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Immobilien-Marketing Namensblüten

 ·  Überall entstehen neue Wohnanlagen für betuchte Bewohner. Sie tragen Namen wie „Gärten“, „Höfe“, „Palais“ oder „Modern Living“. Denn neben der Lage zählt die Marke

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (10)
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Mathias Goldstein

Derart nobel betitelt, kommt sonst nur Speiseeis daher

Wer sich unwohl fühlt, die demente Mutter im Altersheim neben der Müllkippe einzuquartieren, schläft doch gleich besser, wenn er sie in der "Seniorenresidenz am Entsorgungspark" weiss.

Selten steht hinter den klangvollen Namen großzügige Raumaufteilung und edeles Material. Der Stuck aus Styropor, die Fensterstrebe aus Klebeband - da müssen fürstliche Namen ebensolche Quadratmeterpreise kaschieren.

Es erinnert ein wenig an die Handelsnamen von Hausgeräten, die Versandhändler aus Bosnien oder der Türkei importierten - die nannten sich "Exquisit" oder gar "Privileg".

Wer's braucht.....

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.02.2013 20:02 Uhr
Cornelia  Holtmann

Ich bin wirklich ein Fan Ihrer Kommentare, Herr Goldstein.

Und ich empfinde den ersten Abschnitt auch nur als witzig, obwohl er doch eigentlich makaber ist.

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Alexander Lieven

Glengarry Glen Ross von David Mamet,

auf Deutsch "Hanglage Meerblick", gibt einen Blick hinter die Kulissen frei. Makler-Lyrik und zwielichtige Anbieter lauern auf verunsicherte, geschmacksferne und "aufstiegs"-geile Kundschaft.

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Anton Seidel
Anton Seidel (ase) - 01.02.2013 10:46 Uhr

Wie könnte man es besser machen? Ziegel - und keine Angst vor der dem Heizen!

Kalksandstein mit Isolierung? Flachdach? Glas vom Boden bis zur Decke - und das im Süden
Leider schreiben Sie nicht, wie man es besser machen könnte:
Verzicht auf Rendite
- durch Erhöhung der Außenwanddicke
- ordentlich dimensionierte Treppenhäuser
und Raum für Abstellflächen im EG-Bereich. Außerdem
- nicht auf die Energieeinsparverordnung schauen - CO2 macht doch nicht warm, wer glaubt denn an Märchen?
- keine Wärmedämmverbundsysteme alles Altlasten für die heute jungen, kein Materialmix
- kein Flachdach - einfach hässlich, die Dauerhaftigkeit sehr fraglich und abhängig von vielen menschlichen Faktoren
- Ziegel als Baustoff, wo immer es geht, Beton nur wo statisch keine Alternative
Verzicht auf Kunststoff (nicht nur am Haus sondern auch im Leben) wo immer es geht. Irgendwie und wo gelangt das Zeug ins Meer und in den Nahrungskreislauf. Für mich das Problem ganz oben, weit vor CO2 - aber leider nicht sehr populär. Oder haben Sie schon mal einen Politiker gesehen, der auf Flüge verzi

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Harald Muller
Harald Muller (FAZguy) - 31.01.2013 23:24 Uhr

Dumme Menschen fallen halt

auf das "Branding" rein. In 10 Jahren spricht keiner mehr von dem Namen, da wird nüchtern geschaut, wie ist die Bausubstanz.

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Thorsten Kahner

Es ist noch ein bisschen schlimmer,...

Leider kenne ich tatsächlich jemanden, der zwar einmal nicht als Adresse, aber im Gespräch als "Location" "NY Living" angegeben hat. Das klingt so schön nach New York.

Aber das hat die "Location" auch bitter nötig, denn entgegen dem Artikel liegt sie nicht in Nymphenburg. Zwar an der Nymphenburgerstraße, aber im (sorry) finsternsten Neuhausen. Da braucht es schon eine verbale Aufwertung, um die exorbitanten Preise zu rechtfertigen.

Und so heißt Giesing - DIE Arbeiterecke in München, da wo noch der "echte" Münchner wohnt, und nicht diese "Isar-Preußen" - gerne auch mal Alt-Harlaching.

Und so weiter und so weiter

Aber schee is trotzdem!

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Martin Steiner

Markenführung in der Immobilienindustrie

Ein Name macht noch keine Marke; Markterfolg hat immer noch wer ein profiliertes, auf eine klar definierte Zielgruppe ausgerichtetes Angebot entwickelt, ein einzigartiges Werte-Portfolio zusammenstellt, mit u.a. einem attraktiven Preis-/Leistungsprofil, spannenden Wohnungen mit überzeugenden Grundrissen und Raumkonzepten, überraschenden Details in der Ausstattung und Materialisierung, hilfreichen Services für die möglichen Käufer oder Mieter etc. Dass in der Vermarktung eines Wohnbauprojektes dann auch der Marktauftritt (Markenauftritt) Teil der profilierten Positionierung ist, scheint einfach nur logisch. Ob darin der Name (das Logo, der Claim) entscheidend ist, scheint gerade bei Wohnanlagen sehr fraglich. Denn, die Marke hat erst dann ihre Berechtigung, wenn sie nicht nur in der Vermarktung, sondern auch im Betrieb der Immobilie einen entscheidenden Mehrwert darstellt.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.01.2013 21:22 Uhr
Winfried Böhme

Architektur als Markenprodukt? Dürfte wohl eher kontraproduktiv sein!

Anders als bei Verbrauchsartikeln wie Auto oder Kleidung, sind „Marken“ bei Häusern allenfalls mit dem Image „bloß ein Fertighaus“ verknüpft und können günstigstens eine technisches Qualitätsversprechen beinhalten. Deshalb werben die Investoren eher mit „Stil“-Versprechen, soweit es um das Erscheinungsbild geht. (Siehe etwa Heinrich-Heinrich-Gärten)

Diese Stilversprechen sind allerdings heikel und dürfen keinesfalls ein Stylingversprechen sein, weil es dem Anspruch auf Wertbeständigkeit zuwider läuft, die Bauten gestalterisch wertmindernd veralten lassen, bevor der Kunde nur die Hälfte abgestottert hat. Der Unterschied von Gebäuden zu anderen Dingen ist ihre Langlebigkeit! Da helfen auch Marken wenig, weil technische Mängel oft erst nach 10-15 Jahren bemerkbar werden. Da vertraut der Käufer lieber auf anderweitig definierte Qualitätsmerkmale.

Übrigens sind auch „Stil“-Versprechen heikel, weil die Stiloriginale überall in Europa herumstehen und Kenner den peinlichen Fake entlaven.

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Winfried Böhme

„Kronprinzengärten, Klostergärten, Rathausgärten“ und anderes Verbalverpackungen

Früher verkaufte man Architektur mit „modern“, oder beauftragte „Kritiker“ mit Slogans wie „weniger ist mehr“, wenn es etwas tiefgründiger erscheinen sollte.

Nun sind es die klangvollen Namen, die einen Mehrwert der Bauten erzeugen sollen. Zuweilen liefert man ganze Storys dazu, siehe etwa das Filmchen zu „Heinrich-Heine-Gärten“ in Düsseldorf.

Doch in der Sache, also am Gebäude, im Baukünstlerischen hat sich fast nichts geändert. Es geht immer um das gleiche Prinzip, darum, Billigkram schön zu reden. Die großen Worte ersparen den echten, den in Stein und Mörtel gegossenen baukünstlerischen Aufwand am Gebäude und erzeugen Mehrwert, also Gewinn und Rendite, durch reines Gelaber.

Dabei gilt Prinzip "große Worte für armselige Tatsachen" übrigens nicht nur in der Architektur.
Es funktioniert in fast allen Bereichen bis hin zur Kunst oder Politik. Erstaunlich ist es für mich, dass es immer noch so viele Menschen gibt, die anstelle eigener Eindrücke an dieses Werbegelaber glauben.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 31.01.2013 23:26 Uhr
Harald Muller
Harald Muller (FAZguy) - 31.01.2013 23:26 Uhr

Genau so ist es,

zu totlachen aber auch sehr arm wie diese Gesellschaft denkt!

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30.01.2013, 14:47 Uhr

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