30.01.2013 · Überall entstehen neue Wohnanlagen für betuchte Bewohner. Sie tragen Namen wie „Gärten“, „Höfe“, „Palais“ oder „Modern Living“. Denn neben der Lage zählt die Marke
Von Jörg NiendorfRichtlinien für Lesermeinungen
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Derart nobel betitelt, kommt sonst nur Speiseeis daher
Wer sich unwohl fühlt, die demente Mutter im Altersheim neben der
Müllkippe einzuquartieren, schläft doch gleich besser, wenn er
sie in der "Seniorenresidenz am Entsorgungspark" weiss.
Selten steht hinter den klangvollen Namen großzügige
Raumaufteilung und edeles Material. Der Stuck aus Styropor, die
Fensterstrebe aus Klebeband - da müssen fürstliche Namen
ebensolche Quadratmeterpreise kaschieren.
Es erinnert ein wenig an die Handelsnamen von Hausgeräten, die
Versandhändler aus Bosnien oder der Türkei importierten - die
nannten sich "Exquisit" oder gar "Privileg".
Wer's braucht.....
Ich bin wirklich ein Fan Ihrer Kommentare, Herr Goldstein.
Und ich empfinde den ersten Abschnitt auch nur als witzig, obwohl er doch eigentlich makaber ist.
Glengarry Glen Ross von David Mamet,
auf Deutsch "Hanglage Meerblick", gibt einen Blick hinter die Kulissen frei. Makler-Lyrik und zwielichtige Anbieter lauern auf verunsicherte, geschmacksferne und "aufstiegs"-geile Kundschaft.
Wie könnte man es besser machen? Ziegel - und keine Angst vor der dem Heizen!
Kalksandstein mit Isolierung? Flachdach? Glas vom Boden bis zur Decke -
und das im Süden
Leider schreiben Sie nicht, wie man es besser machen könnte:
Verzicht auf Rendite
- durch Erhöhung der Außenwanddicke
- ordentlich dimensionierte Treppenhäuser
und Raum für Abstellflächen im EG-Bereich. Außerdem
- nicht auf die Energieeinsparverordnung schauen - CO2 macht doch nicht
warm, wer glaubt denn an Märchen?
- keine Wärmedämmverbundsysteme alles Altlasten für die
heute jungen, kein Materialmix
- kein Flachdach - einfach hässlich, die Dauerhaftigkeit sehr
fraglich und abhängig von vielen menschlichen Faktoren
- Ziegel als Baustoff, wo immer es geht, Beton nur wo statisch keine Alternative
Verzicht auf Kunststoff (nicht nur am Haus sondern auch im Leben) wo
immer es geht. Irgendwie und wo gelangt das Zeug ins Meer und in den
Nahrungskreislauf. Für mich das Problem ganz oben, weit vor CO2 -
aber leider nicht sehr populär. Oder haben Sie schon mal einen
Politiker gesehen, der auf Flüge verzi
auf das "Branding" rein. In 10 Jahren spricht keiner mehr von dem Namen, da wird nüchtern geschaut, wie ist die Bausubstanz.
Es ist noch ein bisschen schlimmer,...
Leider kenne ich tatsächlich jemanden, der zwar einmal nicht als
Adresse, aber im Gespräch als "Location" "NY
Living" angegeben hat. Das klingt so schön nach New York.
Aber das hat die "Location" auch bitter nötig, denn
entgegen dem Artikel liegt sie nicht in Nymphenburg. Zwar an der
Nymphenburgerstraße, aber im (sorry) finsternsten Neuhausen. Da
braucht es schon eine verbale Aufwertung, um die exorbitanten Preise zu rechtfertigen.
Und so heißt Giesing - DIE Arbeiterecke in München, da wo
noch der "echte" Münchner wohnt, und nicht diese
"Isar-Preußen" - gerne auch mal Alt-Harlaching.
Und so weiter und so weiter
Aber schee is trotzdem!
Markenführung in der Immobilienindustrie
Ein Name macht noch keine Marke; Markterfolg hat immer noch wer ein profiliertes, auf eine klar definierte Zielgruppe ausgerichtetes Angebot entwickelt, ein einzigartiges Werte-Portfolio zusammenstellt, mit u.a. einem attraktiven Preis-/Leistungsprofil, spannenden Wohnungen mit überzeugenden Grundrissen und Raumkonzepten, überraschenden Details in der Ausstattung und Materialisierung, hilfreichen Services für die möglichen Käufer oder Mieter etc. Dass in der Vermarktung eines Wohnbauprojektes dann auch der Marktauftritt (Markenauftritt) Teil der profilierten Positionierung ist, scheint einfach nur logisch. Ob darin der Name (das Logo, der Claim) entscheidend ist, scheint gerade bei Wohnanlagen sehr fraglich. Denn, die Marke hat erst dann ihre Berechtigung, wenn sie nicht nur in der Vermarktung, sondern auch im Betrieb der Immobilie einen entscheidenden Mehrwert darstellt.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.01.2013 21:22 UhrArchitektur als Markenprodukt? Dürfte wohl eher kontraproduktiv sein!
Anders als bei Verbrauchsartikeln wie Auto oder Kleidung, sind
„Marken“ bei Häusern allenfalls mit dem Image
„bloß ein Fertighaus“ verknüpft und können
günstigstens eine technisches Qualitätsversprechen beinhalten.
Deshalb werben die Investoren eher mit „Stil“-Versprechen,
soweit es um das Erscheinungsbild geht. (Siehe etwa Heinrich-Heinrich-Gärten)
Diese Stilversprechen sind allerdings heikel und dürfen keinesfalls
ein Stylingversprechen sein, weil es dem Anspruch auf
Wertbeständigkeit zuwider läuft, die Bauten gestalterisch
wertmindernd veralten lassen, bevor der Kunde nur die Hälfte
abgestottert hat. Der Unterschied von Gebäuden zu anderen Dingen
ist ihre Langlebigkeit! Da helfen auch Marken wenig, weil technische
Mängel oft erst nach 10-15 Jahren bemerkbar werden. Da vertraut der
Käufer lieber auf anderweitig definierte Qualitätsmerkmale.
Übrigens sind auch „Stil“-Versprechen heikel, weil die
Stiloriginale überall in Europa herumstehen und Kenner den
peinlichen Fake entlaven.
„Kronprinzengärten, Klostergärten, Rathausgärten“ und anderes Verbalverpackungen
Früher verkaufte man Architektur mit „modern“, oder
beauftragte „Kritiker“ mit Slogans wie „weniger ist
mehr“, wenn es etwas tiefgründiger erscheinen sollte.
Nun sind es die klangvollen Namen, die einen Mehrwert der Bauten
erzeugen sollen. Zuweilen liefert man ganze Storys dazu, siehe etwa das
Filmchen zu „Heinrich-Heine-Gärten“ in Düsseldorf.
Doch in der Sache, also am Gebäude, im Baukünstlerischen hat
sich fast nichts geändert. Es geht immer um das gleiche Prinzip,
darum, Billigkram schön zu reden. Die großen Worte ersparen
den echten, den in Stein und Mörtel gegossenen
baukünstlerischen Aufwand am Gebäude und erzeugen Mehrwert,
also Gewinn und Rendite, durch reines Gelaber.
Dabei gilt Prinzip "große Worte für armselige
Tatsachen" übrigens nicht nur in der Architektur.
Es funktioniert in fast allen Bereichen bis hin zur Kunst oder Politik.
Erstaunlich ist es für mich, dass es immer noch so viele Menschen
gibt, die anstelle eigener Eindrücke an dieses Werbegelaber
glauben.
Heinrich Heine Gärten in Düsseldorf
Ihrem Kommentar, Herr Böhme, kann ich nur zustimmen. Noch schlimmer
ist es, wenn man sich einmal durchliest, was dort angepriesen wird: Da
wird eine Doorwoman angepriesen, die im Fließtext zur Concierge
mutiert, man preist Maisons an, spricht von exklusiven Stadtvillen und
Townhouses, hochwertigen Stadtwohnungen und Lofts, die sich um eine
zentrale Plaza mit einem Wasserlauf gruppieren, der das Herz der Anlage
bildet. Neuerdings gibt es in Düsseldorf ja nur noch Quartiere...
und vor allem Luxuswohnungen, die kein Normalsterblicher bezahlen kann.
Der Rat des OB Elbers, die Normalos könnten ja in Ratingen oder
weiß der Teufel wo wohnen, ist der pure Hohn.
Eine derartiges Kauderwelsch liest man selten, scheint aber zu
Düsseldorf zu passen. Und obwohl ich nun über 40 Jahre in
Düsseldorf lebe, wird es mir nicht sympathischer.
Genau so ist es,
zu totlachen aber auch sehr arm wie diese Gesellschaft denkt!