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Immobilienmarkt : Sehnsucht nach Sicherheit

Bild: F.A.Z.

Die Euro-Krise treibt die Menschen zurück auf den Immobilienmarkt. Das Geschäft mit Grund und Boden brummt. Die drei wichtigsten Kriterien für eine Investition? Immer noch Lage, Lage, Lage.

          Mehr als 3000 Häuser und Wohnungen plant Markus Irling jedes Jahr, aber so etwas hat er noch nicht erlebt. Dass die Nachfrage anzieht, war klar, aber das Tempo hat uns doch überrascht“, sagt er. „Alle waren gefordert.“ Irling ist Vertriebsgeschäftsführer des niedersächsischen Bauunternehmens Heinz von Heiden. Als Marktführer im deutschen Hausbau steht er am Ende einer Wertschöpfungskette, die in diesen Tagen eine Renaissance erlebt.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Auf der anderen Seite stehen Menschen wie Andreas Grünvogel. Zwei kleine vermietete Eigentumswohnungen im nahegelegenen Mainz hat der Wiesbadener Anwalt gekauft. In der Mainzer Neustadt leben Studenten, Migranten und Alteingesessene zusammen, Wohnungen sind gesucht. Grünvogel hat in Mainz studiert, dort kennt er sich aus, man könnte auch sagen: Er kennt den Markt. Die Gelegenheit war günstig, das Geld billig. Er ist jetzt Ende dreißig, er hat sich den Kauf genau überlegt. Die Wohnung solle schließlich einmal Teil seiner Altersvorsorge sein, sagt er. „Geld in Aktien anzulegen ist mir in dieser Situation zu riskant.“

          Vermeintlich sichere Anlagen werfen kaum noch Zinsen ab

          Die Euro-Krise lässt die Sehnsucht nach Grund und Boden wachsen. Die Bauzinsen sind auf einem historisch niedrigen Niveau, die Inflation steigt, und vermeintlich sichere Anlagen wie Staatsanleihen sind durch die Euro-Krise zum Spekulationspapier mutiert oder werfen kaum noch Zinsen ab. Wer in Deutschland-Anleihen investiert, akzeptiert sogar einen realen Wertverlust. Deutlicher könnten die Zeichen der Angst kaum sein. In diesem Umfeld „negativer Realzinsen“ erinnern sich viele wieder an die jahrelang wegen ihrer mageren Renditen belächelten Immobilien. Seit 2007 sei die Zahl der Kaufanfragen um 500 Prozent gestiegen, sagt Marcus Drost von Immobilienscout24. „Das kann man nicht alleine mit dem Trend zur Internetsuche erklären.“

          Die Suche nach Sicherheit treibt nicht nur Menschen wie Andreas Grünvogel um. Die Euro-Krise hat die ganze Investmentbranche aufgeschreckt. „Wir wollen unsere Immobilienquote von 4 auf 6 Prozent erhöhen“, sagt Olivier Piani. Was klingt wie ein kleiner Schritt, ist in Wahrheit ein enormer Kraftakt. Piani ist Vorstandschef von Allianz Real Estate. Der Konzern habe vor der Finanzkrise seinen Immobilienbestand heruntergefahren und sei deshalb heute unterrepräsentiert, sagt er. Seit 2010 würden „die Bestände“ deshalb aufgestockt: Jährlich bis zu 2 Milliarden Euro will der Konzern nun neu in Immobilien stecken, 80 Prozent davon in Europa, vor allem in Gewerbeimmobilien, Büros und Shoppingcenter in erstklassigen Lagen.

          In vielen Teilen wie leergefegt

          Ob das kurzfristig möglich ist, daran haben Fachleute ihre Zweifel. Denn der Nachfrage steht bei weitem kein geeignetes Angebot gegenüber. „Viele institutionelle Anleger können ihren Zahlungsverpflichtungen nur mit Staatsanleihen nicht mehr nachkommen“, sagt Marcus Cieleback vom börsennotierten Immobilieninvestor Patrizia. Deshalb sei die Suche nach Immobilien verständlich. Der Markt sei allerdings in vielen Teilen wie leergefegt. Warum solle ein Investor gute Objekte verkaufen, wenn er nicht in Not sei? „Er hätte danach wieder dasselbe Anlageproblem.“ Patrizia hat Anfang des Jahres für 1,43 Milliarden Euro mehr als 21.000 Wohnungen von der LBBW gekauft. Es war eines der größten Geschäfte überhaupt.

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