Immobilienberatungsunternehmen am Stand vertreten, das Investoren aus der heimatlichen Hansestadt den Eintritt in den Markt der anderen Hansestadt erleichtert will und sich vor diesem Hintergrund am Hamburg-Stand sehr wohl fühlte.
Auch die Egno Entwicklungsgesellschaft Norderstedt war vor Ort und präsentierte Flächen im unmittelbaren Einzugsgebiet des Hamburger Flughafens. "Die Zusammenarbeit mit den Hamburgern klappt hervorragend", berichtete Egno-Geschäftsführer Marc-Mario Bertermann. Da Norderstedt unmittelbar an das Hamburger Stadtgebiet grenzt, sei eine Kooperation sinnvoll und verlaufe in der Regel auch reibungslos. Davon profitierten beide Seiten. "Die Einbindung von Vertretern aus der gesamten Metropolregion ist uns sehr wichtig", ergänzte Köpke. Schließlich gehe es darum, den Standort als solchen weiter voranzubringen. Das Beharren auf Ländergrenzen mache dabei überhaupt keinen Sinn.
Beharrungsvermögen bewiesen die Hanseaten allerdings im Hinblick auf die Optik ihres Messeauftritts. "Wir nutzen diesen Stand jetzt zum 25. Mal", berichtete Wirtschaftsförderer Köpke. Dank einer dezenten Farbgebung, bei der ein klassisches Dunkelblau dominiert, wirkt er nicht veraltet, sondern, passend zur hanseatischen Mentalität, zurückhaltend und zeitlos. Kein Wunder also, dass die Zahl der Aussteller in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen ist. "Die Lounges könnten wir inzwischen mehrfach vermieten", sagte Köpke.
Etwas ungehalten wurde er allerdings bei Thema Trittbrettfahrer - Messebesucher, die im Trubel der Messe versuchen, die Infrastruktur des Gemeinschaftsstandes inklusive Gastronomie und Büroservice zu nutzen, ohne ein zahlender Standpartner zu sein. "Mit dieser Problematik haben wir zwar stärker auf der Mipim in Cannes zu tun, aber auch auf der Expo Real in München kommt das leider immer wieder vor", berichtete der Wirtschaftsförderer.
Ob die Hamburger auch im nächsten Jahr wieder den größten Messeauftritt in der Neuen Messe München hinlegen werden, das ist heute noch nicht absehbar. Absehbar ist jedoch, dass sich der Trend hin zu Gemeinschaftsständen fortsetzen dürfte. Gespräche mit Standpartnern fügten sich zu einem insgesamt positiven Bild zusammen - und belegten die Zufriedenheit der Aussteller.